Immer die alte Leier... Der Drehorgel-Mann
Die große Leidenschaft begann unter dem Eiffelturm: Als Alois Blüml seiner Frau Paris zeigen wollte, entdeckte er plötzlich eine zweite Liebe – zur Drehorgel. Auf einem Flohmarkt erstand er eine Amorette, verwurmt und alt. Und doch machte sie ihn zum Sammler. Von klingenden Automaten.
An manche Momente im Leben kann man sich auch noch nach vielen Jahren erinnern. Einen solchen erlebte Alois Blüml in der Stadt der Liebe.
„Unser erster gemeinsamer Urlaub war in Paris. Da sind wir zu einem Flohmarkt gegangen hinter Sacre Coeur und dann habe ich diese Amorette gesehen. Total vergammelt und der Wurm drin - alles verwurmt. Und dann habe ich gesagt: „Das möchte ich gern kaufen““, erinnert er sich.
Mit der Drehorgel zurück in die Heimat
Feilschen hat nichts genutzt: Umgerechnet 650 Mark hat sie gekostet. Eine Menge Geld für Alois Blüml – doch er hat es gerade noch so zusammenkratzen können. So kam er mit seiner ersten Drehorgel zurück ins Chiemgau. Und da musste die Amorette dann auch erst repariert und restauriert werden. Doch dass er irgendwann einmal Drehorgelbauer würde, daran war damals noch nicht zu denken…
Umdenken durch einen Obdachlosen
Schließlich war Alois Blüml damals Gastronom - auf Drängen seiner Eltern. Zusammen mit seiner Frau war er rund um die Uhr im Betrieb. Seine Musikautomaten hatte er nur zur Unterhaltung seiner Gäste aufgestellt. Doch dann hatte Alois Blüml eine Begegnung, die ihm die Augen geöffnet hat: Ein Obdachloser in Salzburg hatte ihm vor Augen geführt, wie das Leben noch sein kann.
„Ich hab mich zu ihm gesetzt und dann gesagt: „Wie geht es dir?“ Und dann hat er gesagt: „Mir geht’s gut. So gut ist es mir noch nie gegangen wie jetzt als Sandler““, erinnert sich Alois Blüml. Und was hat sich der Gastronom daraufhin gedacht? „Was bin ich für ein Depp!“. Seiner Frau teilte er mit, dass sie nun mit dem Arbeitsstress aufhören würden. Man müsse sich etwas anderes suchen, um Geld damit zu verdienen.
Das Hobby zum Beruf gemacht
Gesagt, getan: Er verpachtete seinen Betrieb und machte sein bisherige Hobby zum Beruf: Er wurde Drehorgelbauer. Was er bis dahin noch nicht wusste, brachte er sich selbst bei. Allerdings kam er das eine oder andere Mal bei der Arbeit auch richtig ins Schwitzen – gerade wenn er sich angesichts der von ihm zerlegten Drehorgel sicher war, dass er dieses Gerät nie wieder richtig zusammenbauen könnte. Doch mit dieser Tüftelei kam er den Geheimnissen der alten Meister immer weiter auf die Schliche.
Kundschaft rund um den Globus
Das sprach sich rum – in der ganzen Welt. Von überall her kamen teils hoffnungslos geglaubte Fälle zu Alois Blüml. Und zudem hat er die Drehorgeltechnik sogar noch erweitert: Er entwickelte ein System, mit dem er jede Melodie auf die Notenscheiben übertragen kann. Dafür hat er sogar eine Maschine selbst entwickelt und gebaut.
Die Vielseitigkeit, die Abwechslung – das lag Alois Blüml schon immer im Blut: Er absolvierte zwei Ausbildungen, war Koch und Konditor. Mit diesem Können erkundete er die Welt: Neun Jahre war er unterwegs, arbeitete in einem Restaurant auf Bermuda und suchte spirituelle Erleuchtung bei einem Guru in einem indischen Kloster.
Auf der Suche nach dem Perpetuum Mobile
Diese Art der Spiritualität war dann aber doch nicht sein Weg. Übersinnliches zu erkunden, das liegt ihm aber immer noch im Blut. Er will die Kräfte erforschen, die unsere Welt bewegen – und so tüftelt er schon lange heimlich an einer Maschine, die ewig in Bewegung bleiben soll. Das Perpetuum Mobile sozusagen. Ein Spinner? Na und! „Wenn das funktioniert, dann habe ich gewonnen, wenn es nicht funktioniert, dann habe ich mich beschäftigt mit irgendetwas, das ist auch Wurst.“

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