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Jazz-CD-Tipp September "A Love Supreme" und "It's Hard"

Das Nachspielen bekannter Songs hat im Jazz Tradition. Vor allem im Bebop dienten bekannte Vorlagen oft als Sprungbrett für atemberaubende Soloexkursionen. Die Kunst der Coverversion, des Aufladens eines bekannten Songs mit neuer Bedeutung, ist dagegen im Jazz wenig verbreitet. Zwei Jazz-Neuerscheinungen der letzten Wochen widmen sich allerdings dieser Kunst auf verblüffende Weise. Bernhard Jugel stellt sie vor.

Stand: 12.09.2016

Illustration: Saxophon und CD  | Bild: colourbox.com; Montage: BR

KaMaQuartet & Nippy Noya: "A Love Supreme"

Das Bassmotiv zu Beginn der Suite "A Love Supreme" erkennt der Jazzfan sofort. Dieser Meilenstein des Jazz wurde 1965 vom John Coltrane Quartet eingespielt. Zum demnächst anstehenden Geburtstag des großen Saxophonisten - er wäre am 23. September 90 geworden - hat jetzt das KaMaQuaret um die Saxophonistin Katharina Maschmeyer die vierteilige Suite neu aufgenommen. Die Bandleaderin, Gitarrist Nils Pollheide, Keyboarder Philipp Rüttgers, Schlagzeuger Jens Otto und Gastpercussionist Nippy Noya haben dabei das Original rhythmisiert und kräftig unter Strom gesetzt, seinen Charakter dabei aber nicht verwässert, sondern eher befeuert.

Die "A Love Supreme"-Version des KaMaQuartets ist hörbar vom Jazz-Rock der 1970er Jahre inspiriert. Dem zollt das KaMaQuartet auch mit der Hülle ihres neuen Albums Tribut, das bis ins Detail das Plattencover von "Inner Mountain Flame" nachstellt, der ersten LP des Mahavishnu Orchestras von John McLaughlin. Die um zwei Eigenkompositionen und ein Pharao-Sanders-Stück erweiterte Coltrane-Suite ist unter dem Titel "A Love Supreme / Universal Tone" bei Neuklang Records erschienen.

Demnächst wird das um die 70-jährige Percussionlegende Nippy Noya erweiterte KaMaQuartet das neue Album auch live spielen: am 15. Oktober in Coburg bei der Jazznacht und am 25. November in Nürnberg im Jazzstudio.

The Bad Plus: "It's Hard"

Das amerikanische Klaviertrio The Bad Plus aus Minneapolis charakterisieren Kritiker als "eine Mischung aus dem Jazz der Nach-1960er und Indierock". Bekannt wurde The Bad Plus vor gut 15 Jahren mit schrägen Jazzversionen bekannter Rocksongs. Mit ihrem neuen Album "It's Hard" ist die Band zu diesem Konzept aus ihrer Anfangszeit zurückgekehrt.

Allerdings spielen Bassist Reid Andersohn, Pianist Ethan Iverson und Schlagzeuger David King nicht einfach nur nach. Oft entdecken sie neue Facetten, spüren verborgene Bedeutungen auf, wenden das Innerste nach außen, fügen kleine, aber wichtige Details hinzu. So kommt etwa das countryhaft swingende "I Walk The Line" von Johnny Cash ständig ins Stolpern und Kraftwerks "Roboter" klingen eher nach Kinderspielzeug, die  Computerbeats nach dem wuseligen Schnurren einer Nähmaschine.

Wer bekannte Popsongs, etwa von Prince, TV on the Radio oder Peter Gabriel mal ganz anders hören will, dem sei "It's Hard" vom Klaviertrio The Bad Plus unbedingt empfohlen - erschienen beim legendären US-Label Okeh Records.


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