B5 aktuell - Programm


3

Angriff in Las Vegas "Die Menschen kippten um wie Fliegen"

Mindestens 58 Tote, Hunderte Verletzte - das ist die Schreckensbilanz der Attacke auf ein Konzert in Las Vegas. Minutenlang schoss der Täter auf die Besucher, die zunächst an ein Feuerwerk glaubten. Das Motiv ist noch völlig unklar.

Von: Martin Ganslmeier

Stand: 02.10.2017

Ersthelfer vesorgen Verletzte in Las Vegas | Bild: picture-alliance/dpa

Der Horror begann um 22 Uhr Ortszeit auf der berühmten Casino-Meile in Las Vegas. 22.000 Menschen hatten sich versammelt, um ein Konzert des Country-Musikers Jason Aldean zu hören. Plötzlich wurden Hunderte Schüsse von oben in die Menge gefeuert. Die meisten Konzertbesucher dachten zunächst an ein Feuerwerk, erinnert sich Augenzeuge Taylor Benge im Sender CNN. "Aber dann haben sie die Lichter angemacht", sagt er. "Und eineinhalb Meter neben mir sah ich jemanden regungslos mit einer Schusswunde im Nacken. Von da an kippten Menschen wie die Fliegen um."

Angriff aus dem 32. Stock

Mindestens zehn Minuten lang habe der Täter mit seinem Schnellfeuergewehr in die Menge geschossen. Während die Konzertbesucher versuchten, sich zu retten, stürmte ein Sonderkommando der Polizei in das nahe gelegene Hotel Mandalay Bay Resort. Die Schüsse kamen aus dem 32. Stock, so Hilfssheriff Kevin McMahill. "Als wir oben ankamen, lokalisierten wir die zwei Zimmer, in denen sich der Täter aufhielt", sagt er. "Dann verschaffte sich unser Sondereinsatzkommando mit Sprengstoff Zugang ins Zimmer."

Motiv ist noch unklar

Doch der Täter hatte sich unmittelbar vorher selbst erschossen. Nach Angaben der Polizei handelt es sich um den 64-jährigen Stephen Paddock aus dem Ort Mesquite im Bundesstaat Nevada, 130 Kilometer nördlich von Las Vegas. Bislang war er weder vorbestraft noch der Polizei wegen Gewalttaten aufgefallen. An eine Verbindung zu ausländischen Terroristen glaubt die Polizei nicht - obwohl die Terrormiliz "Islamischer Staat" die Tat für sich reklamierte. Bezirkssheriff Joseph Lombardo geht davon aus, dass der Täter ein sogenannter "einsamer Wolf" ist. Im Hotelzimmer habe er sich seit dem 28. September aufgehalten. Die Polizei fand bei ihm zehn Schusswaffen und große Mengen an Munition.

Unklar ist Paddocks Motiv. Hinweise darauf erhofft sich der Sheriff von den Aussagen der Lebensgefährtin des Täters. Die 62-Jährige werde derzeit verhört. "Wir haben mit ihr gesprochen", so Lombardo. "Zum jetzigen Zeitpunkt glauben wir nicht, dass sie an der Tat beteiligt war. Aber die Untersuchung läuft weiter."

Mindestens 58 Tote

Die vorläufige Schreckensbilanz: Mindestens 58 Menschen sind tot, mehr als 500 verletzt, darunter manche schwer. Zeitweise waren die Krankenhäuser in und um Las Vegas überfordert. Schon jetzt steht fest, dass die Stadt das schlimmste Verbrechen dieser Art in der Kriminalgeschichte Amerikas erlebt hat - schlimmer noch als das Massaker in einem Nachtklub von Orlando, als 49 Menschen im Kugelhagel starben.

US-Präsident Donald Trump wandte sich in einer Ansprache aus dem Weißen Haus an die Nation. Amerika sei erfüllt von "Trauer und Schock". Den Angehörigen der Opfer sprach er sein Beileid aus: "Wir beten für Euch und sind für Euch da. Wir bitten Gott, dass er Euch hilft, über diese dunkle Zeit hinweg zu kommen." Trump kündigte an, er werde am Mittwoch nach Las Vegas reisen, um sich mit Angehörigen der Opfer zu treffen.

Noch unklar ist, wie der Täter an so viele und solch gefährliche Waffen kam. Auf jeden Fall dürfte das Massaker von Las Vegas die Debatte über Waffengewalt in den USA neu entfachen.


3