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Urteil im Kreissägen-Prozess von Haar Zwölfeinhalb Jahre Haft wegen Totschlags

Das Landgericht München hat das Urteil im sogenannten "Kreissägen-Prozess" gefällt. Die 32-jährige Angeklagte wurde wegen Totschlags an ihrem Freund zu 12 Jahren und 6 Monaten Haft verurteilt. Heimtücke bei der Tat sahen die Richter nicht.

Stand: 19.05.2017

Angeklagte im Gerichtssaal | Bild: Stefanie Gentner

Die Tat hat sich schon 2008 ereignet, doch erst im vergangenen Jahr kam sie ans Licht: Beim Liebesspiel hat eine Studentin ihren Freund mit einer Kreissäge getötet. Als Beweismittel galten der Staatsanwaltschaft unter anderem Aufzeichnungen der Studentin, die diese zwei Jahre nach der Tat angefertigt hatte. Darin schilderte sie das Verbrechen. Ihr Freund sei dabei ans Bett gefesselt gewesen - offenbar in Erwartung eines bereits früher praktizierten Sexspiels.

Weil er eine zugeklebte Taucherbrille trug, konnte der Freund nichts sehen. Dennoch sei das Mordmerkmal der Heimtücke nicht erfüllt gewesen, so das Gericht. Es gebe dafür keine Beweise. Die Richter gingen davon aus, dass der Studentin erst nach der Fesselung die Idee kam, ihren Freund umzubringen. Das schließe ein heimtückisches Vorgehen aus, sagte der Vorsitzende Richter Michael Höhne.

Angeklagte wirkt verzagt und unsicher

Auf Prozessbeobachter wirkte die Angeklagte zu Beginn des Verfahrens vor dem Landgericht München wie eine sehr verzagte, unsichere Frau, die ihr Leben nicht so recht auf die Reihe gekriegt hat. Vor allem lebte die damalige Pädagogik-Studentin von einem Erbe, von dem zuletzt nicht viel übrig war. Sie gründete eine Wohngemeinschaft mit wechselnden Mitbewohnern - unter anderem gehörte dazu auch der Mann, den sie später tötete. Danach lebte bei ihr ein weiterer Mann, den sie nach buddhistischem Ritus geheiratet hat.

Über all diese Dinge sprach sie zum Prozessauftakt mit leiser Stimme. Von den Zuschauern und der Nebenanklagebank, wo der Adoptivvater des Opfers saß, drehte sie sich konsequent weg. Das Opfer sei ein Mann mit zwei Gesichtern gewesen, sagte die Angeklagte. Der eine Mensch sei "intelligent, sehr humorvoll, gut erzogen" gewesen. Über den zweiten Menschen wollte sie zunächst nicht sprechen. Denn für die Aussage über ihre Beziehung und die Tat hatte ihre Anwältin den Ausschluss der Öffentlichkeit beantragt.

Acht Jahre nach Tat Leiche gefunden

Erst Anfang 2016, Jahre nach der Tat, hatte eine Bekannte der damaligen Pädagogik-Studentin von der Tat erfahren und sich an die Polizei gewandt. Die Ermittler fanden die Leiche im Garten der Wohngemeinschaft in Haar bei München. Die Angehörigen des Opfers waren bis zu dem Zeitpunkt davon ausgegangen, der junge Mann sei mit einer neuen Freundin ins Ausland gezogen.

Motiv offenbar eine unglückliche Beziehung

Mit einer Handkreissäge, so die Staatsanwaltschaft, hatte die Angeklagte den Oberkörper ihres Freundes attackiert und ihm tödliche Schnittwunden zugefügt. Als Motiv wird eine unglückliche Beziehung vermutet. Die Frau hat sich offenbar häufig mit ihrem Lebensgefährten gestritten. Auch am Tag vor der Tat war es zu einem heftigen Streit gekommen, in dessen Verlauf die Frau ihren Freund aus der WG warf. Sie habe sich dann, so die Staatsanwaltschaft, zum Schein mit ihm versöhnt und sogar mit ihm geschlafen - und ihn danach allerdings umgebracht.

Erst Monate später im Garten vergraben

Noch monatelang lag der Tote im Dachgeschoss des Hauses, in dem noch andere Mitbewohner lebten, bis die Angeklagte im Sommer 2009 in den Urlaub fuhr und ihr nächster Freund im Haus blieb, um auf ihre Katze aufzupassen. Er fand die grausam zugerichtete Leiche - und verscharrte sie später gemeinsam mit seiner Freundin und einem weiteren Bekannten im WG-Garten. Der Freund sitzt deswegen bereits im Gefängnis.

Rückblick:


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Mut, Samstag, 20.Mai, 06:34 Uhr

2. Heimtücke?

...zum Schein mit ihm versöhnt...."
die Richter sehen dabei keine Heimtücke?!?

Manfred, Freitag, 19.Mai, 12:35 Uhr

1.

Und warum nur Totschlag? - Dafür fehlt jede Erklärung.

  • Antwort von nach der aktuellen Definition von Mord, Freitag, 19.Mai, 23:36 Uhr

    Steht doch im dritten Satz: Die Richter sahen keine Heimtücke - eines der Mordmerkmale. Daher "nur" Totschlag.