Arnstein-Gänheim Asylbewerber als Neubürger begrüßt
Die Regierung von Unterfranken hat in den vergangenen Wochen etliche Asylbewerber unterbringen müssen. Unter anderem wurde in Gänheim, einem Stadtteil von Arnstein (Lkr. Main-Spessart), eine Pension für 19 Männer, Frauen und Kinder angemietet. Die Einwohner kümmern sich engagiert um den Zuzug.
19 Männer, Frauen und Kinder aus dem Iran und dem Irak sowie aus Serbien und Afghanistan hoffen in Gänheim auf eine Zukunft in Deutschland. Weil die Gemeinschaftsunterkünfte für Asylbewerber in Unterfranken aus allen Nähten platzen, wurde diese Gruppe in einer Pension mitten im Arnsteiner Stadtteil Gänheim untergebracht. Anton Mohr ist seit 45 Jahren Gastwirt und Metzger in Gänheim. In seinem Appartement-Haus beherbergt er die ausländischen Flüchtlinge. Acht Menschen aus Serbien, darunter fünf Kinder leben im Untergeschoss, darüber leben zwei Familien aus dem Iran.
"Wir sind keine Killer oder Diebe"
Asylbewerberin Farnaz
Die 27-jährige Iranerin Farnaz berichtet in korrektem Englisch von ihrem Alltag in dem unterfränkischen Dorf: "Morgens um 8.00 Uhr beginnt unser Tag, dann gehen wir in den Gasthof zum Frühstücken. Herr Mohr hat uns dort einen Computer aufgestellt, damit wir ins Internet gehen können. Danach gibt es Mittagessen und sonst machen wir eigentlich nichts. Arbeiten darf ich nicht. Es ist schwierig für uns. Ich bin alleine hier - es ist sehr schwer. Mein einziger Bruder ist mit mir geflohen und ich weiß nicht wo er ist!" Und Eines möchte sie ganz klar stellen: "Wir sind keine Killer oder Diebe - wir sind hier, weil wir in unserem Land politische Probleme hatten!"
Bemühungen um gute Nachbarschaft
Anscheinend werden die Asylbewerber von den 850 Einwohnern ohne größere Vorbehalte aufgenommen. Anton Mohr und seine Pensionsgäste bemühen sich ihrerseits um ein gutes Zusammenleben mit der Dorfgemeinschaft. "Ich habe schon im Vorfeld die Nachbarn angesprochen, dass ich das mache", berichtet Anton Mohr und fährt fort: "Und dann hat auch die junge Frau, die so gut Englisch spricht, sich mit meinem Sohn zusammen bei der Nachbarschaft vorgestellt." Nachbar Roland Bauer leitet den örtlichen Musikverein und ist den Asylbewerbern gegenüber aufgeschlossen. "Das ist ja auch letztendlich Zukunft für uns in Deutschland: Da kommen junge Leute, Arbeitskräfte, die wir benötigen. Vielleicht ist auch der ein oder andere dabei, den man für den Verein gewinnen kann", sagt er.
Kontaktaufnahme erschwert
Die sprachliche Verständigung zwischen den Zuzüglern und den Einheimischen klappt noch nicht so ganz. "Sie können nicht so viel Deutsch. Man kann sich ja nicht verständigen", räumt Roswitha Bauer ein. Einen Deutschkurs kann die Regierung von Unterfranken erst einmal nicht finanzieren. Arnsteins Bürgermeisterin Linda Plappert-Metz möchte daher, dass Freiwillige regelmäßig in die Pension kommen, um den Asylbewerbern Deutsch beizubringen. Für die Gänheimer jedenfalls steht fest: sie wollen helfen, wo es geht. Kürzlich wurde ein Unterstützerkreis gegründet, der warme Winterbekleidung für die Asylbewerber organisiert hat.
Über 1.500 Asylbewerber in Unterfranken
Neben der Pension in Gänheim hat die Regierung von Unterfranken auch eine Pension in Eltmann (Haßberge) angemietet. Auch in Waldfenster (Lkr. Bad Kissingen) waren bis vor kurzem 20 Menschen in einer Pension untergebracht. Im Januar wohnten in den unterfränkischen Gemeinschafts- und Ausweichunterkünften insgesamt 1.540 Menschen. Dazu kommen weitere 23, die das Landratsamt Aschaffenburg auf Kosten des Freistaates in Heigenbrücken untergebracht hat, und 15 Asylbewerber, die in Schneeberg im (Lkr. Miltenberg) unterkamen.

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