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"Grünstreifen" Einheimische und Flüchtlinge garteln zusammen

Im Herbst 2016 wurde im Bürgerpark Oberföhring ein interkultureller Gemeinschaftsgarten angelegt: Der Grünstreifen. Das natürliche Umfeld der dort Ansässigen soll soziales, ökologisches und künstlerisches Engagement verbinden.

Stand: 04.06.2017

Der "Grünstreifen" in der Abenddämmerung | Bild: BR, Roswitha Buchner

Mohammed und Jamal kümmern sich seit drei Wochen um ein Hochbeet, das sie sich selbst aus gebrauchten Holzpaletten zusammengezimmert haben. Besonders stolz sind die beiden jungen Syrer auf ihren selbstgezogenen Mais, den sie dank des interkulturellen Gartenbau-Projekts "Grünstreifen" hier anbauen können. Die Künstlerin Katrin Siebeck aus dem nahe gelegenen Atelier FOE hat den Gemeinschaftsgarten initiiert. Das Konzept, das in Zusammenarbeit mit dem Münchner Kulturreferat entstand, ist denkbar einfach: Jeder kann sich für einen monatlichen Obulus ein Hochbeet pachten. Ein Drittel der Anbaufläche steht für Flüchtlinge zur Verfügung. Jamal und Mohammed haben zufällig davon gehört und sich gleich ein Beet gesichert. Mehrmals in der Woche kommen sie seitdem nach Oberföhring, um ihre Pflänzchen zu hegen und zu pflegen.

"Wenn ich Stress habe, komme ich hierher, weil ich mit zehn Personen in einem Zimmer in einer Wohnung lebe, und das ist sehr schwer für mich."

Mohammed

Jamal (l.) und Mohammed an ihrem Hochbeet

Die Anreise ins Grüne ist lang. Über eine Stunde dauert es, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von der Flüchtlingsunterkunft im Münchner Viertel Milbertshofen in den Bürgerpark zu kommen. Jamal und Mohammed nehmen die lange Anreise dennoch gerne in Kauf. Denn im Park fänden sie nicht nur neue Freunde, sondern könnten gleichzeitig ihr Deutsche verbessern, schwärmt Jamal.

Zeichenkurse, Musikprojekte und Workshops sind geplant

Die Idee, Gärten in der Stadt anzulegen, ist nicht neu. Schon in den 1970er Jahren nutzte man etwa in New York Industriebrachen, Hochhausterrassen, Hinterhöfe und alte Parkplatzanlagen für Gartenanlagen. Das Projekt "Grünstreifen" unterscheide sich allerdings von diesen urbanen Gemeinschaftsgärten, sagt Katrin Siebeck. Zum einen durch das Engagement für Flüchtlinge, zum anderen durch kulturelle Angebote. Künstler aus den Ateliers im Bürgerpark sollen das gärtnerische Angebot künftig mit Zeichenkursen, Musikprojekten oder Upcycling-Kunst Workshops bereichern.

"Das vorrangige Ziel ist, dass verschiedene Arten von Leuten miteinbezogen werden sollen, dass Künstler dabei sind, dass da Leute aus der Umgebung dabei sind, Familien und Flüchtige, dass aus verschiedenen Gesellschaftsschichten Leute zusammen kommen, die vielleicht sonst nicht zusammenkommen würden."

Katrin Siebeck

"Reza ist der Gartenchef"

Wie etwa die Künstlerin Lucia Dellefant und der junge Afghane Reza, die hier im Garten gemeinsam ein Hochbeet angelegt haben.

"Was ich ziemlich spannend fand war, dass der Reza am Anfang zwar sehr begeistert war vom Beetebauen, ich aber dachte, vom Pflanzen will er gar nicht so viel wissen. Aber jetzt haben wir herausgefunden, wie viel Ahnung er davon hat, also der weiß viel mehr als wir alle zusammen. Ich sag immer, Reza ist der Gartenchef."

Lucia Dellefant

Reza macht Pause. Man kommt ins Gespräch

Reza weiß viel über den Gartenbau, doch einige Gemüsesorten, die hierzulande angebaut werden, hat er noch nie gesehen. Schmackhaftes aus seiner Heimat sei dagegen hier völlig unbekannt, wundert sich Reza. Okraschoten beispielsweise. Die will er demnächst versuchen, hier hochzuziehen. Ob es klappt, ist nicht sicher. Falls ja, werde er zur Einweihungsfeier der Gartengemeinschaft für alle Okra-Eintopf kochen. Ideen zur gemeinschaftlichen Verarbeitung der Ernte aus den Hochbeeten gibt es inzwischen auch schon: Ein Bauwagen-Cafe zum Beispiel. Doch das ist alles noch Zukunftsmusik. Vorerst wünschen sich die Initiatoren, dass noch viele Hochbeete und ihre Besitzer das kleine Gartenbauprojekt bereichern. Freie Plätze gebe es noch, sagt Mitinitiator Emanuel Eitle. Denn nichts bringe die Menschen näher zusammen, als das gemeinsame Gärtnern.


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