B5 aktuell - Aus Landwirtschaft und Umwelt


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Klimawandel als Herausforderung Wie die Landwirtschaft reagieren muss

Der Klimawandel ist eine Herausforderung für die Landwirtschaft. Auch weil dieser Sektor der Wirtschaft selbst viele Treibhausgase ausstößt und es Reduktionsziele gibt. Wie die Landwirte auf die sich verändernden Bedingungen reagieren müssen, das war Thema bei einem Symposium am Hans-Eisenmann-Zentrum der TU München in Freising.

Von: Tobias Chmura, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 28.09.2017

Zwei eisige Nächte Mitte April haben gereicht, und nach einem zuvor warmen März waren die meisten Blüten an Apfel- und Kirschbäumen erfroren. Bayerische Obstbauern beklagen nun Ernte-Ausfälle von bis zu 90 Prozent. Andererseits ist in Bayern die Durchschnittstemperatur schon jetzt um rund 1,5 Grad gestiegen, das ist fast doppelt so viel wie im globalen Mittel. Das macht klar: Der Klimawandel ist eine Herausforderung für die Landwirtschaft.

"Änderungen in der Phänologie"

Spätfröste gab es früher natürlich auch schon. Aber bei einer immer früheren Blüte durch die Erderwärmung werden die Obstbäume bei uns auch immer anfälliger für Spätfrost.

"Was wir hier in Bayern gut erkennen können, sind Änderungen in der Phänologie, also der Zeitpunkt: Wann blüht was? Wann treibt was aus? Und da sehen wir, dass pro Grad Erwärmung mindestens fünf Tage Verfrühung dieser Ereignisse zu sehen sind!"

Prof. Annette Menzel, Lehrstuhl für Ökoklimatologie der Technischen Universität München

Ein fünf Tage früherer Zeitpunkt in der Phänologie bedeutet, dass der Austrieb in manchen Jahren schon jetzt zwei bis drei Wochen früher beginnt.

Ohne Bewässerungssystem wird es langfristig wohl kaum gehen

Weniger Regen und vor allem lange Trockenperioden sind eine weitere Befürchtung. In großen Teilen Bayerns, vor allem in Franken, werden die Bauern in den kommenden Jahrzehnten viel Geld für Bewässerungssysteme ausgeben müssen. In Unterfranken gibt es schon jetzt ein Pilotprojekt zur Verteilung der künftig knappen Ressource Wasser. Bis Ende des Jahrhunderts könnten uns hierzulande italienische Verhältnisse blühen, warnt denn auch Prof. Annette Menzel, Lehrstuhl für Ökoklimatologie der TU München. Nach Modellberechnungen könnten dann Bedingungen herrschen wie im Augenblick in der Po-Ebene in Oberitalien.

Weniger tierische Produkte essen, um die Klimaziele zu erreichen

"... 80 Prozent der Emissionen in der Landwirtschaft kommen aus der Tierhaltung. Wenn wir den Konsum der tierischen Nahrungsmittel zurückfahren, dann können wir da sehr schnell, sehr, sehr viel erreichen."

Eidg. Dipl. Biol. Daniel Bretscher, Agroscope Zürich, Universität Bern, Schweiz

Die Landwirtschaft ist nicht nur Opfer des Klimawandels, sondern auch Verursacher. Die Bundesregierung hat den Agrar-Sektor schon verpflichtet, bis 2030 rund ein Drittel weniger Treibhausgase auszustoßen. Dabei geht es vor allem um Lachgas und Methan. Diese dem Klima schadenden Verbindungen entstehen vor allem bei der Düngung im Ackerbau und in der Tierhaltung. Wird jedoch zum Beispiel die Gülle direkt in die Erde eingearbeitet und die Fütterung von Rindern verbessert, könnte das die Emissionen schon um gut 20 Prozent senken. Das wäre zumindest ein Anfang.

Wovon leben dann die Landwirte? Energie statt Teller

Klicktipp

Die Durchwachsene Silphie ist eine Pflanzenart die zur Familie der Korbblütler gehört. Sie ist sehr ausdauernd und eine mehrjährige Pflanze. Aufgrund ihrer großen Biomasseproduktion wird sie als Energiepflanze angebaut.  | Bild: picture-alliance/dpa/Klaus Nowottnick zum Artikel Durchwachsene Silphie im Allgäu Versuchspflanze liefert Biomasse

Im Allgäu wird die nordamerikanische Energiepflanze "Durchwachsene Silphie" getestet - die vor allem zur Biomassegewinnung genutzt wird. Drei Jahre lang werden Erfahrungen gesammelt, etwa ob die Pflanze einen langen Winter verträgt. [mehr]

Um aber auf die geforderte 30-prozentige Senkung der Treibhausgase zu kommen, müssten auch die Verbraucher ihr Teil dazu beitragen, indem sie weniger Fleisch und andere tierische Produkte essen. Bislang ist der Fleischkonsum in Deutschland nur ganz leicht rückläufig. Knapp 60 Kilo pro Jahr isst jeder im Schnitt. Und selbst wenn plötzlich alle nur noch halb so viel Fleisch essen würden. Wovon leben dann die Landwirte? Der Agrar-Ökonom Prof. Hermann Lotze-Campen vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, PIK, vertritt die Ansicht, dass sich die klassische Landwirtschaft verändern muss. Er sieht große Chancen für die Landwirtschaft in dem Bereich der Biomasse und Bioenergieerzeugung. Heißt: der Landwirt wird zum Energiewirt. Noch sei das keine Option für die Landwirtschaft von heute, räumt Agrar-Ökonom Lotze-Campen ein. Aber in einigen Jahren schon könne das anders aussehen.


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