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Leitungswasser in Bayern Wie sinnvoll sind Wasserfilter?

Leitungswasser hat einen guten Ruf. Es ist das sauberste und am besten kontrollierte Lebensmittel überhaupt, heißt es. Trotzdem bietet der Handel jede Menge Wasserfilter. Wir klären, wie gut unser Trinkwasser ist – und wie sinnvoll die Filter sind.

Stand: 15.03.2016

Trinkwasser ist hierzulande das wohl meistkontrollierte Lebensmittel und muss strenge Richtwerte einhalten, bevor es in die Wasserleitungen darf. Die mehr als 2.500 Wasserversorger in Bayern sind verpflichtet, die Qualität des von ihnen zur Verfügung gestellten Trinkwassers zu sichern und von Laboren kontrollieren zu lassen. Zusätzlich überprüfen die Gesundheitsämter die Güte des Wassers. Grundlage für die Sicherung der Wasserqualität ist die deutsche Trinkwasserverordnung.

Darin sind Grenzwerte für viele Stoffe festgeschrieben, die im Trinkwasser nichts verloren haben. Ihr Wasserversorger muss Sie übrigens auf Anfrage darüber informieren, was genau in Ihrem Leitungswasser enthalten ist – und auch, welche Stoffe bei der Aufbereitung eingesetzt wurden.

Das darf pro Liter im Wasser sein:

250 mg Sulfat
50 mg Nitrat
0,5 Mikrogramm Pflanzenschutzmittel
10 Mikrogramm Uran
3 Mikrogramm Kadmium
1000 Legionellen (Stückzahl)
0,1 Mikrogramm andere Stoffe ohne eigenen Grenzwert

Stoffe im Wasser

Viele Stoffe fügen wir dem Wasser selbst zu – Nitrat und Pflanzenschutzmittel zum Beispiel. Damit das Leitungswasser seine hohe Qualität behält, sind bei den Wasserversorgern inzwischen oft große Aufwände nötig: Denitrifikationsanlagen sorgen dafür, dass nicht mehr Nitrat im Trinkwasser ankommt als erlaubt. Ein weitaus größeres Problem ist buchstäblich hausgemacht: Immer öfter finden sich Medikamentenrückstände im Grundwasser – Antibiotika, Beruhigungsmittel, Hormone.

Gereinigt, gechlort, entsäuert

Ein Drittel des in Bayern geförderten Wassers muss daher erst in Wasserwerken aufbereitet werden, bevor es als Trinkwasser in die Versorgung geleitet werden darf. Das heißt, es wird gereinigt, gechlort, gelegentlich entsäuert, fließt manchmal durch Ionenaustauscher gegen die Uranbelastung oder wird schlicht auch mal mit sauberen Wasser verdünnt, bis die Grenzwerte passen.

Letzte Qualitätshürde: das Rohr

Bis es im Haushalt ankommt, hat das Wasser dann die vielgerühmte Güte bayerischen Trinkwassers. Aber auch noch an Ihrem Waschbecken? Tatsächlich führen die Wasserleitungen im eigenen Haus nicht nur reines Wasser, sondern leider oft auch eigene Giftstoffe:

Frisches Wasser in alten Rohren

Bleirohre

Bis 1973 wurden in Häusern Bleirohre verlegt. Das giftige Blei aus den Rohren wird im Wasser gelöst und gelangt beim Trinken in unseren Körper. Vor allem für Ungeborene, Kinder und Säuglinge ist es schädlich. Lassen Sie alte Bleirohre unbedingt austauschen. Das können Sie auch von Ihrem Vermieter verlangen, denn Sie haben das Recht, Ihre Wohnung ohne Gesundheitsgefährdung zu nutzen. Inzwischen sind Bleirohre in deutschen Haushalten jedoch selten geworden.

Kupferrohre

Sehr häufig werden Wasserleitungen aus Kupfer verbaut. Hat das Wasser jedoch einen pH-Wert unter 7 (saures Wasser), sollten keine Kupferrohre verwendet werden, da sich das Metall sonst löst. Neue Kupferrohre geben auch bei nicht saurem Wasser etwa ein halbes Jahr lang erhöhte Kupfermengen ans Wasser ab. Bei Säuglingen und Kleinkindern kann Kupfer zu Leberschäden führen. Daher sollten Sie Wasser aus Kupferrohren keinesfalls für die Zubereitung von Babynahrung verwenden.

Stehendes Wasser

Generell gilt: Wasser, das über längere Zeit in der Leitung steht, nimmt Stoffe aus den Leitungen oder Amaturen auf. So kann beispielsweise Nickel vom Wasserhahn ins Trinkwasser gelangen. Lassen Sie das Wasser laufen, bis es wieder kühl aus dem Hahn kommt. Und nicht nur nach einem langen Urlaub! Hat das Wasser über zwanzig Grad, können sich schon nach wenigen Stunden Bakterien und Keime bilden.

Undichte Rohre

Durch undichte Stellen in den Abwasserrohren können Coli-Bakterien in die unterirdischen Zuleitungen für das Trinkwasser gelangen, die dann schwere Durchfälle auslösen können.

Testen lassen!

Wenn Sie die Qualität des Wassers am Wasserhahn testen lassen wollen, wenden Sie sich an Ihr Landratsamt. Das berät Sie gerne, von wem Sie Ihr Wasser testen lassen können.

Wasserfilter "nicht empfehlenswert"

Trotz der hohen Qualität unseres Trinkwassers gibt es ein großes Sortiment verschiedener Wasserfilter. Sie versprechen weicheres Wasser, weniger Kalkbeläge, mehr Teegenuss. Die Stiftung Warentest hat sie getestet und ein ernüchterndes Fazit gezogen: Die Filter vermitteln ein gutes Gefühl, aber die wenigsten bringen auch einen Nutzen. Keiner der Tischfilter ist empfehlenswert. Spätestens nach der Hälfte der angegebenen Filterkapazität senken alle die Wasserhärte nur noch mangelhaft, so die Stiftung Warentest.

Verbraucherzentrale: Wasserfilter überflüssig

Auch die Verbraucherzentrale hält Wasserfilter in den meisten Fällen für überflüssig. Viele Hersteller argumentieren, dass Leitungswasser schlecht sei, Keime enthalte und krank mache. Genau deshalb brauche man Wasserfilter. Die Verbraucherzentrale hat die Argumente und Versprechen der Hersteller unter die Lupe genommen.

Argumente für Wasserfilter im Faktencheck

"Unser Leitungswasser ist nicht so gut, wie immer behauptet wird."

Das Leitungswasser in Deutschland unterliegt regelmäßigen strengen Kontrollen und ist von sehr guter Qualität. Auch die derzeitigen Grenzwerte sind völlig ausreichend.

"Leitungswasser kann krank machende Keime wie Legionellen enthalten."

Das ist sehr unwahrscheinlich, denn die Qualität wird gut überwacht. Sollte Trinkwasser tatsächlich mal krank machende Keime enthalten, liegt ein Hygieneproblem im Rohrleitungsnetz vor, das nicht mit einem Filter behoben werden sollte.

"Trinkwasser kann Medikamente enthalten."

Ja, aber die Menge ist so gering, dass für den Menschen dadurch nach Stand der Wissenschaft keine konkrete Gesundheitsgefahr besteht.

"Trinkwasser kann Nitrat enthalten."

Grenzwertüberschreitungen von Nitrat im Trinkwasser sind sehr selten.

"Trinkwasserfilter helfen, den Körper zu entschlacken."

"Schlacken" gibt es nicht! Also ist auch keine derartige Hilfe möglich.

"Trinkwasserfilter können Blei herausfiltern, das in vielen Leitungen enthalten ist."

Trinkwasserfilter sollten nicht verwendet werden, um Blei herauszufiltern. Häuser, die nach 1973 gebaut wurden, besitzen keine Bleirohre. Falls jemand vermutet, noch Bleileitungen im Haus zu haben, sollte er sein Leitungswasser untersuchen lassen.

"Wenn man ungefiltertes Wasser trinkt, drohen Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs."

Leitungswasser in Deutschland ist von sehr guter Qualität und kann nicht für solche Erkrankungen verantwortlich sein.

"Durch 'Harmonisierung', 'Vitalisierung', 'Levitation', 'Energetisierung' oder 'Transformation' kann das Wasser in einen natürlichen oder ursprünglichen Zustand zurück geführt werden."

All diese pseudowissenschaftlichen Aussagen können wissenschaftlich nicht belegt werden.


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