Rauchs gehen in Rente Ein Leben für die Angel
Seit 46 Jahren bildet Eduard Rauch mit großer Leidenschaft in München Fischer und Angler aus. Später kam seine Frau Gabi dazu. Der 82-Jährige will nun aufhören, denn die geforderte Umstellung auf Online-Prüfungen sei nichts für ihn, sagt der Freimanner.
Eduard Rauch hängt vor Schulungsbeginn geduldig Angelhaken und Köder an ein Gestell. Material im Wert einer Eigentumswohnung hat Rauch in all den Jahren angesammelt. Neben Diavorträgen und Filmen lebt sein Unterricht vor allem von der Praxis: anschaulich und sehr unterhaltsam. "Ich hab scho aufgepasst, was Sie für Hände haben. Schwarzfischer haben meistens gebogene Hände. Wissens warum? Weil die immer unters Ufer reinlangen um die stehenden Bachforellen zu fangen." Das lockert die zunächst schweigsamen Zuhörer.
Seine Begeisterung für Fische hat der Freimanner Eduard Rauch bald entdeckt: "In der Früh beim Sonnenaufgang hat sich der Waller gesonnt, da sind wir als Kinder halt rein gangen und der Waller hat mit uns gespielt, der hat das genau gewusst."
Angeln als Ausgleich zum Job
Später wurden die Anglerei und sein Job als Ausbilder für ihn ein Ausgleich zum stressigen Job: "Das war der Puffer gegen meine Arbeit. Ich war 40 Jahre bei Rodenstock. Die Zeit hätt ich ohne Ausgleich nicht durchgestanden."
Dabei hat sich nicht nur an der Isar einiges verändert - dem Fluss, den Rauch wie seine Hosentasche kennt. Statt Muschelschalen zerschneiden dort heute Glasscherben die Füße, klagt er. Nun soll ab März die Fischer-Prüfung anders abgelegt werden. "Es kommt die Online-Prüfung unter ganz anderen administrativen Voraussetzungen. Meine Frau sagt ebenso, das tun wir uns ... nicht an."
Partner muss zum Hobby passen
Einen "Flotten Hecht" nennt Gabriele Rauch ihren Mann. Sie ist genauso begeistert vom Angeln wie ihr Eduard und hat deswegen Verständnis für sein zeitraubendes Hobby. Er rät allen jungen Anfängern: "Sucht eine Frau, die dazu passt. Wie kann man das testen? Mit ihr Würmer suchen, Gerten tragen, durchs Schilf marschieren - dann kann man schon Einiges sehen."
Offensichtlich bestand Gabriele Rauch den Test. Schließlich hat sie schon als Kind für ihren Großvater im Misthaufen Würmer für den Angelhaken gesucht. Inzwischen hat sie sich eher auf die Zubereitung von Fisch spezialisiert und erklärt sogar in Volkshochschul-Kursen, was sich alles mit bayerischen Fischen machen lässt: "Ein Teil unserer Süßwasser-Fische haben leider viele Gräten, aber ich weiss wie man Fisch bearbeiten kann, dass man ihn essen kann, wie Wiener Schnitzel."
Nach 8 Wochen Kurs treten am 3. März die letzten Schüler von Gabi und Eduard Rauch zur Prüfung an. Na dann: Petri Heil!

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