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Moderner Fünfkampf Vielseitigkeit hoch fünf

Im Vorfeld der Sommerspiele in London präsentiert das Fitnessmagazin olympische Sportarten, die nicht allen unbedingt geläufig sind, weil sie oft abseits des Rampenlichts stattfinden - aber trotzdem nicht minder faszinierend sind. Zum Auftakt stellen Nachwuchs-Talente im Modernen Fünfkampf sich und ihre Sportart vor.

Stand: 06.06.2012

Lautstark feuert Familie Hierl im Passauer Erlebnisbad ihre Buben an. Das Schwimmen über 200 Meter ist die zweite Disziplin bei den Süddeutschen Jugendmeisterschaften, und Andi und Tobi sind Favoriten in der A- und C-Jugend. Andi entdeckte den Modernen Fünfkampf durch seine große Schwester. Inzwischen ist der 16-Jährige aus Nürnberg seit vier Jahren dabei. Er liebt die Herausforderung, sich in fünf komplett verschiedenen Sportarten zu beweisen.

Während beim Laufen und Schwimmen Ausdauer gefragt ist, geht es beim Schießen um Konzentration, beim Fechten um Gefühl und Beweglichkeit. Beim Reiten schließlich müssen die Sportler Mut und Einfühlungsvermögen für ein fremdes Pferd aufbringen, das ihnen erst vor dem Wettkampf zugelost wird. Beim Fechten muss in Kurz-Gefechten mit dem Degen jeder einmal gegen jeden ran.

Verfolgungswettkampf im Laufen und Schießen

Nach dem Reiten, Schwimmen und Fechten werden alle Ergebnisse zusammenaddiert und vor dem Laufen und Schießen in Zeitrückstände umgerechnet. Denn damit der Moderne Fünfkampf attraktiver wird, wurden Laufen und Schießen 2009 zum "Combined" zusammengefasst, eine Art Biathlon-Verfolgung. Der Erstplatzierte geht mit entsprechendem Vorsprung auf die Verfolger in den 3.000 Meter-Lauf und muss unterwegs bei drei Schießeinheiten seine Führung möglichst bis ins Ziel verteidigen.

Mehr als 100 Jahre Tradition

Erfunden hat den Modernen Fünfkampf Pierre de Coubertin zu Beginn des 20. Jahrhunderts, weil er nach dem antiken Mehrkämpfer den perfekten Sportler der Neuzeit suchte: Einen, der läuft, schwimmt und reitet – und obendrein noch mit Degen und Pistole umgehen kann. Zum olymischen Programm gehört der Moderne Fünfkampf seit 1912. Er ist aber eine so exklusive Nischensportart, dass er schon mehrmals auf der Kippe stand. Mit Lena Schöneborn, Goldmedaillengewinnerin von Peking 2008, ist in London sogar eine deutsche Titelverteidigerin am Start.

Aber fünf Disziplinen zu bestreiten, ist natürlich "ganz schön aufwendig", sagt die 15-jährige Annalena Kästl aus Sulzbach-Rosenberg. Sie startet wie Andi für den Post SV Nürnberg, den größten von neun Fünfkampf-Stützpunkten in Bayern. Dreimal pro Woche schwimmen, dreimal laufen, dazu zweimal reiten plus ein- bis zweimal schießen und fechten – da kommen leicht zehn Trainingseinheiten pro Woche zusammen.

Dünnes Starterfeld

Sportliche Alleskönner, die neben der Schule so ein Pensum leisten, sind selten. Astrid Olejarz vom OSC München ist in Passau das einzige Mädchen in der A-Jugend. Die Elftklässlerin fand den Einstieg übers Laufen, viele Mädchen – wie Annalena - kommen vom Reiten. Jungs fasziniert vor allem das Schießen mit der Laserpistole. Aber die wichtigste Basis ist das Schwimmen, betont Jochen Richter, pensionierter Polizei-Hauptkommissar und seit 40 Jahren Fünfkampf-Trainer in Nürnberg.

Die Fünfkampf-Stützpunkte in Bayern

ASK München Süd
OSC München
BTS Bayreuth
SB Uffenheim
Post SV Nürnberg
TSV Marktoberdorf
SC Prinz Eugen München
TV Passau
TSV Erding

Alle fünf Disziplinen absolvieren die Jugendlichen ab der B-Jugend, das Reiten kommt als letzte hinzu. Andis 13-jähriger Bruder Tobias ist schon jetzt im Laufen, Schwimmen, Schießen und Fechten spitzenklasse. Aber er zeigt auch das Dilemma, wenn Fünfkampf-Talente zu gut sind. Dann werden sie nämlich leicht zu anderen Sportarten – etwa den Schwimmern oder Fechtern - abgeworben.

Beitrag: Anna Biermann


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