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Klimawandel - was tun? So stellt man sich im Bayerischen Wald darauf ein

Windwürfe, Borkenkäfer, heiße Sommer und schneearme Winter - der Klimawandel ist schon jetzt zu spüren. Im Bayerischen Wald stellen sich die Forstleute darauf ein: Sie planen bis zu 100 Jahre voraus und pflanzen künftig passende Baumarten.

Von: Renate Rossberger

Stand: 17.05.2017

Mindestens 130 Jahre muss Jürgen Völkl, Leiter des Staatlichen Forstbetriebs Bodenmais, vorausdenken, wenn es darum geht, welche Baumarten gepflanzt werden sollen. Sind Fichten vom Borkenkäfer befallen, pflanzt er gerne Tannen oder Douglasien, denn der Borkenkäfer, der vom Klimawandel profitiert, lässt diese Arten links liegen.

"Die Tanne hat gegenüber der Fichte den Vorteil, dass sie mehr Wärme verträgt und ein tiefgehendes Wurzelsystem hat. Da erreicht sie zum einen tiefere Wasserschichten, zum anderen stabilisiert sich das auch gegen Windwurf. Douglasien sind vom Holz und vom Wachstum her wertvolle Bäume. Wir werden sie dort intensiv pflanzen, wo wir Löcher blombieren und Borkenkäfer-Flächen füllen."

Jürgen Völkl, Leiter des Staatlichen Forstbetriebs Bodenmais

Das Ziel: der Mischwald

Paul Hilgart, Ausbildungsmeister am Forstbetrieb Bodenmais

Der Forstbetrieb Bodenmais ist für ein riesiges Staatsforstgebiet zuständig: 17.177 Hektar vom Arber und Osser bis zur Isarmündung. Seit etwa zehn Jahren wird die Douglasie, deren Nadeln nach Orangen riechen, hier gepflanzt. Flächendeckend wird sie aber nicht kommen, die Wälder sollen nicht völlig umgekrempelt werden, sagt Völkl. Ziel ist ein Mischwald, auch mit Buchen, die mit ihrem jährlichen Laubabwurf den Boden düngen.

Aus Fehlern gelernt

Fehler von vor 100 Jahren, als man Fichtensamen aus Tieflagen verwendet hat, die nicht an das raue Bayerwald-Klima angepasst waren, vermeidet man laut Völkl heute. Dennoch sei die Fichte gerade in den Hochlagen über 900 Metern unverzichtbar, denn andere Baumarten schaffen es dort seiner Expertise zufolge gar nicht.

"Hier im Bayerischen Wald wird es auch in den nächsten 50 oder 100 Jahren weiterhin Fichten geben, das sagen uns die Klimarisiko-Karten. Demnach haben wir vielleicht nicht mehr 1.800, aber 1.600 Millimeter Niederschlag. Anders ist es aber im Naabbecken in der Oberpfalz: Dort, bei knapp 600 Millimetern Niederschlag - genauso wie im Mittelfränkischen - gehen uns die Fichten verloren."

Jürgen Völkl, Leiter des Staatlichen Forstbetriebs Bodenmais

"Ohne Nadelhölzer geht es nicht"

Rund 1.000 junge Tannen und Douglasien, die aus den Pflanzgärten des Staatsforsts in Laufen und Bayreuth angeliefert werden, werden jedes Jahr im Herbst gepflanzt. Der große Rest ist natürlich Verjüngung. Aber es wird schwieriger: "An manchen Teilen fehlt die Fichte schon: dort, wo die Wasserversorgung schlecht ist, weil es entweder zu wenig oder nur extrem viel regnet und das Wasser dann abfließt", erklärt Paul Hilgart, Ausbildungsmeister am Forstbetrieb Bodenmais.

Aber ohne die Fichte und vor allem ohne Nadelholz klappt es wirtschaftlich nicht im Forst: "Nadelhölzer wachsen schneller und Nadelhölzer haben für eine technische Nutzbarkeit die besseren Wuchsformen", sagt Jürgen Völkl. Laubbäume sind für Bauholz zu stark verzweigt. Würde man nur auf Laubwälder setzen, käme das Nadelholz aus Plantagen im Ausland.


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Hans Holtz, Samstag, 20.Mai, 21:23 Uhr

5. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Wenn man lange nicht gelacht hat, kann man wieder herzlich schmunzeln! Es wird 100 Jahre voraus geplant, dabei wissen wir nicht mal, wie wir in 10 Jahren die Renten finanzieren werden oder ob die Sozialkassen überhaupt noch 5 Jahre reichen. Und das große Chaos steht vor der Tür - die nächste Welle vom Flüchtlingsansturm nach Art 2015 wird nach den Wahlen auf uns arme deutsche Durchschnitts-Michel herein brechen. Aber warum eigentlich nicht? Wie hieß es so schön? "...wenn morgen die Welt untergehen würde, würde ich heute noch einen Baum pflanzen."

Helmut, Freitag, 19.Mai, 19:45 Uhr

4. Nachhaltiges Wirtschaften

wird im Forstbereich in Deutschland mit Erfolg seit ca. 300 Jahren gemacht. Deswegen haben wir auch funktionierende Wälder, die es z.B. in Italien und Spanien im Altertum auch mal gab.
Ist auch nicht neu, daß die Forstwirtschaft auf den Klimawandel reagiert. Machen sie schon seit Jahren , da sie gewohnt sind langfristig vorauszuplanen, Im Gegensatz zu den meisten Politikern und MItmenschen.

websaurier, Donnerstag, 18.Mai, 15:46 Uhr

3. Viel Geblubbere...


Wenn man sich den Zustand der Wälder so ansieht, dann ist es wohl mit dem vorausschauenden Denken der Forstbehörden nicht weit her !!
Laubwälder ???
Mischwälder ???
Artensterben ???
Überall Monokulturen mit Fichten und Kiefer...

  • Antwort von Grenzwaldler, Sonntag, 21.Mai, 03:28 Uhr

    Also ich kann in den letzten Jahrzehnten feststellen, dass die Mischwälder in Bayern zunehmen. Dies kann man besonders an den jungen Bäumen erkennen, die sich unter den Monokulturen bzw. fichten- oder kieferndominierten Altbeständen befinden. Es dauert natürlich einige Jahrzehnte, bis daraus ältere Bäume werden. Aber auch in alten Beständen wurden und werden gezielt die vorhandenen Mischbaumarten gefördert. Das zeigt sich übrigens auch in den Bundeswaldinventuren. Die Letzte im Jahre 2012 zeigt eine bayernweite Zunahme der Laubholzfläche gegenüber der vorherigen Inventur von 2002 von 116 tausend Hektar. Entsprechend sank in dieser Zeit die Nadelbaumfläche. Das ist unter Anderem auf die gute Arbeit der Bayerischen Staatsforsten sowie die Beratung und Förderung der Bayerischen Forstverwaltung und nicht zuletzt auf das Wirken der Förster der privaten Forstbetriebe und Forstzusammenschlüsse, die in vielen Generationen (nachhaltig) denken, zurückzuführen. Also doch vorausschauendes Denken?

Selim, Mittwoch, 17.Mai, 20:37 Uhr

2. zukunftsfähiges Material

Die Forstwirtschaft macht´s wieder mal vor: man braucht zukunftsfähiges Baum-Material
Die Landwirtschaft ist auch nicht faul, die züchten und selektieren.
Weiter trau ich mich nicht schreiben, denn ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Hans Holtz, Mittwoch, 17.Mai, 19:14 Uhr

1. Wer sowas glaubt, ist selbst dran schuld,

aber die Jetztzeit lebt ja vom Postfaktischen... Es gibt dazu eine phantastische Rede eines AfD-Politikers im Netz. Die man seitens der Mainstream-Medien auch falsch interpretieren wollte, wie dies auch die Grünen und Linken gerne getan hätten...

  • Antwort von Grenzwaldler, Sonntag, 21.Mai, 01:48 Uhr

    Lieber Herr Holz, an was genau soll man denn nicht glauben, was diesen Beitrag betrifft? Das es den Klimawandel gibt, oder dass Förster aus Fehlern der Vergangenheit lernen, oder dass die Tanne gegenüber der Fichte die genannten Vorteile bringt, oder dass Douglasien gepflanzt werden? Bitte führen Sie das doch genauer aus, denn Sie werden ja wohl nicht den gesamten Beitrag in Frage stellen, oder?