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Hornschlittenrennen Rasante Fahrt und Riesengaudi

Spektakuläre Stürze, Schlittenrennfahrer in Wikingerverkleidung und zahlreiche, begeisterte Zuschauer am Streckenrand sorgten unweit des Olympia-Skistadions in Garmisch-Partenkirchen wie jedes Jahr an Dreikönig wieder für eine echte Hornschlittenrenngaudi.

Stand: 06.01.2012
Mit Heu beladener Schlitten beim Rennen in Garmisch-Partenkirchen | Bild: picture-alliance/dpa

Bei den Damen holten sich die "Werdenfelser Schneehasn Partenkirchen/Grainau" den Bayerischen Meistertitel. Bei den Herren gewannen schon das dritte Jahr in Folge die "Vögelfreunde Oache Sticht WSVS vom Kochelsee". So manch selbstgebauter Hornschlitten überstand die ein Kilometer lange Rennstrecke nicht und brach auseinander. Das gesamte Team musste dann zu Fuß ins Ziel laufen. Die knapp 400 Teilnehmer kamen zum Großteil aus dem Werdenfelser Land und dem Landkreis Bad Tölz-Wolfrathshausen, reisten aber auch aus dem Allgäu, der Oberpfalz, Thüringen und sogar aus der Slowakei extra an.

Von schweren Verletzungen wurden die Schlittenrennfahrer aber verschont. Auf der inzwischen schon legendären Strecke "Hoher Weg" erreichten die Hornschlitten bei einem Höhenunterschied von 160 Metern Geschwindigkeiten von bis zu 60 Stundenkilometern.

Die wichtigsten Hornschlittenrennen

Garmisch-Partenkirchen

Schlitten, gefahren von drei Frauen | Bild: picture-alliance/dpa

Seit 1970 steht Garmisch-Partenkirchen am Dreikönigstag Kopf. Tausende schauen jedes Jahr zu, wenn die Viererteams mit ihren Hornschlitten vom Berg ins Tal rasen. 2012 waren beim 43. Rennen 90 Schlitten gemeldet. Die Strecke ist ein Klassiker: Der "Hohe Weg" führt von der Partnachalm auf 1.200 Metern Länge über insgesamt 160 Höhenmeter hinunter ins Tal. Bei dem Rennen erreichen die Teilnehmer Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 90 Stundenkilometern. Dem Siegerteam bei den Männern winkt ein Preisgeld von 1.000 Euro.

Gunzesried

Zwei Hörnerschlittenfahrer beim Rennen 2004 | Bild: picture-alliance/dpa

"Hornrar auf geht's", heißt es auch jedes Jahr im Allgäu im Gunzesrieder Tal. Mehr als 70 Hornerschlitten mit Männer- und Frauenteams flitzen dann die fast einen Kilometer lange Piste hinab. 2012 fiel das Rennen wegen Schneemangels ins Wasser.

Gaißach

Schlitten, der gerade ein Stück fliegt | Bild: picture-alliance/dpa

Der besonders unerschrockene Rennsportler kann im oberbayerischen Gaißach seit 1928 Hörnerschlitten anderer Bauart probefahren - sogenannte Schnabler. Im Gegensatz zur Normalausgabe haben diese Gefährte keine Bremsen, frei nach dem Motto: "Ohne Deixl, ohne Brems, is des Rennats ebbas Schöns." Wegen Schneemangels musste das Rennen 2012 ausfallen.

Pfronten

Hornschlittenrennen in Pfronten | Bild: picture-alliance/dpa

Wie immer am Faschingssamstag wagten sich in Pfronten etwa 200 Draufgänger mit "Schalenggen" genannten Hornschlitten auf die Piste. Das Rennen findet stets im Pfrontener Ortsteil Kappel statt. Der Hang fürs Allgäuer Schalenggen-Rennen ist einen Kilometer lang.

Vorderhindelang

Wagemutige Männer auf ihren Hörnerschlitten beim Rennen 2010 in Wertach | Bild: picture-alliance/dpa

Das "Internationale Hornerrennen" des Hornervereins Ostrachtal findet traditionell auf der anspruchsvollen Strecke im Schliermoos in Vorderhindelang statt. An den Start gehen jeweils rund 70 Hornerschlitten aus dem Allgäu und Österreich. Zur Freude der Zuschauer fahren auch Original-Horner, die mit Holz und Heu beladen sind, mit. Frau Holle meinte es gut mit den Vorderhindelangern, und so konnte das Rennen am ersten Februarwochenende 2012 stattfinden.

Wertach

Zwei Männer mit Sturzhelm auf einem Hörnerschlitten | Bild: picture-alliance/dpa

Traditionell wird auch in Wertach "ragschalengged", also auf gut Allgäuerisch: mit dem Schlitten einen Berg herabgefahren. Auf der Schanzbach-Abfahrt müssen die Schlittenpiloten schwierige 1,7 Kilometer bewältigen. 2012 stieg die große Schlittengaudi am ersten Februarwochenende in schönster Winterlandschaft.

In Oberbayern und im Allgäu stürzen sich bei Hornschlitten-, Schalenggen- oder Schnablerrennen Wagemutige mit robusten Holzschlitten unterm Hintern wagemutig ins Tal. Klar ist dabei nur eins: Irgendwie und irgendwann kommt jeder unten an. Ob man meterweit über eine Sprungschanze fliegt, unterwegs schieben muss oder ob der Schlitten auf vereisten Stellen aus der Bahn schießt, ist je nach Rennstrecke ganz unterschiedlich.

"Preißn verboten" contra "Gaudi für alle"

Bei manchen Schlittenrennen sind "Preißn verboten". Die Allgäuer sehen das nicht so eng: Bei den Schalenggenrennen in Pfronten-Kappel und Wertach dürfen alle mitrasen, die sich auf den Schlitten trauen. Auch in Garmisch-Partenkirchen dürfen Preißn antreten. Dort wurden sogar schon Teilnehmer aus Berlin und Südschweden gesichtet. Allerdings können Auswärtige nur den "Bayernpokal" gewinnen - der Titel "Bayerischer Meister" bleibt allein bajuwarischen Siegerteams vorbehalten. Beim Schnablerrennen im oberbayerischen Gaißach dürfen jedoch keine auswärtigen Teams starten: Das Reglement lässt nur einheimische Schlitten-Chauffeure zu. Von außerhalb darf höchstens der Co-Pilot stammen.

Höllisch aufpassen in Garmisch-Partenkirchen

Eine Schnapsidee

Nacht, Kaminfeuer, Schnaps: Die Stammtischbrüder, die im Winter 1969 oberhalb der Partnachalm zusammensaßen, "erfanden" im Almrausch das Hornschlittenrennen – und starteten am 6. Januar 1970 erstmals mit sieben Teams ins Tal.

Damit das legendäre Hornschlittenrennen am Dreikönigstag in Garmisch-Partenkirchen garantiert stattfindet, hilft der Hornschlittenverein Partenkirchen im Notfall mit der Schneekanone nach. Tradition verpflichtet! Wer unterwegs nicht höllisch aufpasst, bringt seinen Schlitten nur in Einzelteilen ins Ziel. "Den hat's geschmissen", hallt es dann zum Amüsement der Schaulustigen aus den Lautsprechern an der Strecke.

Rennen mit Risiken und Nebenwirkungen

Wer viel Glück hat, kommt beim Hornschlittenrennen mit einer rot gefrorenen Nase und einem Bauchmuskelkater vom vielen Lachen ins Ziel. Häufig nimmt man auch ein paar blaue Flecken mit, gelegentlich eine Prellung, bei schweren Stürzen sogar Brüche und Schlimmeres. Trotzdem werden nur selten Fahrer mit Sturzhelm gesichtet. Dafür ist aber immer ein Sanitäter-Team vor Ort, für eine Erstversorgung.

Hornschlitten – historisch und heute

Die meisten Schlitten überstehen rasante Fahrten unbeschadet. Sie müssen stabil gebaut sein: Schließlich brachten die Bergbauern anno dazumal per Hornschlitten schwere Ladungen Heu oder Holz von tief verschneiten Höhen über enge Ziehwege ins Tal. Erst heutzutage wurden sie zu zünftigen Rennsportgeräten für Tollkühne. Den Namen haben die zwei bis drei Meter langen Holzschlitten übrigens von ihren gamshornförmigen Kufen.