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EU-Meeresschutzkonferenz auf Malta "Plastik darf gar nicht erst ins Wasser!"

Während sich in den einsamsten Weiten des Pazifiks riesige Plastikmüllkippen bilden, muss sich die Menschheit überlegen, wie sie gegen diese Berge ankämpfen will. Experten treffen sich heute zur EU-Meeresschutzkonferenz auf Malta. Mit dabei auch Bundesumweltministerin Hendricks.

Von: Lena Bodewein

Stand: 05.10.2017

ARCHIV - Ein Fischer läuft am 08.06.2013 an einem Strand von Las Pinas (Philippinen) mit einem Eimer durch Plastikmüll im Wasser. (zu dpa «Die Müll-Inseln - Umweltschützer wollen «Trash Isles» in UN bringen» vom 28.09.2017) Foto: Francis R. Malasig/EPA/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Bild: dpa-Bildfunk/Francis R. Malasig

Künstler aus dem australischen indigenen Volk der Erub schaffen wundervolle Skulpturen aus aufgegebenen Fischernetzen, die ansonsten herrenlos umhertreibend Tiere töten. "Wir müssen auf unsere Meere und ihre Geschöpfe achtgeben für die kommenden Generationen", sagen sie. Florence Mabel Gutchen ist eine Künstlerin aus dem Volk der Erub, die auf den Inseln der Torres-Straße zwischen Australien und Papua-Neuguinea leben. Immer wieder treffen sie auf so genannte Geister-Netze, umhertreibende, aufgegebene riesige Fischernetze der globalen Fangflotten. "Diese Netze zerstören unsere Tierwelt. Achtzig Prozent der Meeresschildkröten verfangen sich darin und sterben, dabei sind sie Nahrung und Totem für uns."

"Wir sind ein Volk des Meeres, Salzwassermenschen, wir nehmen alles aus der See, das Wasser ist unsere Straße, unsere Verbindung, und wir sind mit allen Lebensformen des Meeres aufgewachsen."

Florence Mabel Gutchen, Künstlerin

Tödliche Netze in Schönheit verwandeln

Florence Mabel Gutchen

Neben Gutchen hängt eine riesige Schildkröte – aus den Netzen gefertigt, die die echten Schildkröten umbringen. Gemeinsam mit anderen Erub-Künstlern hat Gutchen Korallen, Fischschwärme, Haie gefertigt, bunt und wunderschön anzusehen, die in Ausstellungen gezeigt werden. "Wir verwandeln die tödlichen Netze in Schönheit", sagt sie.

Diese Nähe von Paradies und Tod, von Müll und Unberührtheit ist besonders gut zu sehen auf Henderson Island, einer Insel im Nirgendwo. Weit weit weg von allen Schifffahrtsrouten, von aller Zivilisation, weit weg und wunderschön, mit weißen Stränden und wilder Vegetation. Sie ist sogar Teil des Unesco-Welterbes. Und: voller Plastik. So dicht wie nirgendwo sonst auf der Welt.

"Rein geografisch ist der Plastikmüll im Pazifik natürlich ganz weit weg. Aber das Thema ist auch direkt vor unserer Haustüre und ein Problem, das wir in Deutschland angehen müssen."

Nürnberger Meeresbiologin Sandra Schöttner, Greanpeace

Henderson Island - Insel im Nirgendwo und Müllkippe

Henderson Island, mitten im Pazifik auf halber Strecke zwischen Neuseeland und Südamerika gelegen, ist eine Müllkippe. 17,5 Tonnen Plastik, fast 38 Millionen Teile sind hier angeschwemmt worden, alte Bojen, Zahnbürsten, Spülmittelflaschen und Fischernetze. So die niederschmetternden Forschungsergebnisse von Wissenschaftlern der Universität Tasmanien. Denn Henderson Island liegt am Rande des Südpazifik-Wirbels, einem der großen Müllstrudel, die auf den Weltmeeren Plastikteile zirkulieren lassen. Doch die 17,5 Tonnen Plastikmüll auf Henderson Island entsprechen gerade einmal der Plastikmenge, die alle zwei Sekunden auf der Welt produziert wird.

"Wir wollen, dass die Welt das sieht, damit unser Lebensraum für die Zukunft gewahrt wird, für die kommenden Generationen."

Florence Mabel Gutchen, Künstlerin

Wissenschaftler fordern Hilfe für die Umwelt

Kunst aus dem Meer

Um das zu tun, um des nahezu unzerstörbaren Mülls in den Meeren Herr zu werden, braucht es ein globales Abkommen nach dem Vorbild des Klimapaktes. Wissenschaftler fordern vorgegebene Reduktionsziele, eine Begrenzung der Plastikproduktion jedes Landes, kombiniert mit freiwilligen Maßnahmen. Am besten wäre dazu eine Null-Müll-Bewegung, wie es sie schon an vielen Orten gibt, sogar in Städten wie Singapur, wo jeder Bewohner im Schnitt täglich vier Plastiktüten plus diverse Plastikbestecke in die Hand gedrückt bekommt. Doch weniger Plastik ist unabdingbar, wenn wir nicht an unserem eigenen Müll ersticken wollen. Denn jedes Plastikteil auf dem Meer, das länger der Sonne und den Wellen ausgesetzt ist, zerfällt irgendwann in immer kleinere Teile, die Fische und andere Meerestiere schließlich fressen, die schließlich auf unserem Teller landen.

"Wir lieben das Land, den Himmel und das Meer. Wir hüten das Meer, wir hüten die Tiere darin, denn sie sind unsere Nahrung."

Florence Mabel Gutchen, Künstlerin


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Asian Support, Donnerstag, 05.Oktober, 18:40 Uhr

15. Die grösste Verschmutzung findet in Asien statt

Da sind die Tütcheneinsparungen in Europa dagegen ein netter Versuch für die Psyche.

Indien fast eine einzige Klaoke.

Indonesien, Java - Müllentsorgung findet über die Flüsse statt

Thailand - Müllverbrennungsanlagen defekt und werden seit Jahren nicht repariert

China, regional sehr unterschiedlich

Singapur, sauber, aber mit den Schwellenländern nicht vergleichbar

Seeschifffahrt und Hochseefischerei ebenso stark unter Verdacht (eindeutige Hinweise wie Netze, Neonlampen, Ölkanister, Glühlampen etc.)

Und jeder zeigt mit den Fingern auf die Anderen.

Rimo, Donnerstag, 05.Oktober, 18:28 Uhr

14. @ BR-Redaktion: Ich bin verwirrt, Titel des Artikels irreführend?

Findet diese Meeresschutzkonferenz nicht im Rahmen der UN statt und wird lediglich von der Europäischen Kommission organisiert? Es werden über 50 Staatschefs und Minister erwartet.
[ Die Konferenz kann unter www.ourocean2017.org verfolgt werden (Livestream) oder auf "Sky". ]

Die EU ist im Moment auch/nur deshalb in dem Zusammenhang interessant, da die Verabschiedung der neuen Verpackungs- und Abfallgesetze anstehen, die in EU-Ländern umgesetzt werden sollen und die e v t l. international als Hilfe für ähnliche Entscheidungen dienen könnten.

Es ist aber keine Konferenz, an der ausschließlich EU-Länder teilnehmen.
Stimmt das soweit?

Anmerkung der Redaktion:

Die EU ist Veranstalter dieser Tagung. "The European Union will host the fourth edition of the Our Ocean Conference in Malta, on 5 - 6 October 2017. " Richtig ist, dass die Teilnehmer nicht nur aus der EU kommen. Dieser Kommentar wurde von der BR-Redaktion entsprechend unseren
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heidi, Donnerstag, 05.Oktober, 17:21 Uhr

13.

Der Artikel ist richtig, doch weshalb wird nie etwas über die Umwelt- äh - Luftverschmutzung durch Flugzeuge geschrieben?

  • Antwort von Horst, Donnerstag, 05.Oktober, 18:51 Uhr

    und auch nicht über die Kreuzfahrtschiffe, die mit zu den grössten Luftverschmutzern gehören. Doch weder Flugzeuge, noch Kreuzfahrtschiffe tragen die primäre Schuld daran, sondern ausschliesslich ihrege dankenlosenb Nutzer. Ob sich ihre Kinder und Enkelkünftig darüber freuen, sei dahin gestellt.

  • Antwort von Oliver M., Donnerstag, 05.Oktober, 20:51 Uhr

    @Horst
    Ich fahre auch mit Kreuzfahrtschiffen, weil das total schön ist. Problem sind nicht die Nutzer, sondern fehlende internationale strenge Regeln bzgl. Umweltschutz. Moderne Schiffe können durchaus sehr sauber sein. Aber ob ein Schiff mit einer Anlage zur Abgasreinigung ausgerüstet ist, hängt von der Reederei und Einsatzort ab. Mal bitte genau informieren. Bei modernen Kreuzfahrtschiffen sehen Sie am Schornstein nur noch wenig. Ok, der CO2 Ausstoß bleibt ...
    Und wenn man nicht auf dem billigsten Liner bucht, kann man bei deutschen Reedereien auch einigermaßen sicher sein, dass entsprechende Umweltstandards des eigenen Landes erfüllt werden (z.B. Mülltrennung).

    Und m.E. hat der Mensch sein Hirn nicht bekommen für Rückschritte, sondern um Probleme zu lösen. Leider aber haben Gewinn und Wachstum das Sagen und Vorrang.
    Ansonsten müssten wir uns konsequenter Weise wieder eine Keule schnitzen und alle im Wald leben nur mit Leder bekleidet - das wäre am umweltfreundlichsten ...

Klaus Leist, Donnerstag, 05.Oktober, 16:42 Uhr

12. Plastikmüll

Auf Elba am Strand von Fetovaia las ich vor etwa 20 Jahren (!) eine gute gemachte Informationstafel über den Müll in unseren Meeren. Gut in Erinnerung geblieben ist mir die Angabe, dass eine Plastiktüte im Meer etwa 100 Jahre braucht, bis sie verrottet. Sogenannter biologisch abbaubarer Kunststoff benötigt immer noch 50 Jahre. Das zeigt, das Problem ist seit Jahrzehnten bekannt und es wird wirklich allerhöchste Zeit, dass dagegen international vorgegangen wird, nicht nur auf Elba.

Erich , Donnerstag, 05.Oktober, 15:46 Uhr

11. An den deutschen Pazifikhäfen

nur noch Papiertüten ausgeben. Anderfalls der Schweiz mit Sanktionen drohen!