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Interview mit Thore Haag Projekt "RanRücken": Hilfe für Sportler

Immer wieder müssen prominente Athleten wegen Rückenschmerzen ihre Karriere ruhen lassen oder beenden. Eine Forschergruppe macht ihnen Hoffnung auf ein Ende des Leidens. Auch Freizeitsportler sollen profitieren.

Stand: 11.09.2015

Die Liste von Spitzensportlern mit Rückenbeschwerden ist lang. Ob Deutschlands erfolgreichster Tischtennisspieler Timo Boll oder Diskuswerfer Robert Harting, ob Rennrodlerin Tatjana Hüfner oder der jamaikanische Superstar Usain Bolt - sie alle plagt ein Leiden: Rückenschmerz. Mehrfach mussten sie deshalb in ihrer Karriere eine zum Teil längere Pause einlegen. Noch schlimmer traf es die Ski-Rennfahrerin Kathrin Hölzl, die im Oktober 2013 ihre Karriere ganz aufgeben musste - wegen Rückenschmerzen.

Ein Team von mehr als 60 Forschern will nun dafür sorgen, dass solche Fälle wie der von Kathrin Hölzl möglichst vermieden werden. Sie arbeiten zusammen für das Großprojekt "RanRücken", das vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft initiiert und über acht Jahre mit 13 Millionen Euro gefördert wird. Einer von ihnen ist Thore Haag, leitender Sportwissenschaftler an der Schön Klinik in München. Er machte sich mit den Kollegen vor vier Jahren ans Werk, um dem Rückenschmerz den Garaus zu machen.

"Das Ziel des Projekts ist es, für Spitzensportler und die Normalbevölkerung über Therapie und Therapiemethoden für den Rücken neue Erkenntnisse zu gewinnen."

Thore Haag, leitender Sportwissenschaftler an der Schön Klinik in München

Wissenschaftlicher Trainingsplan entsteht

Das Ziel der Forschergruppe: die bisherigen Diagnose- und Behandlungsmethoden um einfache und effiziente Alternativen zu erweitern. Die Rücken- und Rumpfmuskulatur soll nicht stumpf auf Kraft trainiert werden, vielmehr steht die Koordination im Vordergrund. Zu den zahlreichen weiteren Bearbeitungsgebieten des Projektes zählen auch biopsychosoziale Aspekte, wie Schmerzwahrnehmung und -verarbeitung, Stress und Stresshormone im Zusammenhang mit der Chronifizierung von Rückenschmerz.

"Im Vordergrund steht das Training mit instabilen Unterlagen, ob Handtücher, Kissen oder Bälle. Alles, was leicht vibriert ist geeignet, damit man Störreize hat, die auf einen einwirken."

Thore Haag

"RanRücken" setzt bei Spitzensportlern an und führt die von dort gewonnenen Erkentnisse auf die Gesamtbevölkerung zurück. So soll ein umfassender Trainingsplan entstehen, der in Zukunft vielen Sportlern - ob Profis oder Breitensportler - helfen soll.

"Viele Sportler machen bei unserem Projekt mit - Fußballer, Skifahrer oder Bobfahrer. Bekannte Persönlichkeiten, denn wir wollen direkt mit der Spitze forschen."

Thore Haag


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