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Abenteuer und Herausforderung Den Kilimandscharo bezwingen

Der Kilimandscharo ist der höchste Berg Afrikas und der höchste freistehende Berg der Welt. Jedes Jahr zieht der "Kili", wie er liebevoll genannt wird, Heerscharen von Treckern an. Fitnessmagazin-Autorin Frauke Gerbig und ihre Tochter haben sich mit einer Gruppe aufgemacht, um den Uhuru-Peak, den Gipfel auf 5.895 Metern, zu besteigen.

Von: Frauke Gerbig

Stand: 17.08.2017

Jeden Morgen singen unsere afrikanischen Träger und Guides für unsere Gruppe und stimmen uns emotional auf das Abenteuer ein. Wir sind vier Frauen und drei Männer, und bis auf meine 21-jährige Tochter Tessa sind wir alle zwischen 50 und 60 Jahre alt. Unterschiedlich fit, unterschiedlich bergerfahren. Wir werden insgesamt sieben Tage auf der Machame-Route unterwegs sein und uns langsam aber stetig an die zunehmende Höhe anpassen.

Attraktion

Der Kilimandscharo gehört zu den Seven Summits und gilt als technisch einfacher Berg. Auf dem Weg nach oben durchquert man alle Vegetationszonen: vom Regenwald, über das Moorland bis zu Stein- und Felswüste.

Benny ist unser Guide, 32, jung, herzlich, hilfsbereit und mit einem großen Lächeln. Er und sein Team kümmern sich um unser Wohlbefinden. Wenn wir nach sechs, sieben Stunden Wandern ins Camp kommen, sind die Zelte aufgestellt, das Essen bereitet, der Tee gekocht. In den ersten drei Tagen durchqueren wir den Regenwald, das Moorland und bewegen uns immer mehr auf felsiges, ödes Hochland zu. Das Massiv des Kilimandscharo mit seinen Gletschern rückt immer näher.

Kein Problem mit der Kondition …

Voraussetzungen

Die größte Herausforderung ist die Höhe. Eine gute Akklimatisierung ist essentiell, um den Uhuru-Peak, den Gipfel, zu erreichen. Die Anpassung erfolgt durch eine mehrtätige, langsame Annäherung an die Höhe. Motto: go high – sleep down. Um auf den Kilimandscharo zu steigen, sollte man fit und bergerfahren sein, über Trittsicherheit und Geländeerfahrung verfügen. Für viele ist es ungewohnt, in Zelten zu schlafen und viele verlieren durch die Anstrengung und die Höhe ihren Appetit.

Tessa und mir geht es tagsüber super: Die Wege sind für uns einfach und das sehr langsame Tempo bewirkt, dass wir uns konditionell nicht gefordert fühlen und auch mit der Höhe gut zurecht kommen. Wir sind erfüllt von der vielseitigen, teils bizarren Landschaft, den wechselnden Lichtverhältnissen, der Freundlichkeit und Zugewandtheit unserer afrikanischen Crew. Was mir aber von Tag zu Tag mehr zu schaffen macht, sind die schlaflosen Nächte, die mich viel Energie kosten. Ich kann einfach nicht abschalten.

Am fünften Tag sind wir auf unserem Basecamp auf 4.600 Meter angekommen: Um Mitternacht brechen wir zum Gipfel auf: Über uns breitet sich ein funkelnder Sternenhimmel aus, alle sind wegen der Kälte dick eingepackt, tragen Stirnlampen. Unsere Guides haben uns genau erklärt, was vor uns liegt: Sechs bis sieben Stunden sind es bis zum Uhuru-Peak. Wenn es uns schlecht geht, sollen wir sofort Bescheid sagen. Ansonsten gilt die Parole: In Diu Tunaesa – wir schaffen es  - auf Suhaeli.

… aber mit der Höhe

Aufstieg

Es gibt mehrere Aufstiegsrouten, sie unterschieden sich in Länge, Schwierigkeit und Infrastruktur. Der Aufstieg ist nur mit einer anerkannten Agentur oder einem eingetragenen Guide und einer offiziellen Registrierung möglich. Auf einen Gast kommen im Schnitt vier afrikanische Träger (Porter), die alles vom Tisch bis zur Toilette hochtragen. Die Guides sprechen Englisch und meist eine andere Sprache und können alles Wissenswerte über Fauna, Flora, Geschichte und Kultur erzählen.

Im Gänsemarsch bewegen wir uns langsam nach oben. Eine Schlange zuckender Stirnlampen. In den nächste drei Stunden fühle ich mich zunehmend schlechter: Mir ist übel und schwindelig. Ich stolpere. Ich muss mich mehre Male übergeben. Ich bin nicht ganz bei mir. Irgendwann ist mir klar: Ich bin höhenkrank. Ich muss zum Camp absteigen. Einer der Guides begleitet mich. Innerhalb einer Stunde geht es mir besser und ich liege wieder im Zelt. Die anderen kämpfen sich zum Gipfel hoch und kommen erschöpft und erleichtert zurück, auch Tessa.

Fazit

Dauer

Rund eine Woche lang ist man täglich zwischen fünf und sieben, am Gipfeltag 12 bis 16 Stunden unterwegs. Der Gipfelanstieg erfolgt um Mitternacht, um zu Sonnenaufgang am Uhuru-Peak zu sein. Er dauert sieben Stunden voller Kälte, Müdigkeit und heftigem Wind.

Technisch absolut machbar, aber einen Fast-Sechstausender darf man niemals unterschätzen. Es ist eine unglaubliche Kraftanstrengung, in dieser Dunkelheit und Kälte sich sieben Stunden diesen Berg hochzuschleppen. Das muss man wollen.

Anbieter

Trekking-Touren auf den Kilimandscharo kann man beispielsweise buchen über den DAV Summit Club, Hauser Exkursionen oder Wikinger-Reisen.

Karte: Wo genau liegt der Kilimandscharo?


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