Bayern 1

Zentralklinikum Augsburg Hat die Babyklappe noch eine Zukunft?

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder hat die Debatte um Baby-Klappen und anonyme Geburten neu angefacht. Mütter in Not sollen ihre Babys in Zukunft unter einem Pseudonym zur Welt bringen. Das geplante Gesetz will damit vor allem die umstrittenen Baby-Klappen überflüssig machen. Beide Modelle gibt es seit über zehn Jahren in Augsburg.

Stand: 09.08.2012
Babyklappe Klinikum Augsburg | Bild: Kinderklinik Augsburg

Wenn eine Mutter ihr neugeborenes Baby anonym weggibt, dann muss sie sehr verzweifelt sein. Damit dem Kind wenigstens körperlich nichts passiert, gibt es am Klinikum Augsburg die sogenannte Babyklappe. Ein blaues Schild mit der Aufschrift "Babyfenster" weist den Weg zu einem unauffälligen Anbau an der Kinderklinik. Büsche verdecken die Sicht, wenn eine Mutter die Scheibe öffnet und heimlich ihr Kind im Wärmebettchen ablegt. Dann geht alles seinen Gang: Es wird automatisch Alarm ausgelöst und das Kind wird in der Intensivstation ärztlich versorgt. Danach sucht das Jugendamt eine Pflegefamilie.

Ein Baby pro Jahr in der Klappe

Seit dem Jahr 2000 gibt es dieses Babyfenster. Pro Jahr wird durchschnittlich ein Neugeborenes hier anonym abgelegt. In dieser Zeit hat sich nur eine Mutter später wieder zu ihrem Kind bekannt. Die von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder vorgesehene vertrauliche Geburt statt Babyklappe sehen allerdings auch Ärzte kritisch: Denn es ist fraglich, ob die in Not geratenen Frauen ihre anonyme häusliche Umgebung aufgeben wollen - auch wenn sie ihren Namen in der Klinik nicht angeben müssen.

Rund eine anonyme Geburt pro Jahr

Das dieser Weg akzeptiert wird, zeigt das Josefinum in Augsburg. Es bietet Müttern in Extremsituationen nämlich eine solche anonyme Geburt an. Zwölf Frauen haben seit 2001 anonym am Josefinum entbunden. Babyklappen und anonyme Geburten sind derzeit offiziell verboten - sie werden nur geduldet. Nach Inkrafttreten des Gesetzes sollen aber keine neuen Babyklappen mehr eröffnet werden dürfen. Der Augsburger Weihbischof Anton Losinger, Mitglied des Deutschen Ethikrates, hält das für falsch: Denn auch Babyklappen könnten unter Umständen ein Instrument zur Rettung des Lebens eines Kindes sein.


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