Aufs Horn gekommen Allgäuer Käser schwört auf Milch von Horn-Kuh
Seit Februar verarbeitet ein Molkereimeister aus Waltenhofen-Hegge im Oberallgäu für Quark und Käse ausschließlich Milch von Kühen mit Hörnern. Sie ist angeblich gesünder als die von enthornten Tieren. Und er findet Kunden trotz doppelt so hoher Peise wie beim Diskounter.
In einer weißen Latzhose und mit einem Haarnetz auf dem Kopf werkelt Werner Rist in seiner Molkerei in Hegge. Noch ein letzter Schliff - fertig ist ein 1A-Bioquark ohne Bindemittel und künstliche Aromen. Auf die Idee, ausschließlich Milch von Kühen mit Hörnern zu verwenden, kam der 41-jährige Molkereimeister, kurz bevor er sich als Einzelkämpfer selbstständig gemacht hat: „Mein Milchlieferant hat gesagt: Denk dran, die Milch ist ausschließlich von behornten Kühen. … Und wirklich: Die Säuerung läuft anders bei dieser Milch. … Neurodermitis-Patienten vertragen sie besser, wirklich erstaunlich."
Wissenschaflticher Beweis fehlt
Bisher gibt es allerdings für die bessere Verträglichkeit der Hörnermilch keinen stichfesten, wissenschaftlichen Beweis. Wo es Werner Rists Produkte bereits gibt – zum Beispiel in der Schönegger Käsealm in Kempten – nehmen sie die Kunden aber gerne an: "Ich hab das Gefühl, es schmeckt anders und besser," ist oft zu hören.
Verletzungsrisiko durch Hörner
Zumindest natürlicher sei es, die Kühe behornt zu lassen, sagt Emmerich Heilinger Geschäftsführer des Milchwirtschaftlichen Vereins Allgäu-Schwaben. Dass der Hornansatz bei den meisten jungen Rindern verbrannt oder verätzt wird, so dass das Horn gar nicht erst heranwächst, habe für die Haltung in großen Laufställen aber einen guten Grund: "Die Rangordnungskämpfe führen zu Verletzungen der Kühe untereinander." Geringer ist das Risiko laut Heilinger dagegen nur, wenn die Tiere, wie bei Werner Rists Milchlieferant in kleinen Gruppen gehalten werden.
Wenn der Verbraucher den höreren Preis für diese Tierhaltung zu zahlen bereit sei, kein Problem, sagt Heilinger, "aber dann bitte nicht die andere Milch verteufeln." Denn auch herkömmliche Milch sei gesund, betont Heilinger. Und so sehen es bislang auch die meisten Verbraucher.
Lukratives Nischenprodukt
Ob Hörnermilch nun nur eine Art Placebo ist oder nicht – Molkereimeister Werner Rist jedenfalls ist klar, dass er mit seinen Hörnerprodukten eine Nische besetzt. Bisher können sich er und sein Milchlieferant gut über Wasser halten und das reicht ihm auch schon: „Nur ein Prozent der Kühe tragen noch Hörner". Der Markt sei also begrenzt.

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