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Radrennen auf dem Nürburgring Auf dem Rad durch die Nordschleife

Die Geschichte des Nürburgrings besteht aus Triumphen und Tragödien des Motorsports. Jackie Stewart, dreifacher Formel 1-Weltmeister, nannte die legendäre Rennstrecke in den 60er-Jahren "schöne, grüne Hölle", weil sie eingebettet ist in die liebliche Landschaft der Eifel und gleichzeitig bei den Fahrern berüchtigt. Jochen Rindt sagte, dort sei es "schwierig zu fahren, leicht zu sterben". Seit Niki Laudas Feuerunfall 1976 fährt die Königsklasse des Motorsports am Nürburgring vorbei. Aber der Ring erfindet sich immer wieder neu: Seit 2003 gehört er ein Wochenende lang den Radfahrern.

Stand: 07.09.2017

Radrennen auf dem Nürburgring 2017 | Bild: BR

Still ist es am letzten Wochenende im Juli auf dem Parcours des Nürburgrings: keine aufheulenden Motoren, kein Reifenquietschen, kein Benzingeruch.  Die Grand Prix-Strecke mit der berüchtigten Nordschleife gehört den Rennfahrern auf zwei Reifen. Mehr als 8.000 sind gekommen, um an den verschiedenen Rennen teilzunehmen: mit ihren Mountainbikes oder mit ihren hochgezüchteten, superleichten Carbon-Sportgeräten. Es gibt das Zeitfahren, das 24-Stunden-Rennen und die Jedermann-Rennen über 25 oder maximal 150 Kilometer, also sechs Runden.  

Rad am Ring – 24 Stunden-Rennen

5.000 Radl-Cracks starten in drei Etappen zum 24 Stunden-Rennen. Reporterin Claudia Decker (r.) ließ es ruhiger angehen beim Jedermann-Rennen ...

Zum 24-Stunden-Rennen drängen sich mehr als 5.000 Radl-Cracks am Start. Einer in der ersten Reihe sagt: "Ich freu mich drauf.  Wetter ist gut, jetzt nur noch Gas geben. Das hier ist ein legendärer Rennasphalt und wahrscheinlich eine der geilsten Rennstrecken für Radrennfahrer überhaupt." Der Mann mit der weitesten Anreise in die Eifel ist Amando Espinoza aus Hawaii.

Bis zu 26 Runden, so viele wird der Sieger am nächsten  Morgen auf dem Buckel haben. Jede Runde mit elf Prozent Gefälle, 17 Prozent Steigung und mehr als 500 Höhenmetern. Die meisten fahren in 4er- oder 8er-Teams.

Eine Runde durch die Schumacher-Schikane und die Fuchsröhre

... mit garantiert dem ältesten Rad auf der Grand Prix-Strecke: ihrem 30 Jahre alten Motobecane

Fitnessmagazin-Reporterin Claudia Decker entscheidet sich für eine Runde im Jedermann-Rennen. Zu Beginn beidseitig der Strecke Campingidylle mit Family-Life: Wohnmobile neben Zelten, Biertrinken auf Campingstühlen, dazwischen Rennräder in Wartestellung.

Der Asphalt ist perfekt. Die Landschaft ein grüner Traum im Wald, manchmal mit Ausblicken auf die sanften Höhenzüge der Eifel, Wald und Feld bis zum Horizont. Eine Wonne, durch die Schumacher-Schikane zu sausen, durchs Caracciola-Karussell. Schnaufen dagegen beim Anstieg bei Kilometer 11, da geriet Niki Lauda aus der Vollgaskurve, "Bergwerk" hieß dieser Streckenabschnitt. Andere Namen sind Kesselchen, Galgenkopf, Schwalbenschwanz. Und, seinerzeit bei Formel 1-Fahrern gefürchtet, die Fuchsröhre.

Nur Reifenabrieb, Schnaufen und Schalten

Schussfahrt mit bis zu Tempo 100

Schussfahrt. In der Stille des Waldes, wenn die Radler hinunterrasen, tief über dem Lenker liegend, mit Tempo 100, sind nur ihre Reifen auf dem Asphalt zu hören. Und beim am meisten gefürchteten Anstieg, vier Kilometer lang, hört man nur noch das Klicken der Gänge und das Atmen der Pedalhelden. Absteigen gilt nicht. Lieber im Stehen in die Pedale treten. Vier Kilometer lang schaffen das die meisten, bis zum höchsten Punkt der Nordschleife, Hohe Acht.

Claudia schafft es nicht. Manche überholen sie schon zum dritten Mal – Profis halt. Schließlich ist sie nicht die Einzige, die irgendwann schiebt. Auf der Höhe angekommen gibt es Gedränge beim Boxenstopp mit Wasser und Limo, Obst und Müsliriegeln. Manche halten hier nicht mal eine Minute. Eine Frau, schwer schnaufend, sagt nur so viel: "Ich bin jetzt auf der letzten Runde von meinen 75 Kilometern. Danach ist’s genug."

Der Rest der Strecke – eine fast leichte Übung. Die Ankunft im Ziel ist grandios. Jeder kriegt Beifall. Hut ab vor jedem, der sich das hier antut, 24 Stunden lang. Die meisten werden die Nacht durchradeln und in den Sonnenaufgang hinein, bis zum Mittag. Soll traumhaft sein.

Beitrag: Claudia Decker


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