B5 aktuell

Ausstellungstipps Außen- und Innenräume in der Kunst

Mit Außen- und Innenräumen beschäftigt sich Wilhelm Warning diese Woche in den Ausstellungstipps. Die Ausstellungstipps - immer montags um 6.25 Uhr und um 18.25 Uhr auf B5 aktuell.

Von: Warning, Wilhelm Stand: 12.11.2012
Statue Mann mit Pferd | Bild: picture-alliance/dpa

Was zeigt die Kunst: Die Außenwelt oder den Innenraum oder beides? Gilt das auch für Dokumentarfotos und Filmstills?

Blicken wir zum Beispiel auf das Leben in der Stadt: Ein älterer Herr im Anzug schreitet eine breite Außentreppe empor. Er geht dicht an der Wand, an der er sich mit der einen Hand abstützt. In der anderen trägt er eine Tüte. Zu sehen sind nur Treppe, Wand und Mensch.

Das Bild stammt von der Fotografin Polly Braden, die diese Szene in London mit der Kamera beobachtet hat.

Das Äußere ist klar. Man sieht es. Das Innere freilich lässt sich nur erahnen: die Unsicherheit des Mannes auf der Treppe. Vielleicht verbirgt sich ein ganzes Lebensschicksal hinter dieser Szene.

Zu sehen ist das Foto in der Ausstellung „Fotodoks - Achtung?! – Respekt, Kontrolle, Veränderung“ im Münchner Stadtmuseum, dessen Ausstellungen zum Thema Photographie fast immer bemerkenswert sind.

Ein kleiner Junge im blauroten Sportdress hat ein pyramidenartiges Teil aus einem Fernseher oder Computer über seinen Kopf gehoben, so, als ob er eine Trophäe hielte. Hinter ihm schwarze Rauchschwaden, ein Autowrack, Reifen, Schrott, brennender Müll.

Eine Serie des Fotografen Kai Löffelbein, die er in Accra, der Hauptstadt von Ghana gemacht hat.

Es sind Kinder: Bar jeder Schutzbekleidung und ohne entsprechende Werkzeuge versuchen sie, an die wertvollen Rohstoffe zu gelangen, mitten zwischen hochgiftigen Dämpfen.  Auch das ist der dokumentarische Blick. Aber auch hier berühren die Bilder die Betrachtenden: Wie viel Hoffungslosigkeit  mag wohl dahinter stehen?

15 fotografische Positionen zeigt das Münchner Stadtmuseum, die sich den Themen der Zeit widmen, die die Beziehung des Fotografen zur Welt beleuchten und vom Umgang mit dem Bild erzählen. „Fotodoks - Achtung?! – Respekt, Kontrolle, Veränderung“ im Münchner Stadtmuseum bis zum 25. November. Wie aber verbinden sich Außen- und Innenwelt bei den Film-Stills, also den Fotos, die beim Drehen gemacht wurden?

Unverkennbar Marlene Dietrich. Und unverkennbar Emil Jannings. Sie, jung, attraktiv, mit lockigen Haaren lächelt überlegen. Er, älter schon mit Knebelbart und Brille, sitzt und blickt zu ihr auf. Sie hat seinen Kopf in den Händen. Alles zeigt: ich habe dich in der Hand.

Ein Foto aus dem weltberühmten Film „Der blaue Engel“, 1930 gedreht. Eines aus einer ganzen Serie von Fotos aus Filmen, die aus der Zeit der Weimarer Republik stammen und ausgestellt sind im Kunstfoyer der Versicherungskammer in der Münchner Maximilianstraße. Alles Bilder aus Klassikern, die  zeigen, wie hoch die Qualität der Filmkunst bis 1933 war. „Licht und Schatten – am Filmset der Weimarer Republik“, bis zum 27. November. Innen und Außen. Auch zu sehen in Ismaning, im Kallmann Museum. Der Titel „Außenwelten – Innenraum“ ist hier ganz wörtlich zu verstehen, denn gezeigt werden Landschaften, Interieurs und Stillleben aus der Sammlung Brabant.

Es sind ausdrucksstarke Bilder aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Ein gelbgoldenes Sommerhaus von Jawlensky, ein bräunlich-rötliches Stillleben von Beckmann, ein weiter Blick auf sommerliche Hügel und Berge von Karl Hofer.

Über 90 Bilder aus der Sammlung Brabant: Außenwelten Innenraum, zu sehen im Kallmannmuseum in Ismaning bis zum 2. Dezember.  


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