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Landeskongress in Bayreuth Polizeigewerkschaft fordert Taser für alle Dienststellen

Die Bayerische Polizeigewerkschaft fordert Elektroschockpistolen – sogenannte Taser – für alle Streifenpolizisten in Bayern. Außerdem sollte der Polizeidienst mit Hilfe von Aufstiegsmöglichkeiten attraktiver gemacht werden.

Von: Claudia Stern

Stand: 10.11.2017

Der Bayerische Landesverband der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) hat bei seinem Landeskongress am Freitag (10.11.17) in Bayreuth Technikoffensiven und ein ganzheitliches Personalkonzept für die bayerische Polizei gefordert.

Höhere Anforderungen für Polizisten

Gerade vor dem Hintergrund der anhaltenden Gefährdungslage durch den Terrorismus seien die Anforderungen vor allem für die Beamten im Streifendienst enorm angestiegen. Das sagte der neue Landesvorsitzende der Polizeigewerkschaft, Rainer Nachtigall, im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk. Vieles sei bereits auf den Weg gebracht worden oder werde gerade diskutiert, so Nachtigall. Nun müsse eine zügige Umsetzung folgen.

Taser für alle gefordert

Volles Haus beim Landeskongress der bayerischen Polizeigewerkschaft in Bayreuth

Im Zentrum steht dabei eine bessere Bewaffnung mit neuen Dienstwaffen, aber auch mit Elektroschockpistolen – sogenannten Tasern. Diese wären laut Nachtigall in der Lage, beispielsweise im Einsatz gegen Randalierer oder Geiselnehmer die Lücke zwischen Pfefferspray und Dienstpistole zu schließen.

Nach der Geiselnahme in Pfaffenhofen am Montag hatte Innenminister Joachim Herrmann (CSU)  angekündigt, Unterstützungskommandos bei der Bereitschaftspolizei und den Präsidien München und Mittelfranken mit Tasern auszustatten. Die Polizeigewerkschaft fordert den Einsatz dieser Waffen zur Stärkung der Beamten im Streifendienst bei allen Polizeidienststellen.

Länderübergreifende Zusammenarbeit und mehr Geld

Vor dem Hintergrund der terroristischen Herausforderungen fordert die Polizeigewerkschaft außerdem eine bessere, länderübergreifende Vernetzung. Die Kommunikationswege und Datenbanken sollten vereinheitlicht werden. Auch eine bessere Bezahlung oder Möglichkeiten zur Beförderung müsse es für die Kollegen geben, die verstärkt in lebensbedrohliche Situationen geschickt werden, so Nachtigall.

"Streifenwagen der Zukunft"

Der neue Landesvorsitzende der Polizeigewerkschaft Rainer Nachtigall bei der Tagung in Bayreuth.

Als weiteres wichtiges Thema in Sachen Technikoffensive bezeichnete Nachtigall den "Streifenwagen der Zukunft". Beispielsweise soll es möglich sein, vom Streifenwagen aus auf die polizeilichen Fahndungs- und Informationssysteme zugreifen zu können. Außerdem müssten Anhalte- und Kontrollvorgänge aufgezeichnet und übertragen werden können.

Während Brandenburg mit seinen interaktiven Funkstreifenwagen auf dem Gebiet Vorreiter sei, stecke die bayerische Polizei noch in den Kinderschuhen. Entsprechend fordert die Polizeigewerkschaft, auch in Bayern mehr digitale Erweiterungen in die Streifenwagen einzubauen.

Mehr Aufstiegsmöglichkeiten

Neben einer moderneren Ausrüstung fordert die Polizeigewerkschaft in Bayern ein ganzheitliches Personalentwicklungskonzept. Es sei wichtig, dass nicht nur mehr Personal eingestellt wird, sondern dass der Polizeidienst auch attraktive Weiterentwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten für alle Qualifikationsebenen biete, sagte Nachtigall im BR-Interview.

Außerdem müsse das Mehr an Personal auch an den Basisdienststellen ankommen. Auch dafür wolle man sich in den nächsten Jahren verstärkt einsetzen, so der Gewerkschaftschef. Die DPolG ist mit rund 20.000 Mitgliedern nach eigenen Angaben die größte Berufsvertretung der bayerischen Polizei.


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Kommentare

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erst tasern, dann fragen, Samstag, 11.November, 09:29 Uhr

3.

Mit dem Taser wird die Hemmschwelle sinken, diesen auch einzusetzen. Der wird dann nicht erst gegen Radalierer eingesetzt, sondern schon früher (beim "schiefen Anschauen").
Und wohin sollen all die Polizisten aufsteigen? Es gibt halt nunmal nur 14 Polizeipräsidenten in Bayern.

  • Antwort von Captain Poon, Samstag, 11.November, 13:16 Uhr

    Warum sollte ein Beamter beim "schiefen Anschauen" auf den schief Anschauenden mit einem Taser schießen? Wird denn bislang jeder schief schauende Passant mit Pfferspray bedeckt oder gar erschossen? Also davon habe ich nichts gehört. Auch nicht annähernd sowas in dieser Richtung. Warum sollte durch ein weiteres Einsatzmittel die Hemmschwelle sinken? Es soll ja gerade eine möglicherweise tödlichen, aber auf jeden Fall immer mit Lebensgefahr begleiteten, Schusswaffengebrauch verhindern. Bislang bleibt einem Polizisten bei wirkungslosem Pfefferspray bei lebensbedrohlichen Lagen als Steigerung lediglich die Schusswaffe. Insofern ein Zugewinn an Handlungsmöglichkeiten für die Polizei und ein Zugewinn an Sicherheit für den Angreifer, da er nicht mehr gleich angeschossen werden muss. So werden Tote verhindert.

    Und wenn man den Text und nicht nur die Worte liest, dann erkennt man, dass es beim Aufstieg um Beamte mit Lebensgefahr im täglichen Dienst geht. Die sind weit weg vom Posten des PP.

Mr. Ed, Freitag, 10.November, 21:39 Uhr

2. Das war höchste Zeit....

dann werden es sich die kriminellen Randalierer vielleicht überlegen ob sie ihren Brandsatz gegen den Polizisten einsetzen. Die Typen sollen sich nicht so anstellen. " Es kribbelt nur ein bischen ".

  • Antwort von Wolf, Samstag, 11.November, 12:06 Uhr

    Und wo bitte gibt es in Bayern Randalierer die Mollis auf Beamte schmeißen?......wohl eher durchgeknallte Reichsbürger die auf die Polizei schießen,und da hilft der Taser immens.....

Peter M. Herrmann, Freitag, 10.November, 17:45 Uhr

1. Tasereinsatz

Und was , wenn der Getaserte herzkrank ist oder einen Schrittmacher hat ?

  • Antwort von Doc Schock, Freitag, 10.November, 19:37 Uhr

    Ein Taser wird i. d. R. eigesetzt, wenn jemand randaliert, massiven Widerstand leistet oder wegrennt.
    Sowas sollte man sich bei derart labilem Gesundheitszustand sowieso gut überlegen!

  • Antwort von Braunbär, Freitag, 10.November, 21:23 Uhr

    Krankheit kann wohl keine Legitimierung sein für ein Benehmen, welches einen Polizisten den Einsatz
    einer solchen oder anderen Waffe incl. Pfefferspray in Erwägung ziehen lässt. Kaum einer wird das - zu - leichtfertig tun.
    Man könnte natürlich auch jeden Streifenwagen mit einem Mediziner ausstatten. Der kann dann einen
    Randalierer, Schläger oder anderweitig Manieren-befreiten Menschen untersuchen, bevor die Beamten ihn
    mit den gebotenen Mitteln aus dem Verkehr ziehen (dürfen).

  • Antwort von Captain Poon, Samstag, 11.November, 13:23 Uhr

    Dann wird er zumindest nicht angeschossen. Der Taser soll ja nicht die einfachen Zwangsmittel, sondern eben die Schusswaffe in bestimmten Situationen ersetzen. Und eine Schussverletzung stoppt einen Angreifer nicht zwingend. Außer im Film. Aber auch der schmerzresistenteste Mensch der Welt kann gegen elektrisch ausgelöste Muskelbewegungen nichts ausrichten. Da fällt er einfach um. So kann man die Anzahl der Schusswaffeneinsätze sicherlich deutlich reduzieren und so das Leben der Betroffenen retten.