Bürgerinitiative klagt Neuer Ärger um Recycling-Betrieb in Wonfurt
In dem Elektroschrott-Recyclingbetrieb in Wonfurt wäre auch radioaktiv verseuchtes Material verarbeitet worden, befürchtet eine Bürgerinitiative. Ihrer Ansicht nach hätte der Betrieb nie genehmigt werden dürfen.
Die Bürgerinitiative (BI) "Lebenswertes Wonfurt" hat sich den Jahresabschlussbericht 2010 des Unternehmens vorgenommen. Darin gehe der Recyclingbetrieb davon aus, dass radioaktiv verseuchtes Material angeliefert wurde. "Die Gefahr von unbeabsichtigter Weitergabe von radioaktivem Material wird durch ständige Prüfung aller Eingänge auf Radioaktivität reduziert", heißt es nach Angaben der BI in dem Bericht wörtlich. Bei einer Infoveranstaltung von "Lebenswertes Wonfurt" war auch der Betriebsleiter der umstrittenen Firma anwesend. Er erklärte, dass mit Geigerzählern Stichproben gemacht würden. Eine ständige Prüfung gebe es aber nicht.
Genehmigung "nicht sauber gelaufen"
Die Bürgerinitiative "Lebenswertes Wonfurt" will nun definitiv gegen den Elektroschrott-Recyclingbetrieb bei der Staatsanwaltschaft Bamberg Anzeige erstatten. Den Behördenmitarbeitern, die am Genehmigungsverfahren für das Unternehmen 2007 beteiligt waren, wirft einer der Sprecher der Bürgerinitiative, Peter Werner, vor, nicht ordentlich gearbeitet zu haben. Die Genehmigungserteilung sei seiner Ansicht nach "nicht sauber gelaufen". Darum will die BI nun wegen "Verdacht der Vorteilsgewährung im Amt gegen Unbekannt und der daraus entstandenen schweren Umweltverschmutzung und -gefährdung" Anzeige erstatten.
BI: Ämter sind befangen
Die BI fordert ein unabhängiges Gutachten darüber, ob der Betriebsgenehmigungsbescheid von 2007 seine Rechtskraft behält oder ob für die Anlage ungerechtfertigt die Betriebsgenehmigung erteilt wurde. Außerdem müsse das Landratsamt Hassberge eine neue Anordnung zur befristeten kompletten Stilllegung des Betriebs erstellt. Ihrer Ansicht nach soll das Unternehmen erst wieder Elektro- und Kabelschrott verarbeiten dürfen, bis der gesamte Betrieb eingehaust ist. Die BI fordert zudem ein toxikologisches Gutachten. Allerdings solle dies weder durch das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit noch vom Landesamt für Umwelt erstellt werden. Die beiden Ämter seien befangen, sind die Sprecher der BI überzeugt.
"Erst ein gesundes, umweltbewusstes und ehrliches Recyceln darf zu einer Wiedereröffnung führen. Der Schutz von Mensch, Umwelt und Tier steht an erster Stelle."
Forderung der Bürgerinitiative 'Lebenswertes Wonfurt'
Komplettverbot nicht verhältnismäßig
Das Landratsamt Haßberge hatte vor dem Unternehmen nach dem nach wie vor bestehenden Verbot der Elektroschrott-Verarbeitung auch die Verarbeitung von Kabelschrott untersagt. Das Verwaltungsgericht Würzburg hatte vor kurzem dieses Komplettverarbeitungsverbot aufgehoben. Ein Verbot verstoße gegen den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit, begründete das Verwaltungsgericht seine Entscheidung. Der Elektroschrott-Recyclingbetrieb darf im Augenblick wieder Kabelschrott verarbeiten. Die Elektroschrottverarbeitung bleibt nach wie vor verboten.
Grenzwerte mehrfach überschritten
Bei ersten Luftmessungen des Landratsamtes rund um den Betrieb wurden Grenzwerte von Schwermetallen wie Blei, Nickel oder Cadmium um das fünf- bis sechsfache überschritten. Bei dioxionähnlichen PCPs wurden Werte bis zum Doppelten des Erlaubten erreicht. Bei Kupferstaub wurden Richtwerte bis zum Faktor 31 überschritten. Die Messungen bezogen sich auf den Zeitraum zwischen dem 11. Januar und dem 2. Februar. Wie es zu den Grenzwertüberschreitungen kommen konnte, ist dem Landratsamt und dem Unternehmen weiterhin ein Rätsel. Einzelne Menschen in Wonfurt klagen oder klagten über Kopfschmerzen, Juckreiz oder Mattigkeit. Dafür machen sie das Unternehmen verantwortlich.

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