Atommüll-Zwischenlager Zehn-Meter-Mauer verursacht Unruhe
Droht im Atommüll-Zwischenlager Gundremmingen Gefahr durch Terror oder Strahlen? Das Lager soll nun mit einer über zehn Meter hohen Mauer aus Stahlbeton umschlossen werden. Vor Ort herrscht Rätselraten.
Der Gemeinderat Gundremmingen hat gestern einstimmig beschlossen, dass eine Mauer um das Atommüll-Zwischenlager gebaut werden darf. Eine Entscheidung, die die Gemeinderäte nur mit Bauchschmerzen trafen. Denn über den Grund der Baumaßnahme fühlten sie sich laut BR-Informationen nur unzureichend informiert. Die Gemeinderäte konnten sich zudem keineswegs völlig frei entscheiden. Hätten sie das Bauvorhaben abgelehnt, so hätte das Landratsamt sie aus baurechtlichen Gründen zur Entscheidung gezwungen. Die Mitglieder stimmten dem Antrag zu, weil sie der Ansicht waren, dass es sich hier um eine Sicherheitsmaßnahme handle, die im öffentlichem Interesse geschehe.
Atomkraftwerke in Bayern
Umweltministerium: "Ertüchtigungsmaßnahmen"
Die Weisung, eine Mauer um das Atommüll-Zwischenlager auf dem Gelände des Kernkraftwerks zu bauen, kam aus Berlin und zwar vom Bundesamt für Strahlenschutz.
"Die baulichen Maßnahmen an den Anlagen dienen dem Schutz gegen Störmaßnahmen oder sonstige Einwirkungen Dritter, dazu zählen auch mögliche terroristische Angriffe"
Bundesumweltministerium in einer schriftlichen Mitteilung an BR.de
Details unterliegen laut bayerischem Umweltministerium der Geheimhaltung.
Gebaut wird auch in Ohu und Grafenrheinfeld
Alle Atommüllzwischenlager - in Bayern neben Gundremmingen auch Isar 1 und 2 bei Landshut sowie Grafenrheinfeld - müssen laut Umweltministerium nachgerüstet werden. Für das Zwischenlager Isar 1 und Isar 2 liegt aber noch kein entsprechender Bauantrag vor. Im Bauamt der Gemeinde Essenbach hat man von dem Vorhaben erst aus dem Radio erfahren. Auch rund um das Atommüllzwischenlager in Grafenrheinfeld wird eine hohe Mauer mit einer Wandstärke von rund 85 Zentimetern gebaut, bestätigte der Schweinfurter Landrat Harald Leitherer gegenüber dem Bayerischen Rundfunk. Seine Informationen hat er vom Bundesamt für Strahlenschutz. Neben dem Bau einer Mauer rund um das Atommüllzwischenlager soll laut Leitherer auch das Belüftungssystem der Halle vor möglichen Angriffen geschützt werden.
Keine Details zu Baumaßnahmen
Ein Sprecher des Energiekonzerns Eon, die Grafenrheinfeld betreiben, bestätigte auf BR-Anfrage, dass Baumaßnahmen geplant seien. Welcher Art diese Baumaßnahmen sind, unterliegen laut Eon der Geheimhaltung. Eon bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa auch, dass es umfassende Sicherungs- und Schutzkonzepte für alle Atomkraftwerke gebe. Die regelmäßigen Überprüfungen und Optimierungen seien üblich. Zu den Details der Baumaßnahmen wollte Eon aus Sicherheitsgründen gegenüber dpa keine genauen Angaben machen. Eon ist auch für Atomkraftwerke Isar 1 und 2 verantwortlich. Albert Göttle, Chef der Abteilung für Reaktorsicherheit im Bayerischen Umweltministerium, hatte bereits im Dezember 2011 eine Nachrüstung am Zwischenlager angekündigt.
Keine akute Gefahr
Sicherheitsmaßnahmen
Zehn Meter hoch und 85 Zentimeter dick soll die Mauer sein und das Zwischenlager fast vollständig umschließen. Die Kosten von mehreren Millionen Euro trägt der Betreiber. Gebaut werden soll die Mauer vermutlich ab Mitte 2012. In Zwischenlagern wie Gundremmingen, Grafenrheinfeld und Isar 1 und 2 lagern abgebrannte Brennstäbe.
Die Mauer um das Zwischenlager Gundremmingen soll auch vor terroristischen Angriffen schützen. Laut Bayerischem Amt für Reaktorsicherheit besteht aber keine akute Gefahr eines Terrorangriffs. Ganz anders beurteilt das niedersächsische Umweltministerium die Situation. Dort spricht man von einer
"Gefährdungssituation im Zuge neu gewonnener Erkenntnisse zu möglichen Tatmitteln und Täterverhalten"
Niedersächsische Umweltministerium
Der Betreiber des Zwischenlagers Gundremmingen beschwichtigt dagegen: Der Bau der Mauer sei lediglich eine Sicherheitsmaßnahme.
Droht Dauerzwischenlager?
Indes hat Raimund Kamm, Sprecher des "Forum Gemeinsam gegen das Zwischenlager", die Befürchtung geäußert, dass im Zuge eines weiteren Ausbaus aus den Zwischenlagern regelrechte "Dauerzwischenlager" werden könnten. Auch Atomkraftgegner aus Unterfranken kommentierten die geplanten Baumaßnahme in Grafenrheinfeld. Für Babs Günther vom "Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft" ist unklar, warum das Atommüllzwischenlager vor knapp fünf Jahren ohne zusätzlichen Schutz in Betrieb gehen konnte. Sie ist der Ansicht, dass bereits nach den Terrorangriffen von New York Konsequenzen nötig gewesen wären. Für den Schweinfurter Stadtrat der Grünen, Marc Dominik Boberg, reicht der Schutz nicht aus. Der grüne Bundestagsabgeordnete Hans-Josef Fell fordert, dass auch das benachbarte Kernkraftwerk einen zusätzlichen Schutz bekommt.
Hintergrund
Im November 2011 war Gundremmingen in die Kritik geraten, weil nach Angaben der Vereinigung "Internationale Ärzte zur Verhütung des Nuklearkrieges" (IPPNW) ein bedenklich hoher Austritt von Radioaktivität gemessen worden war.

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Thomas Borchert, Mittwoch, 11.Januar, 23:18 Uhr
10. Ein schöner Satz!
Zitat:
"Eine Entscheidung, die die Gemeinderäte nur mit Bauchschmerzen trafen."
Also ich hätte da Kopfschmerzen und ach ja, die Gemeinderäte hatte ja gar keine andere Möglichkeit gehabt, anders zu entscheiden.
Eigentlich braucht jetzt nur, als weiteres politisches Mittel ein Volksentscheid angesetzt zu werden und ich denke, dass die Gemeinde da eine Gute Chache hat, muss halt nur Jeder mitmachen, damit die Politik ganz klar Ihre Grenzen erfährt, wo Bauchschmerzen ein Anzeichen dafür ist, daß man nicht nach dem gesunden Menschenverstand gehandelt hat und somit zeigt, daß man mit seinem politischen Handeln einfach unfähig ist, Farbe bekennen zu wollen, können und nach Umfragewerte hätte müssen.
Schöner kann man Bayer nicht machen.
Schloss Neuschwanstein war gestern und in 300 Jahren wird es eine Mauer zu bestaunen geben. Wie war das?
Niemand hat vor eine Mauer zu bauen. Ach ja das war ja in Berlin. Hoffentlich verwechselt die Brutstätte in 300 Jahren Keiner!
Ist das Mal Berlin gewesen? Hups und das in Bayern.
Ja Prosie, sag I damal!
LG Thomas Borchert
Ede, Mittwoch, 11.Januar, 21:48 Uhr
9. Fragen über Fragen
Die Mauer schützt was vor was?
Bürger vor Strahlung? Einrichung vor Bürgern?
Ist es eine Mauer wie bei einem Gefängnis? -Keiner kommt rein, keiner raus?
Wer bezahlt überhaupt die Mauer?
Wie dumm sind Gemeinde- Stadträte, daß sie ein Baugesuch abnicken ohne Abklärung zu verlangen?
Wo lebe ich eigentlich?
Salute
Jon Do, Mittwoch, 11.Januar, 20:42 Uhr
8. Terror und Strahlen
Mit einem haben die Behörden recht: Ja, die geplante Mauer wird vor Terror schützen, nämlich dem Terror durch das Zwischenlager selbst.
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