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Fotoprojekt von Barbara Hartmann Frauen in Srebenica

Am 11. Juni 1995 eroberten serbische Militäreinheiten Srebrenica. 8000 bosnisch-muslimische Männer und Jungen wurden ermordet, 25 000 Menschen vertrieben. Wie gehen die zurückgebliebenen Frauen heute mit der Erinnerung, mit der Nachbarschaft zu den ehemaligen Feinden um? Die Münchner Fotografin Barbara Hartmann begleitet seit 15 Jahren Frauen aus dieser Stadt.

Stand: 03.07.2015

Dubravka M. (2000) - In meinem Haus | Bild: Barbara Hartmann

Ungewöhnlich intime Blicke auf Srebenica

Ein 2-jähriges Mädchen im Schaukelstuhl, das sich über ein Feuerkerze freut. Eine Abiturientin im schwarz-goldenen Kleid mit ihrer Großmutter vor einer Treppe aus blanken Ziegelsteinen. Tausende weiße Gräber. Ein zerstörtes Haus von Bäumen überwuchert. Ein Grillabend mit Freunden. Das also ist das Leben in Srebrenica heute, 20 Jahre nach dem Massaker an der muslimischen Bevölkerung..

Dubravka M.

Diese ungewöhnlich intime Blicke auf Srebenica und die Einwohner der bosnischen Stadt ist einem Dutzend Frauen zu verdanken. Seit Wochen fotografieren sie mithilfe von Smartphones was sie bewegt, wie sie leben, was sie tun. Dann kommentieren und verbreiten sie die Bilder durch die sozialen Netzwerke. Der Anstoß dazu gab die Münchner Fotografin Barbara Hartmann, die diese Frauen seit 15 Jahren begleitet. Sie hat die Gruppe mit Handys ausgestattet und ihnen den Umgang mit Facebook, Twitter und Instagram beigebracht.

Der lange Weg der Versöhnung

Der Friedhof in Potočari

Schon 2000 und 2005 hat Barbara Hartmann die Frauen dazu animiert, ihr Leben zu fotografieren, egal ob serbischer oder bosnischer Herkunft , junge Mütter oder mehrfache Großmütter, berufstätig oder nicht. Damals hat die Künstlerin ihnen Einwegkameras gegeben. Herausgekommen ist das Buch, "Unsere Sicht – 12 Frauen aus Srebrenica". Für Barbara Hartmann ist aber noch viel wichtiger, dass durch das Fotoprojekt die ehemaligen Nachbarinnen wieder ins Gespräch kamen.

#Everydaysrebrenica

Doch der Weg zur Heilung der Kriegswunden und zur Versöhnung ist lang. Trauer, Armut und Arbeitslosigkeit machten im Laufe der Jahre die Frauen zu Einzelkämpferinnen. Seit 2005 hat sich die Gruppe nicht mehr getroffen. Doch mit dem neuen Online-Fotoprojekt habe sich das schlagartig geändert, erzählt Barbara Hartmann. Die Fotografin hofft, dass dieser Dialog anhält. Denn es gibt noch viel aufzuarbeiten. Serbischen Frauen, die auch Tote zu beklagen haben, können heute noch in Srebrenica ihre Trauer kaum ausdrücken. Die vielen Kommentare und Zusprüche aus aller Welt, die die Hobby-Fotografinnen durch die sozialen Medien bekommen, begleiten sie auf dem langen Weg der Versöhnung. Auf der Webseite www.srebrenica-frauen.org kann jeder die Fotos von 2000, 2005 und 2015 anschauen und unter dem #Everydaysrebrenica geht der Dialog weltweit weiter.


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