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Oberbayern-Hochwasser Viel Lob für die Helfer

Das Hochwasser geht überall zurück. In vielen Kellern und Gärten steht noch Wasser. Die A8 bei Grabenstätt ist früher als erwartet schon am Nachmittag wieder freigegeben worden und die Seenschifffahrt startet ebenfalls wieder.

Stand: 09.06.2013
Hochwasser in Wolnzach, 7.6.2013 | Bild: Susanne Pfaller

In den vom Hochwasser betroffenen Wohngebieten im Berchtesgadener Land sind die ersten Aufräumarbeiten erledigt. Zum Teil würden aber Keller durch den hohen Grundwasserspiegel noch immer volllaufen. Am Freitag wurde damit begonnen, den Sperrmüll aus Freilassing zur Müllverbrennungsanlage nach Burgkirchen zu transportieren, erklärte Bürgermeister Josef Flatscher. Die Kosten dafür übernimmt der Landkreis Berchtesgadener Land.

Bei seinem Besuch in Vohburg an der Donau hat der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner weitere Hilfen angekündigt. Die 1.500 Euro Soforthilfe sollen in jedem Fall weiter bei Bedarf ausbezahlt werden. Außerdem wird der Freistaat den Hochwasserschutz vorantreiben.

1.500 Euro Soforthilfe

Die Betroffenen können seit Donnerstag (6.6.) Soforthilfe in Höhe von 1.500 Euro pro Haushalt bekommmen. Die Auszahlung des Geldes soll ohne großen bürokratischen Aufwand bei der jeweils zuständigen Kommunalbehörde erfolgen. Betriebe bis zu 50 Mitarbeiter bekommen 5.000 Euro. Bei besonderen Härtefällen gebe es keine Deckelung, erklärte der bayerische Finanzminister Markus Söder, hier könnten die Kommunen selbstständig entscheiden. Der Regierungsbezirk Oberbayern habe für Soforthilfe bereits zehn Millionen Euro erhalten, erklärte Söder.

Stromanschlüsse werden überprüft

In Rosenheim sind alle Straßen wieder frei befahrbar, die Stromverteilung ist größtenteils wiederhergestellt. In Oberwöhr müssen allerdings viele Anschlüsse erst noch von Elektroninstallateuren überprüft werden. Nasse Sandsäcke können am Entsorgungshof in der Innlände abgegeben werden, ebenso Schlamm aus den Kellern.

Verkehrsbehinderungen nehmen ab

Die A8 ist seit gestern Nachmittag wieder voll in beiden Richtungen befahrbar. Das Ausmaß der Straßenschäden durch das Hochwasser und die Kosten im oberbayerischen Straßennetz lässt sich noch nicht beziffern. Der Bahnverkehr normaliisert sich ebenfalls allmählich, alllerdings gibt es noch einzelne Sperrungen:

Überblick über Bahnstrecken und Ersatzverkehr

München-Salzburg

Die Bahn arbeitet mit Hochdruck daran, dass Zugreisende wieder durchgehend von Salzburg bis München fahren können. In der kommenden Woche soll das wieder möglich sein. Zwischen Traunstein und Salzburg fahren die Züge wieder. Auch zwischen Rosenheim und Holzkirchen bestehen keine Einschränkungen mehr. Zwischen Übersee und Traunstein bleibt der Bahnverkehr dagegen voraussichtlich noch bis zum kommenden Montag gesperrt. Die Bahn hat in diesem Abschnitt einen Busnotverkehr eingerichtet. Die Railjet-Züge zwischen München und Wien werden weiterhin über Passau umgeleitet. Die übrigen Fernverkehrszüge enden in München beziehungsweise in Salzburg.

München-Garmisch-Mittenwald

Beim Zugverkehr im Werdenfelser Land wird es auch in den kommenden eineinhalb Wochen weiterhin zu Behinderungen kommen. Fahren können die Züge wieder zwischen Mittenwald und Ohlstadt. Der Streckenabschnitt zwischen Tutzing und Weilheim muss noch mindestens bis einschließlich Sonntag, 16.6., gesperrt bleiben, so die Bahn. In diesem Bereich ist für die Reisenden ein Busersatzverkehr eingerichtet. Fahrgäste von und nach Weilheim können auf die Züge der Bayerischen Regiobahn über Geltendorf ausweichen und dann mit DB-Zügen oder S-Bahnen weiter nach München fahren. Auf der gesamten Umleitungsstrecke werden die für die Strecke Weilheim–München gültigen Fahrscheine anerkannt.

Bayerische Oberlandbahn (BOB)

Der Streckenabschnitt Holzkirchen-Miesbach der Bayerischen Oberlandbahn bleibt bis voraussichtlich Montag (10.6.) gesperrt. Auf dieser Strecke werden weiter Busse eingesetzt. Zwischen Miesbach und Bayrischzell dagegen können die Züge wieder fahren. Zu beachten: in Richtung München besteht in Holzkirchen kein Anschluss an Züge. Bis zum Ende der Streckensperrung können Kunden mit einem gültigen BOB-Fahrschein auch die S-Bahnlinie 3 zwischen Holzkirchen und München nutzen.

Notfahrplan bei der Seenschifffahrt

Die Chiemseeschifffahrt hat am Freitag (7.6.) wieder ihren Betrieb aufgenommen. Die Strecke Prien/Stock-Herreninsel wird wieder befahren. Es gilt ein Notfahrplan mit Fahrten im 20-Minutentakt. Seit Samstag fahren die Schiffe von Prien und Gstadt zur Herren- und zur Fraueninsel, alle anderen Uferorte werden nicht angefahren. An Ammersee und Tegernsee verkehren die Schiffe ebenfalls wieder. Keine Einschränkungen gibt es am Starnberger See und am Königssee.

Millionenschäden in den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein

Im Landkreis Berchtesgadener Land hat das Hochwasser Millionenschäden verursacht. Zahlreiche Wohnhäuser und Betriebe sind vor allem in Freilassing, Maria Gern bei Berchtesgaden, in Ramsau und Laufen überflutet worden. Außerdem wurde auch die Infrastruktur in den Gemeinden erheblich beschädigt, sagte der Sprecher des Landratsamtes in Bad Reichenhall, Andreas Bratzdrum dem BR-Korrespondentenbüro Chiemgau. Im Landkreis Traunstein wurden laut einer ersten Bestandsaufnahme rund 1.000 Wohnhäuser beschädigt.

Spendenkonten Freilassing

Noch immer hat die Stadt Freilassing für Fragen ein Bürgertelefon, das unter der Nummer 08654 – 6309 123 zu erreichen ist, geschaltet. Auf der Homepage des Landkreises Berchtesgadener Land können Betroffene das Antragsformular zur Soforthilfe in Höhe von 1.500 Euro downloaden. Die Formulare können auch bei der Stadt Freilassing abgeholt werden. Unterdessen haben die Bürgerstiftung Berchtesgadener Land der Volks- und Raiffeisenbank und die Sparkasse Berchtesgadener Land Spendenkonten eingerichtet. Spenden die auf dem Konto der Volks- und Raiffeisenbank eingehen, werden vom Institut bis zu einem Betrag von 100.000 Euro verdoppelt, die Kontonummer lautet 10001015, Verwendungszweck "Hochwasser Freilassing". Die Sparkasse hat auf das Spendenkonto bereits 20.000 Euro überwiesen, die Kontonummer lautet 202 617 72, Verwendungszweck ebenfalls "Hochwasser Freilassing".

Konsequenzen fürs nächste Hochwasser

Nach dem Hochwasser ist vor dem Hochwasser. Das wurde am Mittwoch (5.6.) bei einer Lagebesprechung im Rosenheimer Landratsamt deutlich. Es gelte jetzt, so schnell wie möglich Damm-Schäden zu beseitigen und Vorsichtsmaßnahmen zu treffen - vor allem am aufgeweichten Damm in Kolbermoor, fordert Kolbermoors Bürgermeister Peter Kloo.

"Es heißt hier in Kolbermoor, Gas geben! Unser Wasserwirtschaftsamt und unser technisches Bauamt sind bereits unterwegs. Die sind zur Stunde auf den Dämmen, beratschlagen, welche Maßnahmen können ergriffen werden, weil diese aufgeweichten Dämme auch keine Situation mehr aushalten, die wir vor einem Jahr nicht einmal als Hochwasser wahrgenommen hätten."

Kolbermoors Bürgermeister Peter Kloo

Grundstücksbesitzer gegen Polderbau

Weiter entwickelt wird auch der Hochwasserschutz weiter oben an der Mangfall bei Feldolling. Hier wehren sich allerdings Bürger und Grundstücksbesitzer gegen einen geplanten Polderbau, der insgesamt 130 Hektar brauchen und 55 Millionen Euro kosten soll. Landrat Josef Neiderhell sagte am Wochenende neben der reißenden Mangfall, dass die Behörden das Projekt trotzdem vorantreiben würden. Eine schnelle Umsetzung ist bei so einem Großprojekt aber nicht möglich.

Keime im Trinkwasser

Trinkwasser aus Wasserhahn | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Vorbeugung Chlor im Münchner Trinkwasser

Wegen des Hochwassers wird das Trinkwasser im Mangfalltal am Taubenberg im Landkreis Miesbach gechlort. München und zehn Umlandgemeinden werden mit dem Wasser versorgt. [mehr]

Die Bürger der Gemeinde Großkarolinenfeld im Landkreis Rosenheim wurden aufgerufen, ihr Trinkwasser abzukochen. Es wurden Keime nachgewiesen, die unter Umständen zu Magen- und Darmerkrankungen führen können, so die Gemeinde. Das Wasser soll mindestens fünf Minuten lang sprudelnd abgekocht werden, damit alle Keime effektiv abgetötet werden. Zu Reinigungszwecken, für Haustiere und Vieh, sowie für die Toilettenspülung ist kein Abkochen nötig. Auch die Körperpflege kann mit nicht abgekochtem Wasser erfolgen, sofern darauf geachtet wird, dass das Wasser nicht getrunken wird oder auf offene Wunden gelangen kann, so die Gemeinde. Auch in Beilngries im Landkreis Eichstätt raten die Behörden, das Wasser abzukochen.


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peter stottan, Donnerstag, 06.Juni, 19:05 Uhr

22. hochwasser

Mich wundert, das in Bayern die Hochwasserschutzvorkehrungsmaßnahnen genauso unsinnig sind wie in Österreich. Statt jeden Damm auf der Außenseite mit Bämen zu bepflanzen und somit zu verwurzeln und zu stabilisieren, erkennt niemand die einfachste Lösung.

Paul, Mittwoch, 05.Juni, 11:26 Uhr

21. Hochwasserschutz

Was ich überhaupt nicht verstehe , warum gibt es in Bayern und Ostdeutschland nicht ebenfalls diese Hochwasserschutzwände wie es Sie in Österreich z.B. in Grein an der Donau auf 35 Km gibt?
Wurde hier etwas wie sooft in unserem Staate total verschlafen?
Bitte alle deutschen Politiker zum Lehrgang für Hochwasserschutz nach Grein fahren.
Dort konnte das schlimmste verhindert werden.
Inh Regensburg gibt es auch Hochwasserschutzwände die sind schräg gebaut-warum auch immer und natürlich sind sie dann nicht so hoch.
Hier sollte dringenst nachgebessert werden.

Stefan, Dienstag, 04.Juni, 17:58 Uhr

20. Hochwasser und Fußball

Entschuldigung, daß es Leute gibt die sich einfach nicht für Fußball interessieren und denen diese ewig betrunken gröllenden Fußballer + Fans einfach nur noch auf die Nerven gehen. Aber das war ja im alten Rom schon so: Brot und Spiele um das Volk ruhig zu halten. Und in ein paar Tagen findet sich sicher schon irgendwo auf der Welt die nächste Sensation und dann ist das Hochwasser auch schon wieder vergessen. Was dann aus den Geschädigten wird ist ja auch für die Berichterstatter nicht mehr interessant genug. Da ist's doch dann wieder interessanter zu Spekulieren für wieviel Geld wohl der nächste Fußballspieler irgendwohin transferiert wird. So ist's nun mal auf der Welt.

Andreas, Montag, 03.Juni, 18:23 Uhr

19. Hochwasser und Fußball

Genau!
Die sollen doch das Fußballspiel zwischen Deutschland und der USA in Washington absagen, wenn es in Rosenheim Hochwasser gibt.

Merken sie was? Selbst der Vergleich dieses Gedanken mit einem Äpfel/Birnenvergleich wäre ein Äpfel/Birnenvergleich.

Wichtiger wären andere Fragen. Zum Beispiel: Wieso steht bei Bad Aibling, 5km vor Kolbermoor eine Sperre mit "Ortsdurchfahrt Kolbermoor gesperrt" wenn die Ortsdurchfahrt völlig frei ist (abgesehen von mehr sinnlosen Sperrschildern) und erst 1,5km HINTER dem Ort wirklich gesperrt ist? So daß hunderte Leute erst vom Buschfunk erfahren müssen, daß man trotzdem in die Arbeit fahren kann (mit allen anderen Zufahrten WIRKLICH unpassierbar).

Und die Frage, warum ein Damm, der für eine größere Katatrophe in Rosenheim sorgen könnte, überhaupt in Bruchgefahr kommt, müßten noch ganz andere Leute beanworten.

Bei aller Frustration, Ärger und Sorgen, die man hat: Man soll doch bitte nicht erwarten, daß alle weinend zu Hause sitzen, wenn man selber Probleme hat.
Den Fußballern kann man höchstens vorwerfen, daß sie auch nicht grade einen Lichtblick beigesteuert haben.
Übrigens sind gestern bei einem Selbstmordanschlag in Afghanistan 9 Schulkinder gestorben..........

Dinge können so relativ sein.

Wolfgang, Montag, 03.Juni, 12:32 Uhr

18. Hochwasser und Fußball

Da sieht man doch gleich wieder das den Reportern der Fußball viel wichtiger ist als das Leid der Hochwasser geschädigten. Mich regt es immer auf wenn so ein blödes Fußballspiel ist und jeder Sender ob Fernsehen oder Radio nur Fuball bringt. Als ob das wichtig ist. Die anderen Nachrichten werden dabei vergessen.

So will man die Leute nur für Dumm verkaufen.