B5 aktuell - Das interkulturelle Magazin


4

Das Buch zum Blog "Migrantenstadl"

Mit provokativen Überschriften und politisch unkorrekter Wortwahl erzählen Tunay Önder und Imad Musatafa subjektive Ansichten und Geschichten aus dem Migranten-Milieu.

Stand: 20.03.2016

Auschnitt von einer Seite aus dem Buch "Migrantenstadl" | Bild: Tunay Önder und Imad Mustafa

Seit fünf Jahren betreiben Tunay Önder und Imad Mustafa den Internetblog "Migrantenstadl". Die beiden Autoren betrachten darin politische und gesellschaftliche Vorgänge und interpretieren sie in ihren teils provokativen und ironischen Texten. Auf diese Art wolle man einen Perspektivwechsel in eingefahrene Debatten bringen, sagt Imad Mustafa-, dessen Eltern 1961 von Palästina nach Stuttgart kamen.

Imad Mustafa und Tunay Önder

Die Texte, Schnipsel, Kritzeleien, Bilder, Collagen im Blog sind jedoch keinesfalls nur problembehaftet, sondern bewegen sich bewusst auf einer künstlerischen Ebene. Eine "Plattform für Dadaisten und Textterroristen" nennen die Autoren selbst ihren Blog. Eine neue, ungewohnte Form der Meinungsbekundung aus migrantischer Perspektive, für die ein Blog im Netz genau das geeignete Medium sei, sagt Imad Mustafa. Denn im Internet kann jeder seine Meinung sagen. Bedauerlicherweise auch in negativer Form. 

"Wir sind schon auch leidgeprüft, das heißt der Blog hat ja eine Kommentar Funktion, die zum Glück moderier bar ist. Und da kamen schon haufenweise Kommentare wie 'ihr könnt ja froh sein dass ihr hier lebt in Demokratie und Wohlstand' und dann auch wirklich ganz harte Sachen, die im Prinzip aus dem rechten Spektrum gekommen sind, wo auch kein Blatt mehr vor den Mund genommen wurde."

Imad Mustafa

Buchcover "Migrantenstadt" von Tunay Önder, Imad Mustafa

Das schreckt Tunay Önder und Imad Mustafa jedoch nicht ab. Ihr Blog ist mittlerweile sehr erfolgreich. Vor drei Jahren war er für den Grimme Online Award nominiert. Und da die Anzahl der Beiträge im Blog mittlerweile so stark angewachsen ist, haben die beiden beschlossen, sie nun Stück für Stück in Buchform herauszubringen. Das erste ist gerade erschienen.

"Vom Kochrezept über Manifest und Gedichte, Interviews, wissenschaftliche Texte, ein, zwei Gast-Beiträgen, bis hin zu unseren Bezügen zu verschiedenen Teilen der Welt. Also, Krickeleien, Bilder, ein Potpourri und das ist auch unser Ansatz. Alles wird wild durchmischt und auf den Punkt gebracht."

Tunay Önder

Ein Teil im Buch besteht aus persönlichen Fotos aus den Familienalben der beiden Autoren, die bislang noch nicht veröffentlicht wurden. Mit diesen Bilddokumenten wollen Tunay Önder und Imad Mustafa die Geschichte ihrer Eltern, der Gastarbeiter illustrieren. Denn gerade in der heutigen Zeit sollte diese nicht in Vergessenheit geraten, sagt Tunay Önder.

Mit ehrlichen Reflektionen, provokativen Texten, Dada und politischer Lyrik bieten Tunay Önder und Imad Mustafa all denjenigen ein Forum, die sonst keines haben.


4