Kloster Wessobrunn Wer kauft das barocke Juwel?
Mangels Nachwuchs müssen die Missionsbenediktinerinnen das Kloster Wessobrunn aufgeben. Darüber haben wir berichtet. Offen ist, wie der zum Teil über 1250 Jahre alte Gebäudekomplex weiter genutzt werden soll und wer als Käufer in Frage kommt.
Immer weniger junge Menschen fühlen sich berufen, ein Leben in der Abgeschiedenheit eines Klosters zu führen. Das wirkt sich auch auf die Immobilien der Ordensgemeinschaften aus. Oft rentiert es sich nicht mehr, ein Kloster aufrechtzuerhalten. So geht es nun auch den Wessobrunner Missionsbenediktinerinnen. Zu teuer ist der Unterhalt für die 15 Schwestern geworden, die dort noch leben. Was mit dem Kloster geschehen soll, ist aber noch unklar.
Weder Wellnesshotel noch Wirtshaus
Die Wessobrunner sind besorgt: Das Kloster ist das Juwel der Gemeinde. Bekannt ist es vor allem für seine prächtigen Stuckarbeiten aus der Zeit des Barock und Rokoko. Hier entstand die weltberühmte "Wessobrunner Schule" der Stuckateure. Ein wichtiger Anziehungspunkt für Gebet und Sammlung soll es bleiben, wünschen sich viele. Das Kloster spiele für die Region auch beim Tagestourismus eine große Rolle, so Angelia Nucheler vom Tourismusverband München-Oberbayern. Wenn es nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich wäre, würde ein Diamant in der Krone fehlen.
"Wir hoffen, dass wir einen Interessenten finden, der ein Herz für das Kloster als solches hat."
Schwester Lydia, Missionsbenediktinerin
Für die Missionsbenediktinerinnen ist der Verkauf kein leichter Schritt aber alternativlos. Schwester Lydia: "Jetzt haben wir drei große Häuser hier in unmittelbarem Umkreis und die Schwestern werden weniger. Die Entscheidung ist dahin gefallen zu sagen: Gut, dann geben wir Wessobrunn auf und hoffen, dass wir einen Interessenten finden, der ein Herz für das Kloster als solches hat."
Mehrere Investoren haben schon angefragt, doch eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Der Wessobrunner Bürgermeister Helmut Dinter wünscht sich, dass Teile der Anlage für Führungen und Veranstaltungen zugänglich bleiben. Ein Wellnesshotel oder eine Brauereigaststätte könnte er sich dort nicht vorstellen. Sondern: ein Ausbildungszentrum für Stuckateure und Kirchenmaler: "Wenn heute ein Mensch ein Stuckateur ist und sagt, er kommt aus der Wessobrunner Schule, dann wäre das für so jemanden ein Alleinstellungsmerkmal, das keine andere Schule bieten kann."
Keine Eile beim Verkauf
Die Einrichtung einer solchen Berufsfachschule sieht das Kultusministerium als ausgesprochen schwierig an. Denn in Nürnberg und in München es gibt schon zwei Schulen dieser Art. Und auch die Verkehrsanbindung von Wessobrunn sei eher ungünstig. Bürgermeister Dinter sieht die Politik allerdings in der Verantwortung.
Bis das Kloster verkauft wird, könnten aber noch zwei, drei Jahre vergehen, so die Benediktinerinnen. Doch gewiss ist: Der Paffenwinkel, bekannt für seine Sakralbauten, ist dann wieder um ein wichtiges Kloster ärmer.

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