Hockey Erfolgsverwöhnt mit dem "Schäferstab"
Zu den Olympischen Spielen stellt das Fitnessmagazin Sportarten vor, die sonst weniger im Rampenlicht stehen. Diesmal geht es um eine der ältesten Mannschaftssportarten überhaupt: Hockey. Das Herrenteam um Kapitän Max Müller aus Nürnberg ist in London Titelverteidiger.
Die deutschen Hockeyteams gehören seit Jahrzehnten zur Weltklasse. Allein die Männer holten dreimal olympisches Gold und gehen in London als Titelverteidiger ins Turnier. Die deutschen Frauen waren zuletzt 2004 in Athen Olympiasieger. Erfolge, die vor allem auf die Talentförderung innerhalb des Deutschen Hockey Bundes zurückzuführen sind und darauf, dass der Fokus stärker auf die Nationalmannschaften ausgerichtet ist als auf die Vereine.
Weit mehr als 100 Spiel- und Trainingstage verbringt ein Nationalspieler wie Max Müller vom Nürnberger HTC in einer Olympia-Saison im Kreis seines Auswahlteams. Bei den etwa 25 bis 30 Länderspielen im Jahr treten die DHB-Auswahlen größtenteils gegen ihre Hauptkonkurrenten an. Bei den Männern sind das Australien, Spanien und die Niederlande. Bei den Frauen vor allem die Niederlande, Argentinien und China.
Ursprünge bei den alten Ägyptern
Hockey geht vermutlich auf die ältesten Zivilisationen zurück. Der früheste Nachweis stammt aus dem Jahr 4.000 v. Chr. Eine Grabmalerei aus dem Niltal zeigt Männer, die mit einem krummen Stock und einem Ball spielen. Der Krummstock hat der Sportart auch ihren Namen gegeben. Das altfranzösische „Hoquet“ bedeutet so viel wie „Schäferstab“. Im Programm der modernen Olympischen Spiele ist Hockey seit 1908, seit 1980 spielen auch Frauenteams um Olympiamedaillen.
Erste Technik-Übungen mit Klorolle
Schnelligkeit und Kondition sind - wie bei allen Ballsportarten - auch im Hockey die Grundvoraussetzungen. Hinzu kommt aber eine wichtige technische Komponente: Der Ball darf nur mit der flachen Innenseite des Schlägers gespielt werden. Wer wie Müller einmal Olympiasieger werden will, muss früh mit der Sportart beginnen, empfiehlt Jugendtrainer Marius Roos. Die technischen Grundlagen werden im Kindesalter gelegt. Bei Technik-Übungen werden die Schläger teilweise mit leeren Toilettenpapierrollen umhüllt. So werden die Kinder daran gewöhnt, dass die obere Hand nur für die Kontrolle des Balls zuständig ist, während die untere lediglich stabilisiert.
Olympia-Serie
Die Spielzeit beträgt bei den Erwachsenen 2 x 35 Minuten. Während dieser 70 Minuten kommen die Spieler allerdings kaum zur Ruhe. In den vergangenen Jahren gab es mehrere Regeländerungen, um das Spiel noch schneller zu machen. Wichtigste Änderung ist der "Self-Pass": Erhält eine Mannschaft nach dem Foul eines Gegners einen Freischlag, muss der Ball nicht erst zum Mitspieler gespielt werden, sondern der ausführende Spieler darf mit der Kugel auch alleine weiterlaufen.
Robustheit für die Zweikämpfe
Um den Anforderungen gerecht zu werden, haben die Spieler einen umfangreichen Trainingsplan. Neben den zwei bis drei Einheiten im Mannschaftstraining fallen etwa vier Laufeinheiten an und noch einmal ein bis zwei Einheiten zusätzliches Sprinttraining. Ein- bis zweimal die Woche geht es in den Kraftraum. Laien könnten auf die Idee kommen, dass beim Athletiktraining etwaigen Haltungsschäden vorgebeugt werden soll, die durch die gebückte Haltung entstehen könnten. Stimmt aber nicht! Wie in anderen Ballsportarten auch geht es vor allem darum, sich eine gewisse Robustheit für die Zweikämpfe anzutrainieren.
Beitrag: Oliver Tubenauer

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