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Prozess in Stuttgart Schlecker-Urteil erwartet

Der frühere Besitzer der Drogeriekette soll die Insolvenz verschleppt und Millionen Euro beiseite geschafft haben. Die Anklage fordert Gefängnisstrafe. Schlecker muss sich seit Anfang März wegen vorsätzlichen Bankrotts vor Gericht verantworten.

Von: Michael Krawczyk , Jonathan Schulenburg

Stand: 27.11.2017

ARCHIV - Anton Schlecker (M) geht am 02.05.2017 in Ehingen (Baden-Württemberg) mit seinen Kindern Meike und Lars durch die Stadt. Während einer Sitzung des Bankrottprozesses um die Drogeriemarktkette Schlecker am 13. November teilten sie mit, dass sie vier Millionen Euro an den Insovlenzverwalter gezahlt haben. (zu dpa «Schleckers zahlen weitere vier Millionen Euro an Insolvenzverwalter» vom 13.11.2017) Foto: Stefan Puchner/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Bild: dpa-Bildfunk/Stefan Puchner

Fast sechs Jahre nach der Insolvenz des Drogerie-Imperiums von Anton Schlecker verkündet das Landgericht Stuttgart heute sein Urteil gegen den Firmengründer. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 73-Jährigen vorsätzlichen Bankrott vor und fordert drei Jahre Haft. Für Schleckers mitangeklagte Kinder fordert die Anklagebehörde ebenfalls eine Haftstrafe, wegen Beihilfe.

"Schlecker-Frauen" in keiner Statistik

Das Schlecker-Ende bedeutete für rund 27.000 Mitarbeiter das Bangen um den Arbeitsplatz. Der Begriff der "Schlecker-Frauen" wurde geboren. Zehntausende Frauen wurden in die Arbeitslosigkeit gestürzt.

Die "Schlecker-Frauen" tauchen in keiner Statistik mehr auf, sagt Bernhard Franke, der damals für die Gewerkschaft Verdi mit am Verhandlungstisch saß. Ca. 2.000 Beschäftigte seien von Rossann übernommen worden, ungefähr 800 landeten bei dm.

"Viele der Frauen, die im Einzehandel untergekommen sind, mussten akzeptieren, dass sie prekärere Jobs gekriegt haben. Kaum Vollzeitjobs und oft befristet."

Bernhard Franke, damals für Verdi am Verhandlungstisch

27.000 Mitarbeiter haben Jobs verloren

Am 20. Januar 2012 war die Pleite des Schlecker-Konzerns öffentlich geworden. Kurz darauf stellte Schlecker einen Insolvenzantrag. Insgesamt 27.000 Mitarbeiter wurden in den folgenden Monaten bundesweit entlassen. In Bayern waren mehr als viereinhalbtausend Beschäftigte betroffen.


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