B5 aktuell - Das Fitnessmagazin


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ARD-Themenwoche "Woran glaubst Du" Fitness als Ersatzreligion

An irgendetwas glauben wir alle. Für viele spielen dabei Sport, Fitness und Gesundheit eine große Rolle und für manche ist es eine Art Ersatzreligion. Sie gehen sonntags lieber in den Fitness-Tempel als in die Kirche und schwitzen anstatt zu beten. Sie suchen das "ewige Leben" eher im Hier und Jetzt und optimieren dafür ihre Körper.

Stand: 16.06.2017

Symbolbold: Kirchturm und junge Frau beim Trainieren | Bild: clourbox.com, Montage: BR

Manche trainieren nicht nur an sieben Tagen in der Woche, sondern gehen sogar zweimal täglich zum Sport. Oder sie absolvieren enorme Umfänge. Triathleten trainieren für die Langdistanz locker 20 Stunden pro Woche. Wattzahlen sind dabei auf jeden Fall wichtiger als Bibelverse und die richtige Ernährung beim Wettkampf entscheidender als das Abendmahl in der Kirche. Immer weniger Menschen besuchen religiöse Einrichtungen, dafür steigt die Zahl der Fitness-Anhänger und damit auch die Zahl der Fitness-Studios.

Jenni, Fitness-Coach aus Oberfranken:

"Viele sagen, dass der Sport ihr Ankerpunkt ist, an dem sie sich festhalten und das ist ja wie eine Religion. Ich kann mir das als Ersatzreligion für viele gut vorstellen, denn es gibt Kraft, man findet eine Gemeinschaft, mit der man was erleben und feiern kann und deswegen kann ich das gut nachvollziehen."

Jenni, Fitness-Coach aus Oberfranken

Pfarrer Michael Wolf, Fürth:

"Im Mittelalter war der Druck der kirchlichen Botschaft groß: Du musst brav sein und beichten, dann erst bist du Gott recht und kommst in den Himmel. Martin Luther hat dann zu einem Umdenken aufgerufen, nämlich dass wir als Geschöpfe Gottes grundsätzlich wertvoll sind. Doch heute folgen viele der Botschaft: Du musst dich optimieren, dein Körper muss straff sein und du musst sportlich und fit sein und dich gesund ernähren - erst dann bist du okay und wertvoll."

Pfarrer Michael Wolf, Fürth

Profi-Triathletin Wenke Kujala:

"Viele suchen einen Ausgleich zum Arbeitsleben und Sport ist für viele eine Religion geworden. Aber ich glaube, es kann beides wunderbar nebeneinander existieren, auch wenn für viele der Sport mehr zum Alltag gehört als der Gang in die Kirche."

Profi-Triathletin Wenke Kujala

Franzi, Rennradfahrerin aus der Oberpfalz:

"Auf den Sport würde ich mich nicht verlassen, weil Verletzungen einen davon abbringen können und dann hat man gar keinen Rückzugspunkt mehr. Denn man ist beim Sport auf seinen Körper angewiesen, und wenn man sich beispielsweise das Bein bricht, kann man nicht mehr laufen oder radfahren, aber trotzdem an Gott denken."

Franzi, Rennradfahrerin aus der Oberpfalz

Sportmediziner Dr. Rainer Müller-Hörner, Fürth

"Der Suchtfaktor ist extrem bei Ausdauersportarten wie Triathlon, Marathon, Mountainbike, Straßenrennrad und ebenso beim Bodybuilding, um massiv Kraft und Muskeln aufzubauen. Da kann ich aus eigener Erfahrung mitreden, denn es geht mir genauso: Wenn ich zwei Tage keinen Sport machen kann, dann bin ich absolut unleidlich. Aber man sollte Sport als Ersatzreligion nicht zu negativ sehen, denn 90 Prozent der Menschen profitieren vom Sport. Ein paar übertreiben es mit dem Training und ein kleiner Teil macht Blödsinn. Das ist aber die Ausnahme. Die meisten Freizeitsportler sind glücklich mit ihrem Training und ab und zu tut mal was weh. Für mich persönlich ist der Anreiz ganz banal: Ich möchte einfach, dass es toll ausschaut, wenn man voll austrainiert ist."

Sportmediziner Dr. Rainer Müller-Hörner, Fürth

Beitrag: Ullie Nikola


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