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"No Land's Song" Singen gegen die Zensur

Ayat Najafi filmte vor drei Jahren seine Schwester beim Realisieren eines Konzerts mit Solistinnen, obwohl weiblichen Stimmen im Iran verboten sind. Trotz Auszeichnungen, kommt der Film erst jetzt, dank Fundraising, in die Kinos.

Stand: 04.03.2016

Szene aus "No Land's Song" | Bild: Ayat Najafi

Der iranische Filmemacher Ayat Najafi lebt seit acht Jahren in Berlin. Seine Schwester Sara, ist Komponistin und lebt zwischen Teheran und Los Angeles. Vor drei Jahren entscheiden sie sich ein Zeichen gegen die anhaltende Repressionen des Mullahs-Regimes zu setzen.

"Die Ereignisse nach den Präsidentschaftswahlen im Iran im Jahr 2009 haben mich sehr getroffen. Als Komponistin habe ich mich entschieden, meinen Protest in der Form eines Musikprojektes auszudrücken. Bis dahin hatte ich nur instrumentale Stück geschrieben. Jetzt musste ich ein Gesangsstück schreiben. Und dann habe ich mich gefragt, warum soll eigentlich dieses Stück wie immer von einem Mann gesungen werden? Die Antwort auf diese Frage war: Dieses Mal nicht! Ich bin eine Frau, und möchte, dass mein Stück von einer Frau gesungen wird."

Sara Najafi

Sara Najafi

Das Abenteuer für das Geschwisterpaar beginnt. Beide wissen, es wird kein einfaches Projekt werden. Hürden gibt es jede Menge. Nach der islamischen Revolution 1979 haben die iranischen Geistlichen die Frauenstimme verboten, weil sie der Ansicht sind, dass sie Männer sexuell errege. Sara verschleiert sich in Tschador und trifft einen Geistigen, um nach Antworten zu suchen. Anders als in Europa, wo man nur einen Veranstaltungsort und ein Datum braucht, muss man in der islamischen Republik ganz anders vorgehen. 

"Ein Künstler im Iran braucht immer eine Zulassung, und das egal bei welcher Art von Kunst. Das bedeutet Einschränkungen und Verbote und im Endeffekt Zensur. In dem Moment wo ich eine Zulassung für mein Werk brauche, heißt es, dass ich nicht ich sein darf, dass ich mich einem System oder einer Institution unterwerfen soll. Das war emotional sehr hart und tatsächlich der schwierigste Teil des Projekts. Ich musste für alle Texte, alle Musikstücke und alle Künstler eine Zulassung beantragen. Nachdem ich ein paar Mal beim Kulturministerium war, ist mir klar geworden, dass es unmöglich ist, eine Konzertzulassung nur für iranische Sängerinnen zu bekommen. Dann haben wir beschlossen, internationale Künstler in den Iran einzuladen, damit wir durch sie vielleicht auch eine Zulassung für unsere iranischen Sängerinnen bekommen."

Sara Najafi

Frauenstimmen auf einer iranischen Bühne

Konzert in Teheran

Nach vielen Tagen in Ungewissheit und trotz der Warnung der französischen Botschaft in Teheran, reisen junge französische Künstler in den Iran, um zusammen mit iranischen Musikern und Sängerinnen im Teheraner Stadttheater ein Konzert zu veranstalten. Die Reise ist voller Überraschungen und Enttäuschungen. Die Gruppe will aber nicht klein beigeben. Und sie schafft es, trotz aller Steine, die die iranische Behörden ihr in den Weg legen, zum ersten Mal nach mehr als drei Jahrzehnten, Frauenstimmen auf einer iranischen Bühne hören zu lassen.     

"Auf dieser Reise war ich sehr überzeugt, dass ich was verändern kann. Seit dem Konzert sind schon drei Jahre vergangen. Es hat sich aber alles leider nur verschlechtert. Vor ein paar Monaten hat man ein paar Musikerinnen gezwungen, während ihres Konzertes die Bühne zu verlassen. Trotz allem denke ich und hoffe ich, dass unser Projekt langfristig seine Wirkungen haben wird. Jetzt gib es auch diesen Film. Mann wir über das Thema sprechen. Sehr lange kann man den Willen der Frauen nicht unterdrücken."

Sara Najafi

Regisseur Ayat Najafi

Der Film von Ayat Najafi zeigt einerseits, die engstirnigen, rückschrittlichen Menschen und Gesetze, die in diesem Land herrschen und anderseits junge mutige Menschen, vor allem Frauen, die nach Freiheit dursten und viel dafür riskieren. Szenen mit Höhen und Tiefen, die zu Tränen rühren, begleitet von schönen Klängen aus traditioneller und moderner iranischer Musik. No Land's Song ist ein großartiger Film, voll ehrlicher Emotionen, der jedem Freigeist unter die Haut geht.

"No Land's Song" ist ab 10. März 2016 bundesweit in den Kinos zu sehen.


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