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Schritt für Schritt Internet-Abofallen widersprechen

Wer im Internet nach Routenplanern, Open Office oder Kochrezepten sucht, tappt schnell hinein: Besonders bei Webseiten, die bei Google ganz oben stehen, lauern nicht selten Abo-Fallen. Versteckt auf der Seite steht, dass der Nutzer ein Abo abschließt, wenn er sich registriert. Klarer Fall von Internet-Abzocke - und so kommen Sie wieder raus:

Von: Susanne Dietrich

Stand: 20.10.2014

Checkbox zeigt auf eine Abofalle  | Bild: BR

Schritt eins: Auf keinen Fall zahlen!

Wer eine unberechtigte Rechnung bezahlt, bestätigt damit, einen Vertrag eingegangen zu sein. Bei Abo-Fallen besteht dann die Gefahr, dass Sie für Folgemonate oder sogar -jahre weiter zahlen müssen. Genauso wichtig: Das Abo nicht kündigen! Eine Kündigung ist eine Bestätigung dafür, dass ein Vertrag geschlossen wurde, und bindet Sie an dessen Vorgaben. Stattdessen:

Schritt zwei: Schriftlich widersprechen

Wer eine Rechnung über ein ominöses Internet-Abo in seinem Briefkasten oder Postfach findet, sollte schnell aktiv werden: sofort schriftlich widersprechen, einen Vertrag eingegangen zu sein, am besten per Einschreiben mit Rückschein. Das führt dazu, dass der Internet-Anbieter nachweisen muss, dass tatsächlich ein Vertrag zustande gekommen ist - was undurchsichtigen Unternehmen zumeist schwerfällt.

Schritt drei: Vorsorglich widerrufen

Bei Fernabsatzgeschäften, also z. B. am Telefon oder eben im Internet, haben Verbraucher ein 14-tägiges Widerrufsrecht. Das heißt, für den Fall, dass der Internet-Betreiber rechtlich doch ein Vertrag nachweisen kann, empfehlen Verbraucherschützer, zusätzlich zum Widerspruch - ebenfalls schriftlich - einen Widerruf an das Unternehmen schicken. Wichtig dabei ist, dass der Verbraucher schriftlich über das Widerrufsrecht informiert wurde, z. B. in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen oder durch eine Auftragsbestätigung. Ist das nicht passiert, können Sie einen versehentlich eingegangenen Vertrag auch noch nach der Zwei-Wochen-Frist widerrufen.

Musterbriefe

Die Verbraucherzentrale Bayern hilft mit Musterbriefen für Widerspruch und Widerruf:

Schritt vier: Achtung bei gerichtlichem Mahnbescheid!

Nach Widerspruch und Widerruf sind Sie rechtlich auf der sicheren Seite. Sie können sich zurücklehnen, auch wenn der Abo-Fallen-Betreiber weiter Mahnungen schickt oder Inkasso-Firmen die Bezahlung einfordern und mit dem Gerichtsvollzieher drohen. Alles nichts als Drohgebärden, beruhigen Verbraucherschützer. Erst wenn ein gerichtlicher Mahnbescheid im Briefkasten liegt, sollten Sie sich juristisch beraten lassen.

Schritt fünf: Sind Minderjährige betroffen?

Wenn Kinder oder Jugendliche auf eine Abo-Falle im Netz hereingefallen sind und plötzlich eine dubiose Rechnung ins Haus flattert, sollten die Eltern als Erziehungsberechtigte das Schreiben von Widerspruch und Widerruf übernehmen. Drohungen der Anbieter, dass sich Minderjährige strafbar gemacht hätten, weil Sie möglicher Weise ein falsches Geburtsdatum eingegeben haben, um den Inhalt einer Internetseite ansehen zu können, brauchen Sie nicht ernst zu nehmen, betonen Experten.

Schritt sechs: Mehr Vorsicht beim nächsten Mal!

Um nicht noch einmal einer Abo-Falle auf den Leim zu sehen, sollten Sie im Internet immer einen Blick ins Kleingedruckte und die AGBs werfen und von allen Seiten die Finger lassen, die die Eingabe der persönlichen Daten verlangen, bevor man eine Information abrufen kann. Denn seriöse Anbieter von Software, Kochrezepten oder Routenplanern sammeln keine Adressen und Telefonnummern - und wollen erst recht keine Abos verkaufen.


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