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Sineb El Masrar "Emanzipation im Islam"

Gleichberechtigung im Islam ist möglich, davon ist Sineb El Masrar überzeugt. Seit Jahren tritt die deutsche Publizistin mit marokkanischen Wurzeln für die Freiheit muslimischer Frauen und gegen Ausgrenzung ein.

Stand: 26.02.2016

Sineb El Masrar | Bild: privat

Ihr neues Buch "Emanzipation im Islam" ist eine Abrechnung mit den Feinden der weiblichen Selbstbestimmung. Und von diesen gibt es viele, sagt Sineb El Masrar.

"Die haben sie natürlich innerhalb der muslimischen Gemeinschaft, innerhalb der Familie, sei es der Vater, sei es die Mutter, sei es die Tante, die kein Interesse daran haben, eigenständige selbstdenkende weibliche Köpfe zu haben, Jungen erziehen, die eigentlich auch in dieser alten Machorolle verhaftet bleiben wollen."

Sineb El Masrar

Vieles sei sicherlich traditionell durch eine patriarchalische Gesellschaft in islamischen Ländern begründet, werde aber mit der Religion legitimiert. Dabei sei der Islam weder dogmatisch, noch eine Machoreligion, sagt Sineb El Masrar. Bei ihren Recherchen zum Buch stieß die 34-Jährige vielmehr auf eine ganze Anzahl von einflussreichen Frauen in der islamischen Geschichte.

"Wir hatten islamische Herrscherinnen, es gab Mystikerinnen, aber es gab eben auch die Töchter des Propheten, über die wenig verbreitet wird, dann eben auch Khadija, die erste Ehefrau, die war finanziell unabhängig, wohlhabend und mit dem Propheten in dritter Ehe verheiratet, sie hat sogar um seine Hand angehalten. Und das ist durchaus eine autonome Frau."

Sineb El Masrar

"Eine Abrechnung mit ihren Feinden"

"Emanzipation im Islam - Eine Abrechnung mit ihren Feinden" von Sineb El Masrar, erschienen im Herder Verlag

Über die Rolle der Frauen in der islamischen Geschichte ist wenig bekannt. Und doch gab und gibt es sie: die autonomen Frauen in der islamischen Welt. Von der Türkei bis Marokko seien beispielsweise Frauen in der Emanzipationsbewegung aktiv, sagt die Autorin. Auch viele muslimische Frauen in Deutschland seien modern und selbstbewusst und trotzdem ihrer Religion verpflichtet. Doch nach wie vor werde in vielen Moscheen ein frauenverachtendes Islamverständnis vermittelt, basierend auf der Auslegung des Korans und der Hadithe, den Aussprüchen des Propheten Mohammeds. Das lasse Frauen, die ihren Glauben anders leben, wenig Wahlfreiheit. Nur wer sich in das enge Gerüst füge, gehöre dazu, so Sineb El Masrar. Doch woher kommen diese frauenfeindlichen Interpretationen eigentlich?  fragt sich die Autorin in ihrem Buch. Und warum konnten sie sich so lange manifestieren?

"In der Geschichte der muslimischen Theologie haben wir natürlich das Problem, dass nur Männer vorrangig dort ausgelegt haben und auch vorrangig darüber gestritten haben, es war ja nicht so, dass man nicht kritisch hinterfragen durfte, aber sie haben es eben untereinander getan."

Sineb El Masrar

Diese männliche Auslegung des Korans führte zu einer historisch gewachsenen Unterdrückung und Bevormundung von Muslimas im Namen der Religion weltweit. Auch in den islamischen Verbänden und Moscheegemeinden in Deutschland werde dieses Frauenbild nach wie vor verbreitet.

"Dann haben wir die Verbände, die es eben bis heute noch immer nicht auf die Reihe gebracht haben, diese reiche weibliche Geschichte sichtbar zu machen, Frauen dabei zu unterstützen ihren eigenen Weg zu gehen."

Sineb El Masrar

Fordert eure Rechte ein und zwar ohne Kompromisse, das ist Sineb el Masrars Credo. Ihr Buch "Emanzipation im Islam - Eine Abrechnung mit ihren Feinden" ist eine mutige Streitschrift für ein selbstbestimmtes Leben, in einem vielfältigen und pluralistischen Islam.

Am 2. März 2016, 20:00 Uhr stellt Sineb El Masrar ihr Buch "Emanzipation im Islam" im Pfarrheim St. Nikolaus in Murnau vor.


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