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Jaromir Konecny "Die unglaublichen Abenteuer des Migranten Němec"

Sein Verleger nennt ihn den "lustigsten Tschechen Deutschlands". Jaromir Konecnys neuer Roman "Die unglaublichen Abenteuer des Migranten Němec" wird als "die erste humoristische Aufarbeitung der Flüchtlingsthematik" angepriesen.

Von: Roswitha Buchner

Stand: 08.10.2017

Jaromir Konecny | Bild: Andi Pontanus

"Ich wollte etwas Humoristisches machen, weil ich denke, wir haben schon genug geheult und gejammert. Es hat auch nichts gebracht. Und wenn wir zusammen lachen, machen wir uns halt nicht Stress gegenseitig."

Jaromir Konecny

"Die unglaublichen Abenteuer des Migranten Němec" ist ganz anders ist als alle bisherigen Bücher des Autors. Es ist kein Jugendroman mit derber Sprache und provokativem Inhalt, wie etwa "Doktorspiele", das dem 60-Jährigen vor einigen Jahren den Titel "Skandalautor" eintrug. Es geht um ein ernstes Thema, die Situation der Flüchtlinge. Allerdings humorvoll in gewohnt witzigem Stil verpackt. Der Held des Romans, der ehemalige Flüchtling Lolek Nemec soll ehrenamtlich in einer Asylbewerberunterkunft aushelfen. Dort kämpft er zusammen mit den Flüchtlingen gegen den Lagerkoller, skurrile Bürokratie, Paragraphen und deutsche Behörden. Lolek Nemec gibt sein Bestes um zu helfen. Dazu hat er sein eigenes Rezept:

"Der Nemec redet wahnsinnig viel, er ist so ein 'Baffler', der redet und erzählt ständig Geschichten und Gleichnisse um die Leute, er ist ein bisschen so wie der Soldat Schweijk, so dass die Leute nicht wissen, ob er das jetzt ernst meint oder ob er sich lustig macht oder ob er total blöd ist - aber er erzählt immer Geschichten."

Jaromir Konecny

Nicht nur die Liebe zum Erzählen teilt der Autor mit seiner Hauptfigur, auch viele der Abenteuer, die Lolek Nemec im Roman erlebt, sind autobiographisch.

"Ich war auch ein Jahr lang in einem Asylbewerberheim in Niederbayern und so wie ich, hat er Deutsch gelernt im Lager - aus Gruselheftromanen. Ich hab auch hier Naturwissenschaften studiert und bin auch Doktor und er ist auch Doktor. Es gibt wahnsinnig viele Parallelen."

Jaromir Konecny

Jaromir Konecny

Jaromir Konecnys eigene Erfahrungen, die er im Buch auf so witzige Art und Weise verarbeitet, sind in Wirklichkeit allerdings weniger lustig. 1956 in Prag geboren und aufgewachsen, arbeitete er während seines Militärdienstes als Techniker in Libyen, einem Land, in dem damals Krieg herrschte. 1982 gelang ihm die Flucht aus der damaligen Tschecheslowakei nach Deutschland, wo er zunächst in einem Sammellager in Niederbayern landete. Dort lebte er ein Jahr in ständiger Furcht, zurückgeschickt zu werden. Er durfte bleiben, studierte an der TU München Chemie und promovierte. Dann beschloss er sich seinen Jugendtraum zu erfüllen und wurde Schriftsteller. Mit seinen witzigen Geschichten im typisch "bayerisch-behmischen" Akzent begeistert er seit vielen Jahren sein Publikum auch in Poetry Slams. Sein neues Buch "Die unglaublichen Abenteuer des Migranten Němec" hat er ebenfalls in einem Bühnen Programm verarbeitet.

"Das Witzige im Alltäglichen finden"

Aber nicht nur die Erlebnisse seiner Hauptfigur Nemec thematisiert Jaromir Konecny in seiner Bühnenshow, sondern auch seine eigenen - in einer Mischung aus Anekdoten, Musik und Ausschnitten aus dem Buch. Das Witzige im Alltäglichen zu finden, auch tragischen Situationen noch etwas Lustiges abzugewinnen, sei es auch manchmal noch so schwierig, das sei sein Motor und auch der seiner Hauptfigur.

"Die unglaublichen Abenteuer des Migranten Němec"

Mit seinem Buch ist Jaromir Konecny ein bitterkomischer Schelmenroman gelungen, der seine eigene Vergangenheit und die aktuelle Flüchtlingssituation verknüpft und die gesellschaftlichen Missstände in all ihren Skurillitäten zeigt.

"Ich möchte mit dem Buch selbstverständlich zuerst unterhalten und dann denk ich mir: Mein Gott, man liest das, ein Deutscher liest das, der sich Gedanken macht und sich dann sagt: Die lachen und sind lustig und am Ende genauso wie du und ich.Und das ist mein größter Anspruch."

Jaromir Konecny

Am 23. Oktober 2017 liest Jaromir Konecny im Substanz in München.


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