B5 aktuell - Programm


2

Kommentar Ein Jahr nach der Trump-Wahl: Viel zerstört, wenig erreicht

Ein Jahr nach seiner Wahl fällt die Bilanz von Trumps Regierungszeit ernüchternd aus. Keines seiner versprochen Großprojekte konnte er umsetzen, seine Beliebtheitswerte sind auf einem historischen Tief. Statt das Land zu einen, spaltet er.

Von: Martin Ganslmeier

Stand: 08.11.2017

Ein Kommentar von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Eigentlich müssten die Umfragewerte für Donald Trump steil nach oben gehen. Der US-Wirtschaft geht es gut, der Aktienmarkt boomt, Die Amerikaner sehen mit Zuversicht in die Zukunft.

Dass die Zustimmungswerte für Trump dennoch unter 40 Prozent liegen und somit auf einem historisch niedrigen Wert für einen US-Präsidenten im ersten Amtsjahr, ist bezeichnend. Trump macht auch ein Jahr nach seinem Wahlsieg keine Anstalten, auf die Wähler zuzugehen, die ihn nicht gewählt haben. Statt die Spaltung der US-Gesellschaft zu überbrücken, befeuert er seine Anhänger. Nur selten - dann nämlich, wenn er sich an den Teleprompter hält - wirkt er wie ein Präsident. Doch der Teleprompter-Trump ist nicht der echte - das ist der Twitter-Trump.

Kein Projekt umgesetzt

Auch die bisherige Regierungsbilanz fällt mehr als dürftig aus. Obwohl seine Partei die Mehrheit in beiden Kongresskammern hat, konnte Trump bisher keines seiner großen Wahlversprechen in Gesetze gießen. Sein wichtigstes Ziel, die sofortige Abschaffung der Krankenversicherung für alle, Obamacare, scheiterte zweimal an der Uneinigkeit seiner eigenen Partei im Kongress.

Die einzig erkennbaren Linien seiner bisherigen Politik sind "Amerika zuerst!" und "Weg mit Obamas Erbe!". Alles, was Barack Obama aufbaute, reißt Trump wieder ein: egal ob Pariser Klimaschutzabkommen, der Atom-Deal mit dem Iran oder das Schutzprogramm für die Kinder illegaler Einwanderer. Dabei verhält sich Trump wie ein neuer Alpha-Löwe, der den Nachwuchs des alten Männchens totbeißt. Nur Michelle Obamas Gemüsegarten durfte stehen bleiben.

Keine außenpolitische Strategie

Ansonsten hat Trump viel Negatives bewirkt. Bündnispartner vor den Kopf gestoßen und das positive Image Amerikas unter Obama in kurzer Zeit zerstört. Wird er kritisiert oder angegriffen, kennt Trump nur eine Gangart: zurückschlagen. Die Nordkorea-Krise verschärft er, statt zu deeskalieren. Erfahrene republikanische Senatoren warnen, das Weiße Haus sei zu einer Kinderbetreuung verkommen. Zum Glück gebe es Erwachsene, die aufpassen.

Außenpolitisch folgt Trump keiner klaren Strategie: Asien überlässt er weitgehend China. Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA will er kippen, wenn sich Kanada und Mexiko bei den Nachverhandlungen nicht beugen. Europa hatte noch mal Glück. Die vernünftigen unter Trumps Beratern haben ihm klar gemacht, wie wichtig die NATO ist. Doch emotional verbindet Trump wenig mit dem transatlantischen Bündnis und noch weniger mit der EU. Und das Verhältnis zu Russland ist - anders als von Putin erhofft - schlechter denn je, zumal über dem Weißen Haus weiter die dunkle Wolke der Mueller-Untersuchung schwebt.

Wiederwahl oder Amtsenthebung - alles denkbar

Wie also geht es weiter mit Trumps Präsidentschaft? Alles ist möglich: Wenn die Republikaner in einem Jahr bei den Halbzeitwahlen die Mehrheiten im Kongress verlieren und Sonderermittler Robert Mueller Brisantes zutage fördert, wäre ein Amtsenthebungsverfahren denkbar. Aber auch eine Wiederwahl Trumps in drei Jahren ist nicht ausgeschlossen. Schließlich geht es der Wirtschaft prächtig. Wenn Trump bloß das iPhone weglegen würde und erst nachdenkt bevor er losplappert, dann wären nicht nur viele Amerikaner weniger besorgt.


2

Keine Kommentare mehr möglich. Hinweise zum Kommentieren finden Sie in den Kommentar-Spielregeln.)

Ganslmeier-Teleprompter, Mittwoch, 08.November, 19:02 Uhr

9. Warum dauert die Freischaltung meiner Kommentare so ewig lange...?!?

Liebe BR-Redaktion! Habe 2 Kommentare zu Trump verfasst, in der ich mich mit der öffentlichen Wahrnehmung von Trump, konstruktiv, wie ich meine auseinandergesetzt habe. Und leider vielleicht nicht dem Autor, Herrn Ganslmeier, vollumfänglich beigepflichtet habe.
Das dürfte aber doch kein Problem darstellen, da ich mir gut vorstellen kann und möchte, dass auch der BR lebendige Diskussionen schätzt und zulassen kann!
Im anderen habe ich mich mit der CO²- Thematik kritisch beschäftigt, und mehr den Aspekt Umweltschutz in den Vordergrund gestellt. Und jedoch aus komplett anderen Gründen als Trump, die ablehnende Haltung zum Klimaprotokoll begrüßt!
War wohl ein Fehler von mir...MfG

Der Teleprompter-Ganslmeier, Mittwoch, 08.November, 17:42 Uhr

8. Trumps Ausscheren aus dem Klima-Hype

Für mich trägt im übrigen diese Beschwörung des CO²-"Teufels" fast schon religiös-bizarre Züge. Ein Gas, unter einem halben Prozent Anteil an unserer Atem-Luft, das für die Pflanzen unverzichtbar ist, um für uns Menschlein unverzichtbaren Sauerstoff zu produzieren, muss also mit allen Mitteln bekämpft werden, auch wenn man es einfach so,sündhaft teuer im Boden verpressen muss?!
Einfach nur ein kompletter Wahnsinn...Warum probiert man es nicht viel einfacher mit Umweltschutz?!?
Viel zu simpel, der Durchschnittsbürger muss finanziell gemolken werden können, egal wie...wie wäre es mal die Massen-Abholzungen im Äquatorgürtel zu stoppen, es gibt jetzt schon genug evidente Hinweise, dass das Wettergeschehen dadurch nachhaltig gestört worden ist, und dies noch zunehmen wird (Brasilien, Afrika)
Trump hat andere Absichten, auch unter dem Druck der Öl-und Frackinglobby im Nacken, aber aus komplett anderen Gründen kreide ich ihm das mal nicht an, dass ihn dieser Klima-Zirkus wenig tangiert

Der Teleprompter-Ganslmeier, Mittwoch, 08.November, 17:13 Uhr

7. Das immer "Weiter So", und aalglatte, medienkompatible, angepasste Typen

scheinen beim Herrn Ganslmeiner wohl besser anzukommen, als ein etwas unangepasster, nicht so leicht einnordbarer Mensch, wie es Donald J. Trump verkörpert.
Ich kenne Herrn Trump nur via Medien, und es könnte schon sein, dass ich privat vielleicht nicht unbedingt auf einer Wellenlänge mit ihm funke, aber das, was auch die ö.-rechtl. und privaten Medien hierzulande über ihn regelmäßig abliefern, geht auf keine Kuhhaut mehr.
Oft genug einfach völlig respektlos, und unfair.
Klar, einer der den Journalisten von der Atlantikbrücke e.V: einfach nicht passt, aber ein Mindestmaß an Anstand ggü. dem POTUS wäre doch nicht zu viel verlangt !
Aber auch da ist die BRD einmalig auf der Welt...leider.
Dass mit dem Iran und dem sonstigen militärischen Säbelrasseln gefällt mir seit Bush und Obama("berühmt" für seine tausendfachen Drohnenmorde...) auch nicht, aber es zeigt mir nur, dass letztlich die Lobbyisten des milit-industriellen Komplex der USA und die gekauften Senatoren das Sagen haben.

Erich , Mittwoch, 08.November, 16:35 Uhr

6. Danke Mr. President Trump!

U. a. für die Eliminierung von TTIP!

Berta, Mittwoch, 08.November, 15:21 Uhr

5. Hinsichtlich seiner Wähler verhält sich Trump folgerichtig

Konservative Wähler sind die Zuverlässigsten und Treuesten und von daher schließe ich sogar eine Wiederwahl Trumps nicht aus. Verfolgt man differenzierende Reportagen über die spezielle Situation in den USA, kommen in diesen auch Zufriedenheit und Hoffnung äußernde Trump-Wähler zu Wort. In den USA gelten zum Teil andere Bedingungen, Mentalitäten und Gepflogenheit, die bspw. in Deutschland nicht so nachvollzogen werden können. Die Verhaltensweisen von deutschen und europäischen Politikern sind nicht das Maß aller Dinge, zumal es innerhalb Europas zu manchen wichtigen Themen auch unterschiedliche Bewertungen gibt. Erfuhr jemals zuvor ein US-Präsident soviel berechtigten oder unberechtigten Gegenwind?
Generell beeindrucken mich Sachlichkeit und Fairness positiv.

  • Antwort von Kats, Mittwoch, 08.November, 15:41 Uhr

    Berta, dann können Sie uns ja ganz sachlich ind differenziert berichten, was Trump bisher
    erreicht hat.
    Sie sind ja so gut informiert !
    Meines Wissen nach hat er nichts erreicht.
    Lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.