B5 aktuell - Aus Landwirtschaft und Umwelt


9

Erdbeeranbau in Spanien Ökosystem von Doñana bedroht

In Huelva im Südwesten Spaniens wächst ein Drittel aller europäischer Erdbeeren. Knapp 300.000 Tonnen werden pro Saison exportiert, vor allem nach Deutschland. Doch die Erdbeerplantagen liegen direkt neben dem Nationalpark Doñana, einem der wichtigsten Feuchtgebiete Europas und Unesco-Weltkulturerbe. Die Bewässerung dieser Erdbeeren leert die Grundwasserreserven von Doñana. Die Europäische Kommission hat Spanien deshalb verwarnt, der Lebensmittelhandel übt ebenfalls Druck aus.

Von: Brigitte Kramer, Landwirtschaft und Umwelt

Stand: 24.02.2017

Erdbeeranbau bedroht Ökosystem von Doñana | Bild: BR/Brigitte Kramer

Der Erdbeeranbau ist der wichtigste Einkommenszweig der Region, doch der Wasserverbrauch bedroht das Ökosystem von Doñana. Doñana ist ein riesiges Mündungsdelta an der südspanischen Atlantikküste. Es ist ein Feuchtgebiet und neben dem Donaudelta und der Camargue Europas wichtigstes Brut- und Rastgebiet für Hunderttausende von Vögeln, die jedes Jahr kommen.

Erdbeer-Bewässerung bedroht Ökosystem

NABU: Für den Erdbeeranbau werden in Huelva jährlich 20 Millionen Kubikmeter Wasser benötigt.

Weil es in den letzten Jahren an Regen fehlt, benötigen die dort wachsenden Pflanzen Grundwasser. Doch der Grundwasserspiegel sinkt seit einigen Jahren und das liegt vor allem an der Landwirtschaft. Wird der Prozess nicht gestoppt, versalzen zudem die Böden, weil das Wasser vom Atlantik eindringt und sich mit dem Grundwasser vermischt.

Die Europäische Kommission hat Spanien verwarnt, das Ultimatum läuft: Entweder schützt Spanien Doñana besser oder es muss vor den Europäischen Gerichtshof. Das Gebiet sei für ganz Europa von außerordentlicher ökologischer Bedeutung, so die EU-Kommission.

Umgebungskarte von Huelva in Andalusien

Landwirte machen Druck auf die kommunale Verwaltung

"In den 40 Jahren, die wir in der Provinz Huelva jetzt schon Beeren anbauen, wurde uns nie amtlich bestätigt, dass wir landwirtschaftliche Nutzfläche bewirtschaften. Wir können das aber belegen. Wir machen jetzt Druck auf die Verwaltung hier und auf die spanische Zentralregierung, dass das jetzt endlich für immer geregelt wird."

Cristóbal Picón, Landwirt

Das Umweltministerium in Andalusien arbeitet seit zwei Jahren einem Raumordnungsplan: mindestens ein Drittel der Anbaufläche müssen stillgelegt und rund tausend Brunnen geschlossen werden. Kein leichtes Unterfangen, denn die Erdbeeren-Plantagen bieten 60.000 Arbeitsplätze in einer ansonsten wirtschaftsschwachen Region.

Wer zahlt, schafft an

Die Erdbeeren wachsen unter Folientunneln auf Hochbeeten. In ihnen sind die Bewässerungsrohre, die die Böden feucht halten.

Lebensmittelunternehmen wie Danone oder Coca Cola und Supermarktketten wie Edeka kaufen tonnenweise Erdbeeren in Andalusien: Fürs Obstregal oder als Zutaten für Smoothies, Fruchtgetränke oder Milchprodukte. Die Konzerne investieren mittlerweile direkt vor Ort in Nachhaltigkeit: Den Bauern bieten sie kostenlose Schulungen zur effizienterer Wasserwirtschaft. Und die Agrarkooperativen arbeiten mit der regionalen Universität und einem Technologiezentrum zusammen, um zum Beispiel Erdbeersorten zu züchten, die weniger Wasser brauchen.

Nationalpark Coto de Doñana

Der Doñana-Nationalpark an der Costa de la Luz in Andalusien umfasst 54.252 Hektar und ist Teil des Natura 2000-Gebiets "Doñana". Es handelt sich um ein flaches, zeitweilig überschwemmtes Feuchtgebiet. Das macht diese Landschaft so einzigartig mit seiner vielfältigen Pflanzen- und Tierwelt. Tausende von Zugvögeln machen dort Jahr für Jahr Rast. 1994 erhob die Unesco den Nationalpark zum Weltnaturerbe.


9