Großkrotzenburg Staudinger-Gegner schöpfen neue Hoffnung
Ausbau-Gegner des Kohlekraftwerks Staudinger in Großkrotzenburg an der bayerisch-hessischen Landesgrenze schöpfen Hoffnung. Grund sind die offiziell nicht bestätigten Pläne Eons, drei Gaskraftwerke aus Kostengründen zu schließen.
Auch wenn der Energieversorger Eon die Schließungspläne von drei Gaskraftwerken in Nürnberg, Irsching und Großkrotzenburg bis 2013 nicht offiziell bestätigt hat, schöpfen die Aktivisten neue Hoffnung. Auf dem Kraftwerksgelände "Staudinger" in Großkrotzenburg im hessischen Main-Kinzig-Kreis wäre der Block vier von den Schließungsplänen betroffen. Winfried Schwab-Posselt, Sprecher der Bürgerinitiative "Stopp Staudinger", geht nun davon aus, dass Eon auch vom geplanten Bau des Steinkohleblocks sechs Abstand nehmen wird.
Kraftwerkt nicht ausgelastet
Schwab-Posselt erinnert daran, dass das Kraftwerk in Großkrotzenburg bereits im vergangenen Jahr bei weitem nicht ausgelastet gewesen sei. Die meiste Zeit habe nur ein dünnes Fähnlein aus dem Kohleblock fünf gefächelt, während die anderen Blöcke so gut wie nie am Netz waren.
"Wir erwarten nicht, dass der Energiemulti uns jetzt den geplanten Steinkohleblock sechs vor die Haustüre setzt. Angesichts des rapiden Ausbaus der regenerativen Energien besteht kein zusätzlicher Energiebedarf mehr an gigantischen 1.100 Megawattkohlemeilern."
Winfried Schwab-Posselt, Sprecher der Bürgerinitiative
Regenerative Energien ausbauen
Nach Auffassung des Umweltschützers haben sich in den beiden vergangenen Jahren die "energiewirtschaftlichen Koordinaten" verschoben. Die "Kohlesaurier" hätten auf dem europäischen Markt keine Zukunft mehr, so Posselt. Unsichere Preise für fossile Brennstoffe, Verteuerungen im Anlagenbau sowie für CO2-Emissionsrechte würden jede Wirtschaftlichkeitsrechnung für Kohlekraftwerke zum "Lotteriespiel" machen. Die auf Dauerbetrieb ausgelegten, unflexiblen Kohlekraftwerke seien eine falsche Ergänzung für die immer stärker auf regenerative Energien basierende Stromversorgung. "Was wir dringend brauchen sind innovative Speichertechnologien und einen raschen Ausbau des Stromnetzes", fordert Posselt.
Teilbaugenehmigung ausgesprochen
Die hessischen Städte Hanau und Hainburg sowie das bayerische Alzenau klagen zusammen mit drei Umweltverbände und vier Bürgern gegen den Bau des neuen Kraftwerkblocks sechs. Durch diese Erweiterung würde Staudinger zu einem der größten Kohlekraftwerke weltweit werden. Der Regierungspräsident hatte bereits eine erste Teilbaugenehmigung für die Erweiterung ausgesprochen.
Bürger befürchten Schadstoffbelastung
Die Bürgerinitiative "Stopp Staudinger" sieht sich als Sprachrohr für Bürger aus Hessen und Bayern, die den Ausbau des Großkraftwerks von Eon zu einer Gesamtleistung von 1.100 Megawatt Leistung verhindern wollen. Die Gegner des Projekts befürchten durch die Erweiterung hohe Schadstoffbelastungen für die Region. Deshalb klagt die betroffene unterfränkische Stadt Alzenau zusammen mit anderen Kommunen gegen das Eon-Großprojekt.
Initiative erhält Umweltpreis
Seit fünf Jahren kämpft die Initiative "Stopp Staudinger" gegen den Ausbau des Steinkohle-Kraftwerks im hessischen Großkrotzenburg. Dass es durch Proteste und Einwände zu einer Verzögerung von mittlerweile schon vier Jahren beim Bau des Kraftwerks gekommen ist, sieht die Bürgerinitiative zum großen Teil als ihren Verdienst an. Im März 2012 erhielt sie dafür den Umweltpreis des hessischen Main-Kinzig-Kreises.

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