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Ohne Taxizentrale Ein Taxi über die Smartphone-App

Eine neue Smartphone-Anwendung sorgt für Gesprächsstoff im Taxigewerbe: Mit der App "My Taxi" können Kunden direkt ein bestimmtes Taxi rufen, statt über die Vermittlung der Taxizentrale eines zu bestellen.

Stand: 28.02.2012
Taxi per Smartphone bestellen | Bild: picture-alliance/dpa

Smartphone-Besitzer können sich die neue App "My Taxi" kostenlos im Internet herunterladen. Und sie funktioniert eigentlich ganz einfach: Auf dem Display des Smartphones erscheint ein Stadtplan, auf dem der eigene Standpunkt und der aller Taxis in der Nähe angezeigt werden. Dann sucht man sich eines der angezeigten Taxis aus, tippt es mit dem Fingern an und kann den Weg des Taxis bis zum Eintreffen auf dem Stadtplan verfolgen. Die Taxizentrale, die den Kunden üblicherweise ihr Taxi zuteilt, wird dadurch überflüssig.

Schutz vor Übergriffen

Die Kunden wissen, wo ihr Taxi gerade steckt, wie lange es dauern wird, bis es da ist und sogar, wie der Taxifahrer aussieht. Vor allem ein Vorteil für junge Frauen, findet Michael Hess, Vorsitzender der einzigen Taxigewerkschaft Deutschlands in Würzburg: "Es gibt immer wieder Berichte über Grabschereien. Die junge Dame kann sich nun vorher anschauen: Wer kommt auf sie zu? Ist er vertrauenswürdig oder nicht? Ein Foto hilft mitunter. Und sie kennt den Namen des Fahrers. Das heißt: Im Falle eines Übergriffes ist er verfolgbar. Für den Kunden ein Riesenvorteil, die Anonymität des Taxifahrers aufzuheben."

Probleme mit dem Datenschutz

Der große Nachteil der Anwendung ist, dass der Datenschutz auf der Strecke bleibt. "Um sich anzumelden, erteilt man die volle Freigabe über seine Daten. Wer bin ich, welche Altersklasse, von wo nach wo bewege ich mich? "MyTaxi" kann ganz legal nach den jetzigen Bestimmungen ein Bewegungsprofil des Kunden erstellen. Damit steht natürlich dem Datenmissbrauch Tür und Tor offen", kritisiert Hess. Und für die Taxifahrer bedeute das eine permanente Überwachung am Arbeitsplatz. Die Fahrer haben aber auch Vorteile durch die neue App: Wenn ein Kunde handgreiflich wird oder nicht zahlen möchte, kennt der Fahrer nun seinen Namen und kann ihn bei der Polizei anzeigen.

Taxi an der Taxizentrale vorbei

Die Funkzentralen, die bisher zwischen Kunden und Taxis vermitteln, fürchten jetzt um ihren Umsatz. Bisher zahlen Taxifahrer, beispielsweise in Nürnberg, pauschal 170 Euro pro Monat für den Service der Funkzentrale. Die App rechnet dagegen exakt pro Kunde ab - 79 Cent muss der Fahrer für jede vermittelte Fahrt abtreten. "Wenn ein Taxifahrer jetzt sagt, er macht genug Umsatz mit 'My Taxi', tritt er aus der Funkgenossenschaft aus. Und wenn einer erst mal damit anfängt, könnte es einen Erdrutsch geben", befürchtet Hess. Welches Modell sich besser rechnet, wird aber erst die Praxis zeigen. Bisher konnte sich die neue Anwendung im Taxigewerbe noch nicht durchsetzen. In Nürnberg verwenden von rund 500 Taxis gerade einmal zehn die neue Handyapplikation.