Würzburger Kiliani Baby-Taufe im Bierzelt
Das gab es beim Würzburger Kiliani-Volksfest auch noch nie: einen festlichen Gottesdienst samt Taufe - und zwar im Bierzelt. Das Sakrament erhielt die kleine Joana, ein elf Monate junges Baby aus einer Schaustellerfamilie.
Sonntag (08.07.12), kurz vor zehn Uhr. Das Kiliani-Festzelt auf der Würzburger Talavera füllt sich langsam. Die Würzburger strömen zum Gottesdienst. Während im Zelt schon Blechbläser erklingen, stehen Katharina Zuban und Sven Steger am Eingang. Sven Steger hält seine kleine Tochter im Arm. Joana wird heute getauft - eine Taufe unter Schaustellern. "Meine Eltern machen hier mit ihrem Pfeilwurf-Stand Station", erklärt Sven Steger und streichelt Joana zärtlich die Wange. "Sie sind geschäftlich immer auf Achse und haben sonst kaum Zeit. Da müssen wir so ein Fest wie eine Taufe gut koordinieren." Auch der Taufpate Werner Baumeister zieht von Volksfest zu Volksfest. Er verkauft Schokofrüchte, Mandeln, Eis und Nüsse. "Für uns ist so eine Taufe auf dem Volksfest gar nicht so ungewöhnlich. Wir wollen eben, dass unsere Kinder im christlichen Glauben aufwachsen. Auch unsere Hochzeiten finden auf dem Festplatz statt. Das kann durchaus auch mal am Autoscooter-Stand stattfinden."
Schausteller-Pater aus München
Sogar ihren eigenen Seelsorger haben die Schausteller mitgebracht. Dominikanerpater Paul Schäffersköpper ist eigens aus München angereist. Als beliebter Geistlicher der Schausteller kommt er jährlich auf etwa fünf Taufen in bayerischen Festzelten. "Dieser Ort ist der Lebensraum der Schausteller", erzählt der Dominikaner. "Sie möchten ihre Feste dort feiern, wo sie sich zu Hause fühlen. Außerdem müssen sie im Anschluss weiter arbeiten. Um elf Uhr beginnt hier der Betrieb mit den Fahrgeschäften, dann ist die Hälfte der Festgesellschaft wieder am Stand." Dann schreitet der Pater zur Taufe. Ein bisschen quengelt die kleine Joana, aber sonst hält sie sich wacker. "Mit großer Freude nimmt dich die Kirche in ihre Reihen auf", sagt Pater Schäffersklöpper feierlich. Dann brandet spontaner Applaus auf.
Vom Tauffest in die Kirmesbude
Anschließend wird gefeiert. "Als Menschen, die anderen Tag für Tag Freude vermitteln, wissen die Schausteller, wie man ordentlich feiert", schmunzelt Pater Schöffersköpper. Viel Zeit bleibt den Schaustellern allerdings nicht. Man sitzt bei einem gemeinsamen Mittagessen im Festzelt zusammen und der kleine Täufling Joana krabbelt im weißen Kleidchen fröhlich durch die Reihen. Dann geht es für die meisten auch schon wieder in Richtung Festplatz, zurück in die Buden. Der Arbeitstag beginnt.

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