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Displaced Persons "Wie kam der Davidstern nach Dorfen?"

Wenn es um Folgen der NS-Zeit geht, zeigt es sich immer wieder, dass die Vergangenheit nicht komplett erforscht ist. In Dorfen weiß man erst seit Kurzem, dass hier nach dem Krieg um die 300 Shoa-Überlebende untergebracht waren.

Stand: 31.01.2016

Davidstern im Treppenhaus des Kulturzentrums Jakobmayer | Bild: BR / Julia Smilga

Dorfen bei Erding, etwa 50 km östlich von München. Monika Schwarzenböck und Doris Minet vom Verein "Dorfen ist bunt" stehen vor einer Gedenktafel im historischen Zentrum der Stadt.

"Das war das Haus, was man hier aus sieht, auf dieser Gedenktafel - die sogenannte Villa Meindl, in der nach dem Krieg von 1946 bis etwa 1948 die jüdische Blumengartenschule einquartiert war. Mit zwischen 50 und 70 Bewohnern."

Monika Schwarzenböck

Vorbereiten auf ein Leben in Israel

Monika Schwarzenböck (l.) und Doris Minet

Die "Blumengartenschule" war ein Ausbildungs-Kibbuz, in dem sich jüdische Displaced Persons auf ein Leben in Palästina vorbereiteten. Dieser Teil der Geschichte von Dorfen wurde erst vor vier Jahren entdeckt. Um die zwischen 2003 und 2007 stattgefundenen Neonazi-Aufmärsche aktiven Widerstand zu leisten, wurde 2006 das Aktionsbündnis "Dorfen ist bunt" gegründet. Monika Schwarzenböck und Doris Minet suchten im Münchener Staatsarchiv nach Vorbildpersonen in der Dorfener Geschichte, die für Toleranz und Zivilcourage standen. Und sind so auf die Liste der jüdischen Menschen gestossen, die nach dem Krieg in Dorfen gelebt haben.

Jüdisches Komitee

Menora im Treppenhaus des Kulturzentrums Jakobmayer

Diese Dokumente erzählten über Schicksale der jüdischen Displaced Persons in Dorfen der Nachkriegszeit und die spannende Geschichte ihres Neubeginns. Zeitgleich wurden bei Renovierungsarbeiten im Treppenhaus der Dorfener Gaststätte Jakobmayer ein gemalter Davidstern und das Bild einer Menora entdeckt. In dem heutigen Dorfener Kulturzentrum befand sich damals das Jüdische Komitee. Dort meldeten sich die DPs an, es gab eine Küche für Bedürftige und einen Betsaal. Bis 1948 lebten in Dorfen fast 300 Juden.

"Wie kam der Davidstern nach Dorfen?

Buchcover: Wie kam der Davidstern nach Dorfen?

"Dorfen ist bunt" auf den Spuren jüdischer Displaced Persons", ISBN: 9783926390134
Das Buch ist zu bestellen bei: Doris Minet 08081 - 3349 oder minet.doris@DORFEN.de

Rückkehr nach Deutschland

1948 wurde der israelische Staat gegründet und die meisten Dorfener Juden verließen die Stadt. Ihre Nachkommen leben heute überall auf der Welt. Nach über 70 Jahren ist die Geschichte nun rekonstruiert und in dem Buch "Wie kam der Davidstern nach Dorfen?" vom Aktionsbündnis "Dorfen ist bunt", veröffentlicht. Als die Gedenktafel über die Blumenschule  2013 eingeweiht  wurde, kamen auch zwei Frauen aus Israel, die in Dorfen geboren wurden.

"Eine der beiden Frauen war schon oft in Deutschland...während die andere eigentlich nie nach Deutschland kommen wollte. Das hat sie dann auch im Saal erzählt, dass sie ihrem Vater zu liebe gekommen ist. Wir waren dann sehr berührt als sie in diesem Zusammenhang gesagt hat: 'Heute bin ich glücklich, dass ich hier bin.'"

Monika Schwarzenböck


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