Birgit Lutz Vom Schliersee zum Nordpol
Birgit Lutz liebt das Extreme. Acht mal war sie schon am Nordpol und ist damit die einzige Deutsche, die das so oft geschafft hat. Aber auch wissenschaftlich und gesellschaftlich setzt sich die 38-Jährige für die Arktis ein.
Im Sommer 2007 fuhr die junge Frau zum ersten Mal von ihrer Heimat am Schliersee aus mit dem russischen Eisbrecher Yamal zum Pol.
Damals wurde sie, wie sie sagt, "vom arktischen Käfer gebissen". 15 Reisen zum Nordpol und eine zum Südpol hat die Journalistin seitdem unternommen. Doch nicht nur publizistisch, auch wissenschaftlich brennt in ihr ein Feuer für die Landschaft aus Eis und ihr gefährdetes Ökosystem: An der kanadischen "University of Arctic" studiert sie, hält Vorträge über ihre abenteuerlichen Exkursionen, fährt mit Expeditionsschiffen hinaus und erklärt Passagieren, wie sie sich in der Arktis richtig verhalten.
Neues Buch
Jetzt hat Birgit Lutz ein Buch geschrieben: "Unterwegs mit wilden Kerlen". Wer in so eine extreme Landschaft will, muss stark sein - stärker als die klirrende Kälte. Für Birgit Lutz bedeutete das: eisernes Training. Auf den Expeditionen zu Fuß oder auf Skiern zieht sie bis zu 12 Stunden am Tag einen über sechzig Kilo schweren Schlitten mit all ihrer Habe hinter sich her. Deshalb trainiert sie in Bayern mit Autoreifen, die sie beim Joggen an einen Hüftgurt gebunden hinter sich her zieht - sie krault endlos ihre Bahnen im Schwimmbad und geht noch vor der Arbeit in die Berge - mal eben tausend Höhenmeter überwinden.
"Ich will mich ja nicht endlos quälen auf der Reise, ich hab immer noch immensen Respekt vor der Arktis, und das treibt mich in die Schwimmhalle und auf die Berge, weil man auch Angst hat, ich trainier so viel wie möglich, damit es halt gut geht!"
Extremreisende und Autorin Birgit Lutz
Vorsicht, Eisbär!
Auf ihren Expeditionen gelten vier Regeln: auf Eisbären achten, sich warm anziehen, den Körper ständig bewegen und: essen, essen, essen, auch Speck und Schokolade; sich notfalls zum Essen überwinden. Der Körper braucht in der Kälte am Tag 5000 Kalorien, denn er wird ein Hochofen, der gegen die Kälte anheizt. Das kälteste, was Birgit Lutz erlebte, waren 38 Grad minus - die allerdings durch den so genannten "Windchill", den eisigen Wind, zu minus sechzig Grad wurden. Für die zarte Menschenhaut ist das kein Vergnügen. Birgit Lutz wusste gar nicht mehr; war das auf der Haut brennend heiß oder eiskalt? Warum um alles in der Welt tut sie sich also diese Strapazen an?
Blaue Berge
Weil die Natur uns die schönsten Geschenke macht, sagt sie. Sie erinnert sich etwa an eine Märznacht in Spitzbergen, in der die Sonne nur kurz untergegangen und die Nacht in tiefstes Blau getaucht war: Die Berge sind blau, die Luft ist blau. Ein Spektakel. Sie saß die ganze Nacht wach und schaute aus dem Fenster. Als nächstes will sie mit Freunden vom Schliersee Grönland durchqueren - allerdings erst 2013. Dieses Jahr ist ein bisschen Erholung angesagt, vielleicht mal ein Badeurlaub im warmen Süden - aber ganz bestimmt mit einem Buch über den Nordpol im Gepäck.
Veranstaltungstipp
Das Buch "Unterwegs mit wilden Kerlen" ist im Münchner btb-Verlag erschienen und kostet 19,99. Und heute abend können Sie Birgit Lutz sogar persönlich erleben: im Lenbach-Palais (am Münchner Lenbachplatz) liest sie aus ihrem Buch. Beginn ist um 19.00 Uhr, der Eintritt kostet neun Euro. Und am Sonntag, den 5. Februar liest sie im Münchner Ampere - um 15.30 Uhr. Der Eintritt dort kostet 14,- Euro.

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