Sommerserie Straßennamen erzählen Geschichten
Heldentaten, Wunderwerke, ferne Welten: Hinter Straßennamen verbergen sich spannende Geschichten. Welche, das hat das Bayernmagazin in seiner Sommerserie verraten und zog dafür durch alle sieben Regierungsbezirke.
Warum heißen bayerische Straßen so, wie sie heißen? Eine Frage, die in ganz Bayern zu überraschenden Antworten führt. Das Bayernmagazin hat in einer Serie jeweils einen Straßennamen und dessen Geschichte vorgestellt.
Die Straßengeschichten zum Nachhören
Wo die vorgestellten Straßen liegen, sehen Sie auf unserer interaktiven Karte. Klicken Sie für mehr Infos und das Audio zum Nachhören nach der Sendung. Als Alternative zur Karte können Sie die Informationen über die Straßennamen auch unserem Klicktool entnehmen.
Die bayerischen Straßen unserer Sommerserie
Die Straßennamen zum Durchklicken
Suezkanal in Wunsiedel
Der Suezkanal in Wunsiedel ist eine kleine, unscheinbare Hinterhofstraße, nicht mal asphaltiert, sondern einfach nur grob geschottert. Rechts und links des Suezkanals sind die Rückfronten von Häusern, Garagen, Geräteschuppen und kleinen Gärten zu sehen, vor denen Anwohner ihre Autos parken – von einem Kanal oder gar von Wasser keine Spur. Doch direkt unter der Straße fließt der Krugelsbach durch Wunsiedel, und weil die Stadt ihn in ein Betonkorsett gezwängt hatte, haben ihn die Wunsiedler Suezkanal getauft, nach der künstlichen Verbindung zwischen rotem Meer und Mittelmeer.
Leuchtenbergring in München
Zehntausende befahren Tag für Tag den Münchner Leuchtenbergring – dabei geht’s dort, wo der Name herkommt, eher ruhig zu: die Burgruine Leuchtenberg erhebt sich stolz am Rand des Oberpfälzer Waldes. Von dort stammte das größte bayerische Adelsgeschlecht nach den Wittelsbachern.
Felix-Wankel-Straße in Lindau
Felix Wankel, der Erfinder des Wankelmotors, 1902 in Lahr geboren, zog schon in den 30er-Jahren nach Lindau. Bis in die 80er-Jahre forschte er in einem futuristischen Gebäude am bayerischen Bodensee-Ufer. So richtig warm wurden Wankel und Lindau aber nie. Bezeichnenderweise ist die Felix-Wankel-Straße am Lindauer Bodenseeufer für Autos gesperrt. Würde der Erfinder heute noch leben, verstünde er dies sicher als Schikane der Stadtverwaltung, denn das Verhältnis war über Jahrzehnte gespannt.
Kiem-Pauli-Weg in Bad Feilnbach
Der in München aufgewachsene Kiem Pauli, der eigentlich Paul Kiem hieß, trug als Musikant und Volksliedsammler zur Wiederbelebung der bayerischen Volksmusik in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts bei. Kiem Pauli, der neben der Zither auch Harfe und Gitarre spielte, arbeitete an der 1903 gegründeten Tegernseer Bauernbühne als Musiker und Kassier, schließlich auch als Schauspieler. Ab 1927 reiste er mit dem Fahrrad von Hof zu Hof durch Oberbayern und ließ sich Lieder vorsingen, die er notierte und 1934 als "Sammlung oberbayrischer Volkslieder" veröffentlichte.
Frauengasse in Passau
Warum heißt die Frauengasse Frauengasse? Jetzt wird's schlüpfrig, denn seit mindestens 1425 stand hier, direkt hinter der ehemaligen Stadtmauer, eines von zwei Passauer Frauenhäusern. Heute gibt es in der Frauengasse nur noch ein Friseurgeschäft und Wohnhäuser – ein Bordell dürfte man hier nicht wieder einrichten.
Ernst-Sachs-Straße in Schweinfurt
Dass Schweinfurt durch Ernst Sachs eine große Fabrik für die Fahrrad-Freilaufnabe mit Rücktrittsbremse bekam, war ein reiner Zufall. Ernst Sachs stammt nämlich aus Konstanz. Und er war Radrennfahrer. Und zwar auf einem Hochrad. Als er bei einem Rennen stürzte und sich schwer verletzte, ging er anschließend – wir würden heute sagen – zur Reha nach Bad Kissingen. Und einer seiner Freunde war ein Schweinfurter. Der hatte eine kleine Werkstatt am Markplatz und so begann der Fahrradmechanik Ernst Sachs hier nach seiner Kur als Mechaniker zu arbeiten.
Max-Morlock-Platz in Nürnberg
Max Morlock: 1954 Weltmeisterschaftsheld - in Nürnberg ist er noch heute ein Idol. Mit 16 war er zum 1. FC Nürnberg gewechselt, 700 Tore schoss der nur 1,70 Meter große Angreifer in 900 Spielen für die Rotschwarzen. Morlock führte den Club zu den Deutschen Meisterschaften, 1948 und 1961.
Regensburger Kuriositäten
In Regensburg fallen gleich drei Geschichten zu Straßennamen ins Auge. Die Hundsumkehr - mit dem besten Freund des Menschen hat die Straße allerdings nichts zu tun. Hintergrund ist vielmehr ein Rechtschreibfehler. Oder das Kuhgässel: Mit rund 60 Zentimetern ist diese Gasse gerade einmal so breit, dass das Hinterteil einer Kuh durchpasst, daher der Name. Bei "Roter Herzfleck" werden alle Anhänger der Legende leider enttäuscht. Im Zuge der Sanierung hat ein Historiker lückenlos die Geschichte des Hauses belegen und die Theorie des Bordells damit widerlegen können.
August-Horch-Straße in Münchberg
Wer auf der A 9 Nürnberg-Berlin an der Autobahn-Ausfahrt Münchberg-Nord rausfährt, kommt gleich in ein Gewerbegebiet, dessen einzige, mehrfache verzweigte Straße nach dem legendären Autokonstrukteur August Horch benannt ist, dem Gründer der Firmen Horch und Audi. Doch die einzige Autofirma in der Straße ist eine Mercedes-Niederlassung.
Petra-Kelly-Weg in Günzburg
Petra Kelly, die Friedensaktivistin und Mitbegründerin der Partei "Die Grünen", 1947 in Günzburg geboren, wurde Anfang Oktober 1992 in Bonn zusammen mit ihrem Lebensgefährten Gerd Bastian tot aufgefunden. Wochenlang wurde spekuliert: War es Mord oder Doppelselbstmord? Laut Staatsanwaltschaft hatte Gerd Bastian Petra Kelly im Schlaf erschossen - unklar bleibt, ob mit oder ohne ihr Einverständnis.
Lucknerstraße in Cham
In Cham ist Nikolaus Graf von Luckner überall präsent: Als lebensgroße Figur, Brunnenstatue und Namensgeber einer Straße. Luckner (1722-1794) ist eben der berühmteste Sohn der Stadt. Seine Karriere machte der Gastwirtssohn bei der französischen Armee. Als Oberbefehlshaber der Rheinarmee wurde ihm sogar ein Lied gewidmet – die spätere französische Nationalhymne.
Jäckels-Glockenweg in Hohenberg
Ein Ehepaar aus Marktredwitz hatte den Weg im Jahr 2008 im Internet ersteigert, sie wollten aber weder sich selbst noch der Familie ein Denkmal setzen. Deshalb entschieden sie sich als Namensgeber für Lorenz Jäckel: Er hatte eine der beiden Glocken der örtlichen Kirche im ersten Weltkrieg vor dem Einschmelzen gerettet.
Jo-Mihaly-Straße in Neufahrn bei Freising
Die junge Alice Kuhr alias Jo Mihaly zog in den 20er-Jahren als Sängerin durch Westpreußen. Später hat sie als provokant gekleidete Ausdruckstänzerin soziale und politische Missstände angeprangert. In Berlin hat sie ihren Mann kennengelernt. Mit ihm und der kleinen Tochter ist sie vor den Nazis in die Schweiz geflüchtet und hat den Kampf gegen die Faschisten in Deutschland mit organisiert. Daneben hat Jo Mihaly Reportagen und Feuilletons für Zeitungen geschrieben, später dann auch Romane, Erzählungen und mehr. Mit 86 ist Jo Mihaly gestorben, jetzt wurde eine Straße in Neufahrn bei Freising nach ihr benannt - in einem Neubaugebiet.
Riedinger Straße in Augsburg
Ludwig August Riedinger (1809 - 1879) war Augsburger, Fabrikant, Hotelier und Alleskönner. Zu seiner Zeit galt er als der größte und reichste bayerische Unternehmer. Er schuf den Kronleuchter für die Münchner Oper und den Berliner Reichstag. In der Augsburger Altstadt stehen heute noch die charakteristischen Riedinger-Leuchten.
Karl-Ludwig-Weg in Obernbreit
Wer war eigentlich Karl Ludwig? Immerhin ist nach ihm ein Weg in Obernbreit benannt. Vielleicht ein Landwirt oder ein Arzt? Viel wird erzählt, doch genau weiß es keiner. Selbst das Archiv konnte bis jetzt keine Antwort liefern. So bleibt der Name des Karl-Ludwig-Wegs in Obernbreit auch weiterhin ein legendenumwobenes Geheimnis.
Christoph von Schmidgasse in Dinkelsbühl
Die kleine Querstraße in der Dinkelsbühler Altstadt ist nach Christoph von Schmid (1768-1854) benannt. Dort steht sein Geburtshaus. Schmid war Priester, berühmt wurde er allerdings als Autor von Kinder- und Jugendbüchern. Aus seiner Feder stammt das beliebte Weihnachtslied "Ihr Kinderlein kommet".
Schmidlgasse in Straubing
Benannt nach Ulrich Schmidl (um 1510-1580/81), Sohn eines Straubinger Patriziers, der mit den Konquistadores an einer Expedition in die "Neue Welt" teilnahm. Er gilt als erster Geschichtsschreiber Argentiniens und Mitbegründer von Buenos Aires.

Wetter
