Kräuterpädagogin Monika Engelmann Johanniskraut
Magische Zeiten stehen bevor. Fast keine andere Jahreszeit ist so von Mystik umwoben wie die Zeit der Sommersonnenwende. Die Sonne scheint am längsten und gibt ihre ganze Energie an die Pflanzen ab, welche jetzt ihre vollste Kraft haben - wie das Johanniskraut.
Mittsommer wird praktisch in allen nördlichen Kulturen gefeiert und lässt sich als überliefertes Fest weit zurückdatieren. Historisch ist zwar kein keltisches Mittsommerfest nachweisbar, aber in Irland werden in der Mittsommernacht traditionelle Feuer am Hügel der Fee Aine entzündet. Schon für die Menschen der Jungsteinzeit hatte das Wissen um die Sonnenwende große Bedeutung, da danach das Jahr mit seinen Pflanzperioden eingeteilt werden konnte.
Seit dem 12. Jahrhundert sind die sogenannten "Johannisfeuer" belegt, die nach "Johannes dem Täufer" benannt sind, welcher angeblich am 24. Juni geboren wurde. Die Feuer sollen Hagel und böse Dämonen abwehren, die Krankheiten oder Viehschäden hervorrufen.
Kulinarisches
Gleichen Namensursprungs ist unser echtes Johanniskraut, das um diese Tage zu blühen beginnt. Die große Ehre, die ihm damit zuteil wurde, schließlich feiert die katholische Kirche den Johannistag als Hochfest, ist mehr als gerechtfertigt. Das herb-aromatisch schmeckende Kraut ist sowohl in der Küche als auch besonders im arzneilichen Bereich zu verwenden. Die essbaren Blätter und Triebspitzen können als Würze für Tee, Bitterliköre, Bier und Schnaps oder im Frühjahr als Zutat für Salate, Suppen und Eintöpfe verwendet werden.
Johanniskraut-Tee
- zwei Teelöffel getrocknetes Johanniskraut
- 150 ml Wasser
Das Johanniskraut mit kaltem Wasser übergießen, langsam zum Sieden bringen und nach ca. 10 min durch ein Teesieb abseihen. Johanniskrautee wird in der Volksmedizin zur Unterstützung der Behandlung von nervöser Unruhe und Schlafstörungen angewandt.
Vorsicht: Nicht in der Schwangerschaft, während der Stillzeit und bei bekannter Lichtüberempfindlichkeit anwenden. Zudem können die Inhaltsstoffe des Echten Johanniskrautes etliche andere Arzneistoffe schwächen.
Medizinisches
Das echte Johanniskraut ist die am weitesten verbreitetste Art seiner Gattung in Europa und kommt in der freien Natur oft als Pionierpflanze an Waldrändern, Magerwiesen oder Schotterbereichen vor. Wegen seiner für die Arzneimittelherstellung wichtigen Inhaltstoffe wie Hypericin, welches antiviral wirkt und daher auch gegen HIV eingesetzt wird, ist der kommerzielle Anbau inzwischen auf über 630 Hektar in Deutschland angewachsen. Im sonstigen landwirtschaftlichen Bereich wird es allerdings mehr als "Unkraut" eingestuft.
Volksmedizinisch gilt das Johanniskraut als echte Wunderpflanze. Die ihm zugeschriebene Wirkungsvielfalt reicht von antidepressiv, über Linderung von Angst und Erschöpfungszuständen und reicht schließlich bis zur Heilung und Abmilderung von Sportverletzungen, offenen Wunden und Wechseljahresbeschwerden. Es wird in der Regel als Tee oder Tinktur verwendet, kann aber auch in Form des sogenannten Rotöls zum Einsatz kommen.
Johanniskraut-Öl
- drei handvoll blühendes, frisches Johanniskraut
- 500 ml gutes Olivenöl
Das blühende Johanniskraut an einem sonnigen Tag ernten. Etwa eine Stunde im Freien auf einen Teller legen und den Insekten Gelegenheit zur Flucht lassen. Dann das Kraut mit dem Olivenöl übergießen. Wichtig ist, dass das Johanniskraut komplett mit Öl bedeckt ist.
Diese Mischung circa drei bis vier Wochen an die Sonne stellen und täglich aufschütteln. Sobald das Öl eine dunkelrote Farbe angenommen hat, abgeseiht an einem dunklen und kühlen Ort aufbewahren.
In der Volksmedizin wird das Johanniskrautöl als Wundheilöl, als Einreibung bei Muskelschmerzen, Verstauchungen und Verrenkungen angewandt.
Vorsicht: Nicht in der Schwangerschaft, während der Stillzeit und bei bekannter Lichtüberempfindlichkeit anwenden. Zudem können die Inhaltsstoffe des Echten-Johanniskrautes etliche andere Arzneistoffe schwächen.
Dieses Öl wird durch den Vorgang der Mazeration gewonnen, bei dem die Blüten des Johanniskrauts über einen längeren Zeitraum in naturreine Öle eingelegt werden. Anwendung findet das Rotöl besonders äußerlich zum Einreiben bei Verstauchungen, Gicht, Hexenschuss und ähnlichen Beschwerden.
Risiken und Nebenwirkungen
Insgesamt ist allerdings bei der Anwendung von Johanniskraut Vorsicht geboten. Johanniskrautzubereitungen erhöhen die Lichtsensibilität der Haut. Während Schwangerschaft und Stillzeit von der Verwendung absehen, da Johanniskraut früher als Abtreibungsmittel verwendet wurde! Zudem kann es bei einer unkontrollierten Einnahme zu Wechselwirkungen mit sonstigen Medikamenten kommen. In Irland sind Johanniskrautpräparate daher seit einigen Jahren verschreibungspflichtig!
Zum Nachhören

Wetter




