Bayern 1 - Experten-Tipps

Die lieben Kollegen Schicksalsgemeinschaft mit Marotten

Mit den Kollegen verbringen die meisten mehr Zeit als mit dem Partner. Eine Schicksalsgemeinschaft voller Macken. Wie Sie Ihrem Bürogenossen schonend beibringen, dass der Schreibtisch zu chaotisch ist, verrät die Bayern 1-Psychologin Dr. Bärbel Wardetzki.

Von: Bärbel Wardetzki Stand: 25.06.2012
Chaos-Schreibtisch | Bild: colourbox.com

Was nervt Sie im Büro am meisten? Der Kollege, der immer zu spät kommt, der ständig Selbstgespräche führt oder der einen völlig chaotischen Arbeitsplatz hat? Ganz oben auf der Hitliste der nervigsten Bürosünden stehen unangenehme Essens- und Körpergerüche.

Beeinträchtigungen unterschiedlichster Art

Mit vielen Kollegen verbringt man mehr Zeit, als mit dem eigenen Partner. Eine Schicksalsgemeinschaft mit aus Menschen mit Macken, die teilweise schwer tolerierbar sind.

Nämlich alle die, die den anderen beeinträchtigen, ohne dass er sich dagegen wehren oder schützen kann. Das trifft bei Gerüchen ebenso zu wie bei zu lautem Reden oder Unordnung, wenn man in einem Zimmer sitzt.

Aber auch die Arbeitshaltung kann sehr beeinträchtigen: Lässt der andere Arbeit liegen, kommt er immer zu spät oder fehlt er häufig, kann das eventuell Mehrarbeit für die Kollegen bedeuten.

Ob man als betroffener Kollege mit diesen Macken leben sollte, um den Bürofrieden zu wahren, hängt ganz von der Situation und der Beziehung ab. Das Beste ist natürlich, wenn man dem anderen sagen kann, was einen stört. Da man selbst auch einiges hat, was den anderen nervt, kann man gegenseitig Rücksicht nehmen.

Wie sage ich es dem Kollegen?

Da die meisten ihre schlechten Angewohnheiten nicht aus Boshaftigkeit tun, sondern weil sie gar nicht auf die Idee kommen, dass es den anderen stören könnte, muss man ihnen diese Info erst mal geben.

Also sagen Sie konkret, was Ihnen missfällt und drücken dann aus, wie Sie es gerne hätten: "Ich hätte gerne, dass wir in der Teeküche essen und nicht am Schreibtisch, weil das andere belästigen kann." Kommt es trotzdem immer wieder vor, dann können Sie ihn fragen, warum er sich nicht daran hält und wie sie sich in Zukunft einigen können, da Sie es nicht mehr ertragen wollen.

Reagiert der andere auf Ihre Hinweise aggressiv und beleidigt, dann wird's schwierig, weil Sie nun die Beziehung klären müssen, dass es nicht gegen ihn geht, sondern gegen seine schlechte Angewohnheit.

Lautes Telefonieren und andere Marotten

Redet der Kollege lautstark am Telefon oder mit seinem Nachbarn, wenn Sie arbeiten möchten, dann bitten Sie ihn, etwas leiser zu sein. Geht der andere darauf nicht ein, dann liegt ein Konflikt vor, der tiefer geht.

Unpünktlichkeit treibt die anderen auf die Palme und als Kollegen kann man da nicht viel machen, das ist im Grunde Chefsache. In der Therapie deutet sie zum Beispiel auf fehlende Therapiemotivation oder Angst hin, oder darauf, dass jemand seine Zeit nicht gut strukturieren kann und sich immer zu viel vornimmt.

Chaos am Arbeitsplatz oder Selbstgespräche sind persönliche Marotten. Solange Sie nicht davon beeinträchtigt werden, sollten Sie es hinnehmen.

Letztlich ist das Entscheidende immer: Beeinträchtigt das Verhalten Sie in Ihrer Arbeit oder als Person so, dass Sie damit nicht leben können oder ist es eine Marotte des anderen, die Sie hinnehmen können und müssen. Toleranz ist da sehr wichtig.

Den Vorgesetzten sollten Sie einschalten, wenn Sie keine Einigung herstellen können.


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