Bayern 1 - Niederbayern und Oberpfalz

Modellprojekt Leben retten dank Handy-Verbindung

Bei einem Herzinfarkt zählt jede Minute. Das Weidener Herzinfarktnetz WHIN nutzt moderne Kommunikationstechnik, um Patienten auf dem Land im Notfall schneller zu versorgen. Wie das Smartphone Leben rettet.

Stand: 26.11.2012
Ein brennendes Herz | Bild: picture-alliance/dpa

Ein Ziehen im Oberarm, Brennen in der Brust, Atemnot - das sind typische Symptome eines Herzinfarkts. Dann gilt: schnell einen Notarzt rufen, denn die Zeit ist knapp. Kardiologen sagen, dass innerhalb von zwei Stunden ein Herzkatheter gesetzt werden muss, sonst kann es zu Folgeschäden kommen. In der nördlichen Oberpfalz läuft im Herzinfarkt-Notfall seit 2010 eine besondere Rettungskette bei Rettungssanitätern und Notärzten an.

Die Rettungskette

Ein spezielles Gerät überträgt die Daten des Patienten-EKG aus dem Notarztwagen auf das Smartphone eines diensthabenden Oberarztes im Weidener Klinikum. Mit diesem Gerät sind alle Notwagen in der nördlichen Oberpfalz ausgestattet, denn Infarktpatienten kommen ins Herzzentrum des Klinikums.

Der Oberarzt kann das EKG sofort auswerten und mit dem Notarzt die richtige Sofort-Behandlung besprechen. Er bereitet außerdem die notwendige Spezialbehandlung mit entsprechendem Personal vor. Kommt der Patient in das Herzzentrum, wartet bereits das Team auf ihn. Die Operation kann sofort beginnen.

Höhere Überlebenschancen

Seit es das Weidener Herzinfarktnetz gibt, werden die Patienten bis zu 60 Minuten schneller operiert, sagt Prof. Robert Schwinger. Er hat das Netzwerk in Weiden etabliert und ist von seinem Nutzen überzeugt: Die Überlebensrate der Patienten sei auf 84 Prozent gestiegen, zuvor lag sie bei etwa 50 Prozent.

Vorbild für andere Städte und Regionen in Bayern

Das Weidener Modell hat Schule gemacht. In Deggendorf, Traunstein, Augsburg und Landshut ist ein entsprechendes Netz eingeführt worden, in Regensburg wird es derzeit vorbereitet, auch München ist interessiert.

Die Arbeitsgemeinschaft der Herzinfarktnetze tagte an diesem Wochenende zu aktuellen Entwicklungen und Neuerungen rund um das Thema "Herzinfarkt". Dazu kamen Kardiologen aus ganz Bayern nach Weiden, um sich über das Modell des Herzzentrums zu informieren.


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