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Reaktionen aus Franken Beckstein als Wulff-Nachfolger?

Zwischen "längst überfällig", "peinlich" und Bedauern schwanken die Reaktionen auf den Wulff-Rücktritt in Franken. Und auch ein Nachfolger wird schon ins Spiel gebracht: Ex-Ministerpräsident Günther Beckstein.

Stand: 17.02.2012
Günther Beckstein (CSU) und Christian Wulff (CDU) | Bild: picture-alliance/dpa

Nach dem Rücktritt Wulffs solle nun auch einmal die CSU das Staatsoberhaupt stellen, argumentierten die oberfränkischen CSU-Protestanten. Der früheren bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein zeichne sich dafür besonders aus. Der Vizepräses der Synode der Evangelischen Kirche sei bundesweit beliebt und anerkannt und eine Idealbesetzung für das höchste Staatsamt. 

"Günther Beckstein ist ein engagierter evangelischer Christ, ein weit über die Parteigrenzen hinaus akzeptierter und angesehener Politiker und eine absolut integere Persönlichkeit."

Mitteilung des Bezirksverbands Oberfranken des Evangelischen Arbeitskreises der CSU

"Ende eines traurigen Schauspiels"

Erleichtert über den Rücktritt zeigte sich die Opposition in Franken: Die oberfränkische SPD-Bezirkschefin Anette Kramme bezeichnete den Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff als "Ende eines traurigen Schauspiels". Mittlerweile habe das Amt des Bundespräsidenten Schaden genommen und es sei für den Nachfolger eine Herkules-Aufgabe, wieder Vertrauen für das Amt zu schaffen. Ihren Worten zufolge hätte der Rücktritt schon vor Wochen erfolgen sollen.

"Wir brauchen einen Kandidaten, der von allen akzeptiert werden kann, um die Würde des Amtes wieder zu garantieren."

Oberfrankens SPD-Bezirkschefin Anette Kramme

Keine Hinterzimmer-Absprachen

Der Fürther Grünen-Abgeordnete Uwe Kekeritz sagte, nun sei endlich Schluss mit Wulffs Salami-Taktik, die das Ansehen der Politik insgesamt beschädigt habe. Bedauerlich sei, dass innerhalb von nicht einmal zwei Jahren der zweite Rücktritt eines Bundespräsidenten erfolge. Dass sich die Kanzlerin auf SPD und Grüne zubewegen wolle, um einen gemeinsamen Kandidaten zu finden, sei das richtige Signal. Die Machtspiele in Hinterzimmern bei der Besetzung des Amtes des Staatsoberhauptes müssten ein Ende haben.

Ähnlich äußerte sich die SPD-Bundestagsabgeordnete Susanne Kastner aus Maroldsweisach im Landkreis Haßberge. Sie forderte die Regierung auf, jetzt auf die Opposition zu zugehen, damit innerhalb von 30 Tagen ein Kandidat gefunden werden kann. Kastner war in der Bundesversammlung, die Christian Wulff im Juni 2010 denkbar knapp gewählt hatte. Auch sie nannte den Rücktritt "überfällig".

Logische Konsequenz

Der energiepolitische Sprecher der Grünen, Hans-Josef Fell aus Hammelburg verfolgte den Rücktritt des Bundespräsidenten im australischen Melbourne. Er nannte den Schritt die logische Konsequenz der Entwicklungen der vergangenen Wochen und vermutete, dass noch mehr Informationen über Wulff ans Licht kommen werden.

"Wer scheibchenweise die Informationen rausgibt kommt immer mehr unter Druck. Offenbar wurden noch mehr Informationen zurück gehalten, als bisher gedacht."

Hans-Josef Fell, Energiepolitischer Sprecher der Grünen

"Peinlich" nannte Thomas Mütze, Landtagsabgeordneter der Grünen aus Aschaffenburg, den Wulff- Rücktritt. Moralisch habe Wulff schon lange jede Legitimation verloren und sich nur noch lächerlich gemacht, kommentierte der Aschaffenburger. Er hätte keine andere Wahl mehr gehabt, als die Reißleine zu ziehen. Mütze hatte bei der Wahl des Bundespräsidenten selbst mitgestimmt. Allerdings war Wulff nicht sein Wunschkandidat, erklärte der Politiker am Freitag (17.02.12). Er sei für den Bürgerrechtler Joachim Gauck gewesen. Mütze geht davon aus, dass Gauck für die Nachfolge Wulffs immer noch zur Verfügung steht.

"Er ist zerstört und dazu hat er auch selbst beigetragen."

Thomas Mütze, Landtagsabgeordneter der Grünen aus Aschaffenburg

Zuspruch von CSU und FDP

Auch für Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) aus Würzburg war der Rücktritt keine große Überraschung. Sie habe aber trotzdem großen Respekt vor der Entscheidung Wulffs, sagte sie dem Bayerischen Rundfunk. Ähnlich äußerte sich die Laufer CSU-Bundestagsabgeordnete Marlene Mortler. Die Politikerin bedauerte allerdings, dass Wulff das in ihn gesetzte Vertrauen enttäuscht habe.

"Es war ein richtiger Schritt, der sich spätestens mit den Ereignissen des Vorabends abgezeichnet hat."

CSU-Bundestagsabgeordnete Marlene Mortler

Der Ansbacher FDP-Bundestagsabgeordnete Rainer Erdel teilte mit, die Staatsanwaltschaft Hannover habe die Aufhebung der Immunität von Wulff sicherlich nicht leichtfertig beantragt. Dennoch gelte auch für Christian Wulff, dass er als unschuldig zu gelten habe, bis das Gegenteil bewiesen wurde.

Einstiger Gegenkandidat Gauck schweigt

Wulffs Gegenkandidat bei der Bundespräsidentenwahl, Joachim Gauck, wollte zum Rücktritt und einer möglichen neuen nichts sagen. Am Rande einer Veranstaltung in Röthenbach a.d. Pegnitz sagte er dem Bayerischen Rundfunk, er brauche nun erst noch ein wenig Zeit, bis er sich selbst äußern könne.

Abstimmung

Bundespräsident Christian Wulff ist zurückgetreten. Eine richtige Entscheidung?

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Seifert, Freitag, 17.Februar, 18:58 Uhr

1. Rücktritt

Die Politiker dürfen nicht vergessen bei der Bundespräsidentenkandidatur die Bild-Zeitung mit ein zu beziehen! Die Herren Reporter üben mehr Macht als die Politiker aus, traurig aber wahr.