Michael Adam attackiert SPD
Auf seiner Facebook-Seite hat Adam hat die eigene Partei beschimpft. Wenige Stunden später war der Post auf Facebook gelöscht. Dem BR liegen Screenshots vor
Bayern-SPD Schulterschluss, Verständnis - und neue Kritik
Der Regener Landrat Michael Adam hat für Unruhe in der Bayern-SPD gesorgt. Parteichef Florian Pronold musste viel Kritik einstecken. Jetzt stehen bei beiden die Zeichen auf Versöhnung, aber von anderen kommt neue Kritik.
Pronold veröffentliche am Samstagnachmittag eine Erklärung auf seiner Facebook-Seite. Darin heißt es, es habe ein intensives und offenes Gespräch mit Adam über dessen Kritk gegeben. Der Landrat habe deutlich gemacht, dass die Vorwürfe seinem Denken entsprachen, als er sie - ebenfalls via Facebook - öffentlich machte. Nach der Aussprache halte er sie aber nicht mehr aufrecht. Für Pronold ist nach eigenen Angaben die Basis für eine gemeinsame Zusammenarbeit gelegt.
Weiter heißt es in der Erklärung des bayerischen SPD-Vorsitzenden, die Kritikpunkte Adams bedürften einer parteiinternen Diskussion. Zudem wolle die Partei dem Wunsch Adams Rechnung tragen, sich künftig voll auf seine Tätigkeit als Landrat von Regen zu konzentrieren. Der SPD-Bezirksvorstand Niederbayern habe daher beschlossen, den für Frühjahr 2013 regulären Bezirksparteitag auf das erste Februar-Wochenende vorzuziehen.
Ude zeigt Verständnis für Adam
Auch Christian Ude, Münchner OB und SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl, geht davon aus, dass der Streit nun beigelegt ist. Zwar seien sich die beiden Politiker "offensichtlich nicht sehr grün", stellte er im Bayerischen Fernsehen fest, "aber die haben sich ja, wie ich dem Facebook entnehmen durfte, inzwischen ausgesprochen und werden es wohl versöhnlicher fortsetzen." Ude äußerte Verständnis für Adam:
"Wer nicht als Rebell anfängt, hat eine triste Laufbahn vor sich."
Christian Ude im Bayerischen Fernsehen zum Streit Adam- Pronold
Juso-Vize-Chef kritisiert Pronold
Der bayerische Juso-Vize-Chef Thomas Asböck legte am Wochenende mit Kritik an Pronold nach. Dem Nachrichtenmagazin Focus sagte Asböck, Pronold spalte die Partei. Pronold fördere Leute, die ihm nicht gefährlich werden könnten; engagierte SPD-Mitglieder würden dagegen "weggemobbt". Asböck forderte erneut, SPD-Spitzenkandidat Christian Ude müsse den Parteivorsitz übernehmen.
"Pronold ist der größte Mühlstein am Hals der Partei."
Thomas Asböck, bayerischer Juso-Vize-Chef
"Ich habe mich lange genug verstellt"
Michael Adam hatte die Debatte ausgelöst, indem er die Parteiführung scharf angegriffen hatte. Auf der Facebook-Seite einer Parteikollegin hatte Adam vor allem gegen Pronold schwere Vorwürfe erhoben. "Christian Ude tut mir leid! Mit diesem Ballast gewinnt er die Wahl nie!", schrieb Adam. Die Parteiführung um Pronold sei vor allem darauf bedacht, innerparteiliche Konkurrenten klein zu halten, so Adam - auch ihn selbst. "Ich habe mich lange genug verstellt, habe mir lange genug alles schön geredet", hieß es weiter.
"Grundsätzlich sind im Oberanger auch nur Ja-Sager und Speichellecker erwünscht, um die traurigen Realitäten möglichst nicht an sich heranlassen zu müssen."
Michael Adam, SPD
Reaktionen aus der Region auf Michael Adams Kritik
aus der Landkreis-SPD
Robert Sommer, der stellvertretende Kreisvorsitzende aus dem Landkreis Regen, stellt sich hinter Michael Adam:
"Wir sind einmal vom Kreisverband her froh, dass wir den Michael Adam haben. Das ist für uns ein Jahrhundertereignis, das haben wir noch nicht gehabt. Aber er darf auch Fehler machen. Das ist doch auch menschlich, und deswegen würde ich das jetzt nicht überbewerten."
aus Frauenau
Herbert Schreiner, der SPD-Bürgermeister aus Frauenau - einer traditionell roten Gemeinde im Kreis Regen -, rät Adam, alles Weitere intern zu klären:
"Durch das Reden kommen die Leute zusammen und nicht durch Posten auf Facebook. Und ich denke, dass es für mich persönlich wichtig wäre, dass der Michael Adam und der Florian Pronold das aus der Welt räumen."
aus Teisnach
Rita Röhrl, die Bürgermeisterin von Teisnach (Lkr. Regen) und "SPD-Urgestein", vermisst wie Landrat Adam Themen aus dem ländlichen Raum:
"Ich denke mir, dass jeder, der in der bayerischen SPD ist, sich irgendwann darüber Gedanken machen muss: An was liegt es, dass wir aus dem Tal der Tränen bei den Wahlen nicht herauskommen? Wir vermissen manchmal schon die Auseinandersetzung mit den drängenden Problemen, die der ländliche Bereich hat, die der Adam Michael als Kommunalpolitiker jetzt wirklich hautnah genauso mitkriegt wie wir alle."
aus Regen
Bei Menschen in Regen löst die Kritik Adams unterschiedliches Echo aus:
"Früher hat man das am Wirtshaustisch gemacht, und heute schreibt jeder das irgendwo hin, dass ja alle was zum Breittreten haben."
"Ob ich das auf die Art und Weise mache, also - naja."
"Wenn er älter wäre, dann hätte er es bestimmt nicht gemacht. Das ist einfach jugendlich-dynamisch, das ist okay."
aus Weiden/Opf.
Kritische Stimmen kommen aus der Weidener SPD; Weiden in der Oberpfalz wird von einem SPD-Bürgermeister regiert:
"Ich halte nichts von Pauschalurteilen - egal, ob über die Basis oder über die Parteispitze. Ich denke, da muss man differenzieren."
"Ich bin schon seit 37 Jahren in der SPD. Also, Speichellecker waren wir eigentlich nie."
Ein besonderer Landrat: Jung, evangelisch und homosexuell
Adam gilt als einer der Hoffnungsträger der Bayern-SPD. 2008 war er mit gerade 23 Jahren in Bodenmais im Bayerischen Wald zum damals jüngsten Bürgermeister Deutschlands gewählt worden. Seitdem ist er in Bayern vielen Wählern bekannt - als junger, evangelischer, offen schwuler Sozialdemokrat im katholisch-ländlichen Freistaat. Nach dem Selbstmord des Regener Landrats Heinz Wölfl (CSU) wurde Adam im vergangenen November mit damals 26 Jahren zu dessen Nachfolger gewählt.
Adams Facebook-Eintrag war bereits kurze Zeit später gelöscht. Dem Bayerischen Rundfunk liegen jedoch Screenshots vor. In der Bildergalerie gibt es den gesamten Post zum Nachlesen.

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alberto, Samstag, 24.November, 18:50 Uhr
24. Parteiklüngel
Alles inszeniert...
Karl-Heinz Tesar, Mittwoch, 21.November, 17:29 Uhr
23.
Michael Adam hat mit seiner Kritik mehr als Recht. Und das darf auch in der Öffentlichkeit gesagt werden. Es war absolut kein Fehler, wie im Kommentar von Robert Sommer dargestellt. Die Sorgen und Nöte der kleinen Leute, der Kommunen und Landkreise sind den Politikern in Führungsgremien absolut fremd geworden - aber nicht nur bei der SPD. Als langjähriger Kommunalpolitiker weiß ich wovon ich spreche wenn ich behaupte: "Die ländlichen Regionen interessieren nur, wenn es um Wählerstimmen geht." Den meisten geht es nur um ihr persönliches Image. Fähigen Leuten wird aus purem Egoismus der Weg verbaut.
MaxBallhuber, Mittwoch, 21.November, 15:37 Uhr
22. Adam-Pronold
Adam hat vollkommen Recht, diesen Pronold hätte man schon längst auf den Mond schießen sollen! Der kennt doch nix anderes als seine Partei, noch nie richtig gearbeitet, der weiß doch gar nicht was los ist in derr Bevölkerung. Von Beruf Politiker und vom wirklcihen Leben keine Ahnung. Wenn er klung wäre und wirklch was für die Partei übrig hätte, würde er zurück treten!!!
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