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Vergiftete Babynahrung Mehrere 100 Hinweise auf Lebensmittel-Erpresser

Nach dem Fund vergifteter Lebensmittel am Bodensee geht die Polizei rund 100 konkreten Hinweisen nach. Der Mann fordert einen zweistelligen Millionenbetrag und droht unter anderem damit, Babynahrung zu vergiften.

Von: Lena Deutsch und Michael Bartmann

Stand: 29.09.2017

Lebensmittel-Erpresser | Bild: picture-alliance/dpa

Unter den inzwischen 700 Anrufen seien auch etliche konkrete Hinweise, so ein Polizeisprecher in Konstanz. Die Ermittler würden die Anrufe jetzt rund um die Uhr auswerten. Um den Fall zu klären, wurde die Sonderkommission "Apfel" mit etwa 220 Ermittlern gegründet. Eine internationale Fahndung nach dem oder den Erpressern, vor allem auch in Österreich und der Schweiz, läuft.

Der Tatverdächtige

Die Polizei Konstanz veröffentlichte gestern Bilder eines etwa 50-jährigen Mannes, der Mitte September Gläser mit vergifteter Babynahrung in Geschäften in Friedrichshafen gebracht haben soll und mit der Vergiftung weiterer Lebensmittel droht.

Bei dem Verdächtigen soll es sich mit "sehr großer Wahrscheinlichkeit" um den Giftausbringer handeln. Laut Polizei handelt es sich um einen Mann mittlerer Größe mit schlanker, sportlicher Statur. Er trage - eventuell zur Tarnung - eine Brille.

"Es geht ihm um das Geld, vielleicht. Vielleicht ist er ein Dagobert-Nachfolger, der mal vor ewigen Zeiten Erfolg hatte. Oder er ist jemand, der nur die Puppen tanzen lassen will. Also einer, der machtgierig ist. Einmal aus seiner alltäglichen Ohnmacht, aus seinen Niederlagen, aus seinem erfolglosen Leben aussteigen und abends im Sessel sitzen und im Fernsehen vom einen zum anderen Sender zappen und sehen das bin ich."

Kriminologe Christian Pfeiffer im Bayerischen Rundfunk

Ethylenglycol - ernsthafte Gefahr für die Gesundheit bis hin zum Tod

Nach den Worten der Ministerialrätin im Stuttgarter Verbraucherschutzministerium, Petra Mock, wurde das flüssige Gift in die Babynahrung eingerührt. Bereits 30 Milliliter Ethylenglycol seien für Erwachsene gesundheitsgefährdend. "100 Milliliter sind hochproblematisch, bei Kindern entsprechend weniger." Der Stoff rufe Schwindel hervor und greife bei höherer Dosis auch Organe an. Wieviel Gift in den Gläschen mit Babynahrung enthalten war, nannten die Beamten nicht.

Warum die Polizei erst jetzt öffentlich fahndet

Man sei mit dem Fall erst jetzt an die Öffentlichkeit gegangen, weil man bislang keine konkreten Hinweise auf den Täter hatte, erklärte der Konstanzer Polizei-Vizepräsident Uwe Stürmer im Interview mit dem SWR. Mit der öffentlichen Fahndung wolle man Druck auf den Erpresser ausüben.

"Es besteht meiner Ansicht nach überhaupt kein Anlass zur Panik oder Hysterie. Wichtig ist, dass bei den Einkäufen in den nächsten Tagen darauf geachtet wird, dass Produkte originalverpackt sind. (...) Ich denke, dann ist man schon sehr auf der sicheren Seite."

Der Konstanzer Polizei-Vizepräsident Uwe Stürmer im Interview mit dem SWR

Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks sind von den Erpressungen bisher keine Geschäfte in Bayern betroffen. Allerdings drohte der Täter damit, bis Samstag 20 weitere Lebensmittel zu vergiften, sollten seine Forderungen nicht erfüllt werden.

Offenbar Babynahrung vergiftet

In der vergangenen Woche hätte der Täter bereits fünf Babynahrungsprodukte verschiedener Hersteller mit einer womöglich tödlichen Menge Gift in Lebenmittelgeschäften in Friedrichshafen am Bodensee ausgelegt, so die Kripo Konstanz in ihrer Pressekonferenz. Auf diese Babygläschen hätte der Erpresser vorab in seinem Schreiben hingewiesen. Sie seien gefunden worden und hätten Ethylenglycol enthalten. Der oder die Erpresser fordern den Ermittlern zufolge einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag und drohen damit, ansonsten weitere vergiftete Lebensmittel in den Handel zu bringen.

Warnung vor vergifteten Lebensmitteln

Da nicht ausgeschlossen werden kann, dass es künftig Manipulationen kommt, werden Verbraucher aufgefordert, auf Beschädigungen der Produktverpackungen oder das Fehlen des Unterdrucks zu achten. Deckel von ordnungsgemäß verschlossenen Gläsern weisen üblicherweise eine Wölbung nach innen auf, beim Öffnen ist ein Knackgeräusch zu hören. Werden beim Einkauf verdächtige Produkte festgestellt, werden die Verbraucher gebeten, sofort das Verkaufspersonal zu informieren. Stellen Verbraucher zu Hause eine Manipulation von Verpackungen fest, können diese beim Ladengeschäft oder bei jeder Polizeidienststelle abgegeben werden.


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Zeitungsleserin, Freitag, 29.September, 07:31 Uhr

1. er droht nicht, er hat Lebensmittel vergiftet

Warum schreiben Sie: er droht damit, Lebensmittel zu vergiften? Er HAT Lebensmittel vergiftet und das jetzt erstmal bei 'Babygläschen. Es sind gerade bei Babynahrung/Babyprodukten noch weitaus mehr Manipulationen möglich. Warum erfährt man nicht, welche Lebensmittel noch betroffen sind. Gestern wurde in den Nachrichten gesagt, man kann das aus ermittlungstechnischen Gründen nicht. Also lieber abwarten, bis ein Kind stirbt? Oder für sein Leben geschädigt ist? Der Erpresserbrief kam am 16. September an, gestern war der 28. September, warum hat man 12 Tage abgewartet? Viele offene Fragen.

  • Antwort von Techniker, Freitag, 29.September, 13:13 Uhr

    Ermittlungstechnisch? Was daran ist technisch?

    Sie meinen ermittlungstaktisch und genau deshalb bekommen sie kein Täterwissen zu lesen. Die Behörden wollen den Täter ja gerichtsfest überführen.
    Also bleiben sie ganz ruhig, die bekannten Gefahrmittel sind ja beseitigt. Für die sonstigen Einkäufe sollen sie aufmerksam die Behältnisse prüfen.

    Sie dürfen davon ausgehen, dass der Täter nach den vielen Hinweisen bereits bekannt sein dürfte. Spätestens morgen dürfte der Spuk vorbei sein.