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Ein echter Renner Indoor-Marathon im Bürohaus

Viele Läufer absolvieren im Herbst ihren letzten Marathon, bevor sie es im Winter läuferisch ruhiger angehen lassen. Da das Wetter im November aber meist ungemütlich ist, gibt es in Nürnberg jedes Jahr einen kuriosen, aber ungemein beliebten Indoor-Marathon durchs Gebäude der Landesgewerbeanstalt (LGA).

Stand: 13.11.2015

Am vergangenen Wochenende drehten dort über 300 Starter ihre Runden. Auf Teppichboden und vorbei an verschlossenen Bürotüren führte der Lauf durch die langen Gänge: Hinwärts immer durchs Erdgeschoss und die Treppe runter, zurück durch die langen Gänge im Untergeschoss und die Treppe hoch. "Bei den Treppen musst du aufpassen, dass du dich nicht vertrittst", weiß Erwin Bittel, der seit den Anfängen des LGA-Indoor-Marathons jedes Jahr mitläuft. 2.200 Stufen insgesamt beziehungsweise 110-mal durchs Treppenhaus entsprechend 455 Höhenmeter machen diesen Marathon zu etwas Besonderem, bei dem man ständig wechselt zwischen Laufen und Treppensteigen.

Auch Friedrich Hinkel, mit 75 Jahren der älteste Teilnehmer, ist Wiederholungstäter. Schon mehr als 300-mal ist er seit seiner Jugendzeit Marathon gelaufen. Jetzt lässt der Pfälzer es etwas langsamer angehen und will doch wissen, dass es noch geht: "Letztes Jahr bin ich unter sechs Stunden gelaufen. Aber Hauptsache ins Ziel kommen." Die anderen Läufer feuern ihn immer wieder an, und auch sonst ist die Stimmung im Publikum gut. Im Foyer klatschen und jubeln die Zuschauer.

Trotzdem können die 55 Runden für die Marathonläufer ganz schön lang werden. Da die Außentemperaturen diesmal eher sommerlich warm sind, wird es auch im Gebäude schon nach einer Stunde ziemlich mollig und die Luft ist trocken. Da helfen auch die geöffneten Fenster nicht viel: "Wir hoffen, dass die Klimaerwärmung nicht weitergeht, sonst müssen wir den Indoor-Marathon in den Januar verlegen", sagt Mitinitiator Thomas Wolkenstörfer von der LGA.

Blitzschnell ausgebucht

Wolkenstörfer hat die Idee für den Indoor-Marathon 2004 von einem Seminar für Zukunftsideen mitgebracht. Seitdem ist der Hype darum ungebrochen und die Veranstaltung jedes Mal in drei Tagen ausgebucht. Für die Sportheilpraktikerin Anita Kinle ist es heuer der letzte Wettkampf. Das heißt aber nicht, dass sie im Winter mit dem Laufen pausiert. "Denn wer beispielsweise sechs Wochen nicht läuft, fängt mit dem Herz-Kreislauf-System fast wieder bei Null an." Daher ihr Rat: "Auf jeden Fall weitertrainieren, wenn auch  mäßig und sowohl bei der Kleidung als auch beim Tempo an die Temperaturen angepasst. Bei Blitzeis lieber mal ins Schwimmbad oder eine Spinning-Einheit einlegen."

Selbst wenn es kalt wird, läuft einer weiterhin barfuß: Dietmar Mücke aus Wasserburg am Inn ist beim Indoor-Marathon als Pumuckl verkleidet. Bereits seit über 15 Jahren läuft er Marathon ohne Schuhe: "Wir sind als Kinder so viel barfuß gelaufen, dass man sich nur darauf zurückbesinnen muss. Die Leute glauben, man müsste darauf trainieren, aber das stimmt nicht: Man muss es einfach nur machen!", sagt er lachend und sprintet mit roter Perücke, gelbem Shirt und grüner Hose koboldartig davon.

Ob barfuß oder mit Schuhen, mit 75 oder als Youngster, als Einzelstarter oder in einer Firmenstaffel – die Teilnehmer loben den Nürnberger LGA Indoor-Marathon, weil er wetterunabhängig, sehr familiär und irgendwie einmalig ist.

Beitrag: Ullie Nikola


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