Bayern 1 - Experten-Tipps

Sukkulenten Was sind das nur für Pflanzen?

Man kennt sie aus Westernfilmen, man schenkt sie keineswegs als Zeichen der Zuneigung, sie scheinen schier ohne Wasser zu leben. Die Bayern 1-Pflanzenexpertin Karin Greiner hat die wichtigsten Pflegetipps rund um Kakteen.

Von: Karin Greiner Stand: 08.12.2012

Sie gelten als unnahbar. Dennoch geht eine besondere Faszination von diesen bizarren Gewächsen aus, die man als Sukkulenten bezeichnet. Sukkulenz bedeutet übersetzt so viel wie saftreich. Denn all diesen Pflanzen ist gemein, dass sie Wasser in Stamm, Blättern oder Wurzeln speichern können.

Kakteen und Euphorbien

Was die Kakteen in der Neuen Welt, sind die Euphorbien in der Alten Welt. In Amerika trifft man von Kanada bis Patagonien Kakteen an, während es in Afrika sehr ähnlich aussehende Pflanzen gibt, die aber Euphorbien oder Wolfsmilchgewächse sind. Beide wachsen mal als mächtige Säulen, mal als Kugeln, mal mit blattartigen Gebilden. Sie haben sich an ein Leben in Trockenheit angepasst.

Die Drachenfrucht stammt von einem Kaktus.

Einer der wohl bekanntesten Kakteen bei uns ist der Schwiegermuttersessel, der gewaltige Kugeln bilden kann, aber dicht mit kräftigen Dornen gespickt ist. Ein anderer Kaktus liefert Früchte, die es auch bei uns im Obstregal gibt: die Drachenfrucht oder Pitahaya. Und jetzt zu Weihnachten zieht ein Kaktus dank seiner phantastischen Blütenfülle alle Blicke auf sich: der Weihnachtskaktus.

Euphorbien werden oft als Kakteen angesehen, etwa der „Westernkaktus“. Der Unterschied liegt nicht allein in der Herkunft, sondern auch im Milchsaft. Der dreikantige Stamm des Westernkaktus, an dessen Längsrippen bei guter Versorgung auch immer wieder Blätter erscheinen, enthält giftigen Milchsaft, der auch die Haut ätzen kann. Ebenfalls zu den Euphorbien zählt der Christusdorn sowie der Weihnachtsstern. Er ist jedoch keine wasserspeichernde Art.

Sukkulenten unserer Heimat

Nachdem hierzulande keine wüstenartigen Bedingungen herrschen, gibt es auch nur wenige Arten, die in ihren Blättern bzw. Stängeln Wasser speichern. Die Haus- oder Dachwurz ist eine dieser Spezialisten, die dank ihrer Überlebenstechnik auf Hausdächern und blankem Fels überdauern kann.

Hauswurz enthält eine ähnliche Masse wie die bekannte Aloe.

Trennt man ein Blatt der dicken Rosetten ab, kommt eine feuchte, gallertartige Masse hervor, die man ebenso wie den Saft der Aloe als kühlendes Heilmittel gegen Insektenstiche, Verbrennungen oder Verstauchungen verwenden kann.

Auch der Mauerpfeffer mit seinen saftigen Blättchen wächst problemlos an extrem trockenen Stellen, etwa im Steingarten. Und sogar ein altes, fast schon vergessene Würzkraut mit fein säuerlichem Geschmack gehört zu den Sukkulenten: die Felsen-Fetthenne oder Tripmadam.

Sukkulenten auf der Fensterbank

Aloe und Flammendes Käthchen, Lebende Steine und Geldbaum, Affenschaukel und Teller an der Wand – allein die Namen erzählen schon Geschichten. Aloe vera ist seit alters her als Erste-Hilfe-Pflanze auf der Küchenfensterbank bekannt, heute aber vor allem in der Kosmetik geschätzt.

Das Flammende Käthchen blüht schier unermüdlich.

Das Flammende Käthchen gehört zu den wohl ausdauerndsten Blühpflanzen überhaupt, monatelang treibt es unermüdlich neue Knospen. Wirklich an Kiesel fühlt man sich bei den Lebenden Steinen erinnert. Der Geldbaum wiederum treibt an dicken Stämmchen rundliche Blätter wie Münzen. Bei der Affenschaukel hängen lange Triebe mit dickfleischigen Blättchen fast armlang aus dem Topf. Früher war dies eine beliebte Ampelpflanze fürs Zimmer.

Der „Teller an der Wand“ sieht genauso aus, wie sein Name vermuten lässt: Eine Rosette aus dreieckig zulaufenden Blättern formt den „Teller an der Wand“, ein Dickblattgewächs aus Teneriffa. Er wächst an Mauern, lässt sich aber auch im Topf ziehen.

Pflege der Sukkulenten

Wer's gießen vergisst, wird vom Weihnachtskaktus mit schönen Blüten belohnt.

Für Leute, die gerne mal das Gießen vergessen, sind Sukkulenten ideal. Denn sie wollen sogar vergessen werden, was das Wässern anbelangt. Zumindest darf man sie gerade in der Ruhezeit, im Winter, nicht wässern wie sonst üblich. Die Wurzeln würden sofort faulen, wenn die Erde zu nass bleibt. Man zieht Sukkulenten daher bevorzugt in einem sehr sandigen Substrat, das rasch abtrocknet. Und gießt im Winter gar nicht oder nur höchst sparsam.

Fast alle Sukkulenten wollen sonnig stehen. Damit sie schön gleichmäßig wachsen, sollte man sie alle paar Tage um ein Viertel drehen – sonst bleibt die dem Licht abgewandte Seite nämlich deutlich kleiner. Im Winter gilt für Sukkulenten Ähnliches wie für Kübelpflanzen: Je heller, desto wärmer und je dunkler, desto kühler sollten sie gehalten werden.

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