Bayern plus


6

Gesundheitsgefahr Acrylamid Neue EU-Verordnung soll Verbraucher besser schützen

Chips, Pommes, Kekse, Knäckebrot, Kaffee - all diese Lebensmittel enthalten den umstrittenen Stoff Acrylamid. Nach Einschätzung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) kann eine hohe Acrylamid-Aufnahme das Krebsrisiko potentiell erhöhen. Deshalb wird es ab dem kommenden Frühjahr strengere Auflagen für Lebensmittelhersteller geben.

Von: Veronika Scheidl

Stand: 05.12.2017

Acrylamid ist ein Stoff, der 2002 zufällig in Lebensmitteln entdeckt wurde. Behörden, wie etwa die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), warnen vor diesem Stoff. Denn er soll krebserregend sein und das Erbgut verändern können – das wurde bei Tierversuchen festgestellt, erklärt Prof. Dr. Bernd Schäfer vom Bundesinstitut für Risikobewertung. 

Man wisse allerdings nicht, ab welchen Mengen das Acrylamid für den Menschen gefährlich ist.

"Einen sicheren unteren Grenzwert gibt es nicht, deswegen können wir auch keine Grenzwerte für den Verbraucher festlegen, die ihn schützen könnten."

Prof. Dr. Bernd Schäfer, Bundesinstitut für Risikobewertung

Er warnt zudem, dass Acrylamid gerade für Kinder gefährlich sein kann. „Kinder sind eine besondere Bevölkerungsgruppe, weil sie pro Kilogramm Körpergewicht mehr Nahrung zu sich nehmen und damit natürlich eine höhere Belastung haben.“

Wie entsteht Acrylamid?

Laut dem Bundesministerium für Ernährung nehmen wir täglich bis zu 35 Mikrogramm Acrylamid über Nahrungsmittel auf. Der problematische Stoff lässt sich kaum vermeiden. Denn Acrylamid steckt in unzähligen Lebensmitteln.

Es bildet sich bei großer, trockener Hitze aus Zuckern und Aminosäuren. Die stecken in kohlenhydrat- und stärkehaltigen Lebensmitteln. Das bedeutet, dass gerade während des Backens und Frittierens von Kartoffelprodukten Acrylamid entsteht, wie bei Pommes, Kartoffelpuffern oder Chips.

Aber auch bei Getreideprodukten wie Knäckebrot, Semmeln und Keksen bildet sich der Stoff. Sogar in Kaffee steckt Acrylamid – wegen des Röstens der Bohnen. Jetzt in der Weihnachtszeit sind auch Lebkuchen und Plätzchen mit Acrylamid belastet.

Neue EU-Verordnungen

Die EU-Kommission hat jetzt neue Regeln für den Gastronomiebereich verabschiedet. Demnach sollen Köche ab April 2018 zum Beispiel die Kartoffeln kochen und damit die Stärke auswaschen, bevor sie zu Pommes weiterverarbeitet und frittiert werden. Dr. Thomas Geppert ist der Landesgeschäftsführer des Bayerischen Gaststätten- und Hotelverbandes. Er findet die Neuerung verfehlt.

"Es wäre sinnvoller gewesen, hätte man statt einer Verordnung eine große europaweite Aufklärungskampagne gemacht, dann wäre dem Verbraucherschutz, dem Gesundheitsschutz in der unserer Gesellschaft viel mehr Rechnung getragen als über irre und abwegige Bürokratieverordnungen der EU."

Dr. Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes.

Wie kann ich mich als Verbraucher schützen?

Acrylamid bildet sich bei einem ganz natürlichen Vorgang. Verbraucher können es allerdings selber beeinflussen, wie viel Acrylamid dabei entsteht.

"Es gilt stets die Regel: goldbraun statt zu dunkel."

Daniela Krehl, Verbraucherzentrale Bayern

Pommes und Plätzchen sollten also nicht zu braun und knusprig werden. Denn: je dunkler die Speisen werden, umso mehr steigt der Acrylamid-Gehalt - und zwar um ein Vielfaches.

Das bedeutet:

  • beim Backen nicht zu lange und nicht über 175 Grad Celsius heizen
  • Pommes lieber in der Fritteuse statt im Backofen zubereiten
  • Bei Pommes lieber zu der dickeren Variante greifen, bei ihnen entsteht weniger Acrylamid
  • Generell gilt: Je höher der Wassergehalt, desto weniger Acrylamid bildet sich. Deswegen empfiehlt es sich, Kartoffeln schonend im Kochtopf zu garen. In gekochten Speisen wie Nudeln und Reis wurde bislang kein Acrylamid festgestellt.
  • In der Weihnachtsbäckerei ist es besser, Backtriebmittel wie Backpulver oder Natron zu verwenden. Mit Hirschhornsalz bildet sich deutlich mehr Acrylamid.

Acrylamid lässt sich natürlich am besten vermeiden, indem der Verbraucher lieber mal auf Pommes und Chips verzichtet und zu gesünderen Alternativen greift.


6